Ansicht eines Reviews

Redbelt (2008)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 06.09.2008, seitdem 1863 Mal gelesen


David Mamet, vor allem als Autor von Dramen und Thrillern für Bühne und Leinwand bekannt, dreht einen Martial Arts Film – da konnte man neue Impulse für das Genre erhoffen, jedoch vergeblich.
Mike Terry (Chiwetel Ejiofor) leitet einen Dojo in Los Angeles, der zur Unfreude seiner Frau Sondra (Alice Braga) keine Knete abwirft. An Wettkämpfen will Mike trotz seiner Weltklasse allerdings nicht teilnehmen, stattdessen predigt er durchweg seine „You know the escape“-Philosophie, die sich dann enttäuschend wenig von dem „Hear the sound of one hand clapping“-Gerede von 80er Jahre Martial Arts Filmen unterscheidet.
Eine Wende in Mikes Leben findet statt als er dem alternden Actionstar Chet Frank (Tim Allen) in einer Barschlägerei das Fell rettet. Er und Sondra werden ins Franks fürstliches Heim eingeladen, wo Mike auch von seiner besonderen Trainingsmethode erzählt: Per Zufall wird bestimmt, ob ein Opponent mit einer Beeinträchtigung (z.B. gefesselte Hände) antreten muss. Deswegen wird viel Aufhebens gemacht, doch im Endeffekt wird dies nur an einer Stelle im Plot wirklich wichtig, was jedoch nicht zu den Hauptproblemen von „Redbelt“ gehört.

Denn die Ereignisse, ebenso wie die Bekanntschaft der ängstlichen Anwältin Laura Black (Emily Mortimer), die für einen Zwischenfall in Mikes Dojo sorgt, werfen Mikes Leben bald aus der Bahn...
Wirft man einen Blick auf die Besetzung, dann erkennt man schnell das Potential, das „Redbelt“ hätte. Damit ist nicht nur die Verpflichtung von Martial Arts Experten wie Simon Rhee, John Machado und Ray Mancini gemeint, auch die Darsteller sind hervorragend gewählt. Doch nur der Supportcast mit Leuten wie Joe Mantegna, Ricky Jay und Emily Mortimer gewährt das erwartete Niveau (selbst Tim Allen überzeugt ganz unkomödiantisch), denn ausgerechnet Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor lieferte eine für seine Verhältnisse eher schwache Vorstellung ab und guckt über weite Strecken einfach nur wie ein geprügelter Hund.
Das Problem könnte aber auch in der Rolle selbst liegen, die „Redbelt“ immer wieder in den Bereich des widerlichsten Gutmenschenkinos bringt: Von ein, zwei Nebencharakteren mal abgesehen sind quasi alle Figuren mit Makeln belastet, nur Mike steht als derart herzensgute, stets nach megaedlen Motiven handelnde Figur heraus, dass die übertriebene Sauberkeit einfach nur noch ankotzt. Vor allem wenn man kurz vorm Showdown erfährt welche Figur Mike dann auch noch hintergangen hat – vom Kitschende für verblendete Idealisten, welches diese zu-nett-für-diese-Welt-Art auch noch belohnt, mal ganz zu schweigen.

Jedoch liegt auch dramaturgisch so Einiges hier im Argen, denn für einen vernünftigen Thriller ist „Redbelt“ einfach zu konfus und zu unlogisch. Wenn sich schlussendlich die Verschwörung gegen den Helden aufklärt, dann bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder haben die Übelwichte, die übrigens scheinbar alle zusammenarbeiten (egal ob schmieriger Promoter, Barbesitzer oder Hollywood-Figur), einen minutiösen, überkomplizierten Plan, der eines James Bond Schurken würdig wäre, oder es handelt es sich einfach um eine abstruse Aneinanderkettung von Zufällen – beide Möglichkeiten sind ebenso unglaubwürdig wie unspannend, sodass „Redbelt“ sich reichlich zieht.
Bei dieser versuchten Mixtur von Drama, Thriller und Kampfsportfilm kommen die Fights recht kurz, können aber trotz ihrer geringen Menge überzeugen, sieht man von gleichen inszenatorischen Schnitzern ab (z.B. die unmotiviert eingestreuten, hektischen Close-Ups). Doch dank der recht realistischen Präsentation von Brasilian Jiu Jutsu und der agilen Kontrahenten machen die Konfrontationen wirklich etwas her, sodass z.B. der Showdown nur auf der dramaturgischen Ebene hakt: Urplötzlich drischt der sonst so friedliche Held eine ganze Horde (natürlich immer zuerst angreifender) Gegner nieder, dann entpuppt sich eine Prügelei am Ringrand als das Finale.

„Redbelt“ mag zwar ambitioniert sein, scheitert aber genau daran, denn eine wirklich klare Linie hat der konfuse Mix aus Kampfsport, Drama und Thriller nicht. Schade um die guten Nebendarsteller und die schicken Kampfszenen, aber trotz dieser Vorzüge ist „Redbelt“ bloß unterdurchschnittlich.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "McClane" lesen? Oder ein anderes Review zu "Redbelt (2008)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von McClane

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

751 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Mein wunderbarer Waschsalon (1985)
Hereafter - Das Leben danach (2010)
Get the Gringo (2011)
Blade 2 (2002)
Shaolin - Warteliste des Todes (1979)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich