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Mulholland Drive - Straße der Finsternis (2001)

Eine Kritik von manhunter (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 30.03.2006, seitdem 325 Mal gelesen


In Los Angeles. Eine Frau wird in einer Limousine irgendwohin gefahren. Da hält der Wagen an einer abgelegenen Stelle an; der Chauffeur und sein Kumpel sollen die Frau anscheinend aus dem Weg räumen. Da kommen feiernde Jugendliche mit zwei Autos angerast, eines davon rammt die Limousine. Die Frau erlangt nach dem Unfall als erste das Bewusstsein zurück und kann flüchten, hat aber ihr Gedächtnis verloren. Sie kommt unter bei Betty, einer jungen Schauspielerin, die vor kurzem nach L.A. gezogen ist. Zusammen forschen sie nach der Vergangenheit der Frau und stossen auf eine gewisse Denise Selwyn…
Ebenfalls involviert in die Sache ist Adam Kesher, ein Regisseur, der nicht nur herausfindet, dass seine Frau/Freundin ihn betrügt, sondern auch erpresst wird, damit er eine bestimmte Schauspielerin für seinen nächsten Film engagiert…
So weit macht MULHOLLAND DRIVE mehr oder weniger Sinn und ist nachvollziehbar erzählt (für einen Lynch-Film). Zu Anfang gibt es mehrere Handlungsfäden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, nach und nach fügt sich das Puzzle aber immer mehr zu einem sinnvollen Gesamtbild zusammen und eine Lösung der Rätsels scheint bereits in Sicht, doch da bricht die letzte halbe Stunde an (mit dem Besuch der Theatervorstellung). An der Stelle bricht der patentierte Lynch-Surrealismus durch und stellt alles auf den Kopf, die Puzzleteile fügen sich schlussendlich dann doch nicht zusammen, einige Handlungsfäden gehen gleich ganz vergessen (z.B. erfahren wir nie, was oder wer hinter der Erpressung von Kesher steckt), viele Szenen können nicht mehr sinnvoll eingefügt werden. Schlussendlich ist es zwar durchaus möglich, sich ein Gesamtbild zusammenzureimen, welches aber lücken- und rätselhaft bleibt.
Ich finde dieses Vorgehen etwas ärgerlich: Zumindest mich hätte die Auflösung des „konventionellen“ Stücks durchaus interessiert, der Abdrifter ins Surreale liess mich ziemlich frustriert zurück und erscheint mir recht willkürlich; schlussendlich ist der Film so weder Fisch noch Fleisch.
Auch sonst ist Mulholland Drive nicht immer gelungen: Grad zu Anfang wirken viele Szenen ziemlich gestelzt und andere packen mich einfach nicht (z.B. die Theatervorstellung und die Sängerin oder sogar die aufgesetzt wirkenden Lesbensex-Sequenzen - auch wenn die ausführlichen boob shots natürlich klasse sind). Andererseits gibt es wirklich intensive Momente wie das Gespräch zwischen Kesher und dem Cowboy oder das Casting. Auf den einen oder anderen humoristischen Augenblick muss man übrigens auch nicht verzichten.
Die Schauspieler machen ihre Sache ganz gut, allen voran Naomi Watts als Betty und Justin Theroux als Adam Kesher, mir fehlen allerdings wirklich packende Charaktere (mal abgesehen vom Cowboy, aber der hat ja kaum Screentime); der Soundtrack ist hübsch düster und atmosphärisch; das sonnendurchflutete L.A. ist eine tolle Location.
Fazit: Der Film macht auf mich einen zwiespältigen Eindruck. Der „konventionelle“ und der surrealistische Teil funktioniern für sich selbst ganz gut, zusammengeworfen beissen sie sich aber; es gibt zwar sehr gelungene, aber auch eher misslungene Momente und es entsteht keine durchgehend packende Atmosphäre. Alles in allem ist MULHOLLAND DRIVE für mich einer der schwächeren Filme von Lynch.


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