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Blood Freak (1971)

Eine Kritik von Intergalactic Ape-Man (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 20.04.2009, seitdem 469 Mal gelesen


Abteilung 'Dinge, die wir nie wissen wollten' und 'Filme, von denen wir nicht zu träumen wagten': Es begab sich zu der Zeit, als der um seine Filmkarriere bemühte Steve Hawkes in Kroatien aufbrach, sein Glück in der amerikanischen Filmindustrie zu suchen. Bekannt wurde er dabei in spanischen Tarzan-Produktionen. Doch sein Weg kreuzte sich mit dem Regisseur und Nudisten Brad F. Grinter, der in Flesh Feast bereits freßgierige Maden auf das Gesicht Hitlers losgelassen haben sollte. In Blood Freak nun wollte er einer Tradition folgen, die aus den Dreißiger Jahren bekannt ist. Exploitation im Gewand eines Aufklärungsfilms.
Der Protagonist Herschell (Hawkes, die Rolle Insidern zu Folge wirklich nach Herschell Gordon Lewis benannt) fährt auf seinem Motorrad und gerät gar unverhofft in eine Kettenreaktion des Schlamassels. Seine Hilfsbereitschaft führt ihn zusammen mit einem bibeltreuen Mädel, deren Schwester das genaue Gegenteil darstellt. Bei ihr daheim gerät Herschell in Kontakt mit sex- und drogensüchtigen Hippies, die den Konsum von Haschisch weit überschritten haben, sich andauernd etwas in die Nase jagen. Während die böse Schwester sich nun die Verführung des braven Mannes zum Ziele gesetzt hat, bietet der Vater des Hauses einen Job auf seiner Truthahnfarm an. Die Falle schnappt doppelt zu, denn vernebelten Kopfes ist Herschell plötzlich den erotischen Wünschen der ansehnlichen Schwester gefügig. Auf der Farm hingegen setzt man ihn als Testesser für Fleisch von Tieren ein, welche die örtlichen Laboranten mit neuen Chemikalien versetzt haben. Dieser Cocktail führt nun dazu, daß der Satz "We only gave him some turkey" seine volle Mehrdeutigkeit entfalten kann.

Wer hätte beim Anblick des einführenden Moderatoren schon erwartet, daß der Vietnamveteran Herschell pötzlich unter Schweißausbrüchen zuckend seiner alten Drogensucht erliegen würde und von den Wissenschaftlern im Wald abgeladen schließlich aus seinem Kopfe der eines Truthahns werden wird? Wer konnte sich vorstellen, wie dieser Freak Menschen meucheln und sie kopfüber ausbluten lassen würde? Ja, selbst eine weitere sexuelle Runde mit seiner Gespielin gibt es. Zwar sind die Effekte bis auf eine Szene, in der ein Bein per Kreissäge amputiert wird (der Kunde verfügte übrigens vorher schon über einen Beinstumpf), nicht sonderlich nennenswert, doch insbesondere, weil der Kommentator der Szenerie ja noch krampfhaft eine christliche Antidrogenbotschaft zu entlocken versucht, ist Blood Freak so kirre, so bizarr, daß man es gesehen haben muß, um es zu glauben.
Der Film ist sau schlecht gespielt, dabei mit minimalem Budget gedreht, der Truthahnkopf zum Beispiel bestand aus Pappmasché. Die Szenen scheinen wie aus dem Drogenrausch gekoppelt, verwerfen scheinbar stetig bisherige Eindrücke oder lassen die Figuren absichtlich aneinander vorbei reden, was neben erforderlichen guten Englischkenntnissen für zusätzliche Verständnishürden führen kann. Dennoch schafft es Blood Freak mit multibler Schlußpointe eine Tugend aus dem chaotischen Eindruck zu erschaffen und zum Kopfschütteln des Zuschauers sowohl eine halbwegs plausible Erklärung als auch eine unter kettenrauchendem Bronchialasthma präsentierte Moralpredigt einleitend zu einem satirischen Holzhammer-Happy-End anzubieten. Man muß vermutlich eine Vollmeise haben, um diesem cineastischen Kauderwelsch etwas wie Qualität abringen zu wollen, doch unter Trash- und Grindhousefreunden besitzt Blood Freak durchaus einen gewissen Kultstatus. Folgeschäden nicht ausgeschlossen.


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