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Mulholland Drive - Straße der Finsternis (2001)
Eine Kritik von Splattavista Onkel (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 29.05.2002, seitdem 961 Mal gelesen
Wer sich vom Mainstream Kino nicht blenden lässt und auch offen ist, auf eine andere Art des Kinos sollte sich David Lynch's neues Psychowerk "Mullholland Drive" nicht entgehen lassen. Der Mulholland Drive, der bereits in dem Thriller Mulholland Falls mit Nick Nolte, Melanie Griffith und Jennifer Connelly eine wichtige filmische Rolle spielte, zieht sich hoch über Los Angeles an den Bergen entlang, so dass man eine geniale Aussichts auf
das Hollywood-Viertel geniesen kann.
Steile Wände strecken sich auf der einen Seite in den Himmel und auf der anderen stürzt der Abgrund in bodenlose Tiefen. Eine schöne Lady gleitet auf dem Rücksitz einer Nobellimousine durch die Nacht, als der Wagen plötzlich mit dem Auto durchgeknallter Teenager kollidiert. Als sie erwacht, ist sie äußerlich fast unverletzt, aber der Unfall hat sie von der überschaubaren Straße ihres bisherigen Lebens auf einen verlorenen Highway geschleudert - denn sie weiß nicht mehr, wer sie ist...
(Zitat Moviestar).
Der Film ist im Prinzip das Grundgerüst einer Serie, die Lynch für das amerikanische Fernsehen produzierte.
Die Serie wurde nie gesendet. So hat Lynch die Story und die einzelnen Episoden zu einem ganzen geflechtet. Zwar kommt das episodenhafte
gelegentlich durch, doch stört dies kaum und insgesamt gibt sich ein gutes, schlüssiges Bild. Der "lynch'sche" Bruch, der schon seit Twin Peaks
legendär ist, kommt diesmal reichlich spät. Der Film plätscherst gute 2 Stunden als recht einfache Story vor sich hin. Auf mehreren Schienen laufen gleichzeitig die Storys eines Regisseurs, einer Schauspielerin,
der dunkelhaarigen Lady mit der Gehirnerschütterung, eines ominösen Imbiss-Lokals sowie eines Killers erzählt. Die Art erinnert zuerst noch ein bischen an die Film-Noirs oder an Episodenfilme a la Pulp Fiction oder Magnolia. Gegen Ende des Films findet die Hauptdarstellerin (Camilla) plötzlich den Schlüssel zu einem lang gehüteten Geheimnis. Da beginnt der lynch'sche Bruch und der Regisseur schraubt die Spannung dramatisch in die Höhe. Menschen verschwinden und tauchen als andere Persönlichkeiten wieder auf, merkwürdige Personen, allen voran der "Cowboy", der dem "Mystery Man" aus Lost Highway in nichts nachsteht, bestimmen von nun an das Bild des Films. Auch die Landschaft verändert sich rapide. Nette Personen offenbaren sich plötzlich als Teufel, die Liebe offenbart sich als Intrige, Lebende sind tot. Eine halbe Stunde lang prügelt der Film mit immer unheimlicheren Ereignissen auf den Zuschauer ein, bis er völlig erschöpft dem Verlauf gar nicht mehr folgen kann, nicht mehr folgen darf, bis das ganze dramatisch, fast schon klassisch dramatisch mit einem Selbstmord endet. Das Bild fadet ins Schwarze, die extreme Lautstärke weicht einer langen Pause, lässt das Kinopublikum dem Atem bis eine blauhaarige Frau verkündet: "Silencio".
Nach einer noch längeren Pause läuft der Abspann. Doch wer einmal infiziert ist mit dem "Lynch- Fieber", der kann nicht schwiegen. Es ist wie alle Lynch-Filme ein Film, den man entweder liebt oder hasst. Hasst man ihn, gibt er einem gar nichts. Liebt man ihn, muss man ihn immer wieder und wieder sehen. Es ist wie eine Droge, ein unbändiges Erlebnis. Zu groß ist die Verlockung den Film, der ein einziges Psycho- Puzzle ist, doch noch zu lösen. Und doch wird man immer wieder und wieder versagen, die eigentlichen Hintergründe völlig zu erfahren. Das soll man auch nicht, braucht man nicht.
Wie David Lynch es selbst ausdrückt [Zitat]: "Nehmen Sie einen Alptraum. Sie wissen genau wie es sich angefühlt hat, aber sie können es nicht beschreiben, wenn sie ihn anderen erzählen klingt es lächerlich. Genau dieses Gefühl versuche ich mit meinen Filmen zu vermitteln. Es muss nicht immer alles eine Erklärung haben."
Und wie recht er hat... Gegen Mulholland
Drive ist "Der Exorzist" ein Kindermärchen und Sixth Sense, Schweigen der Lämmer & Co können gleich seine Sachen packen und nach Hause gehen. Der Film dringt ihn die tiefste Psyche des Zusehers ein, zeigt ihm seine tiefsten Ängste - selbst bei den ruhigsten Szenen wagt man es oft nicht mal, auf die Kinoleinwand zu blicken. Doch wie eine Neurose, wie ein Kindheitstrauma muss man immer wieder und wieder zusehen.
Also, wer sich mal einen wirklichen Film geben will, der seit Jahren meiner Meinung nach der Unheimlichste ist, der Gesprächsstoff en masse gibt, der einem ein Filmerlebnis bietet, in das man sich sowohl komplett fallen als auch bis ins kleinste Detail spekulieren kann, der muss sich Mulholland Drive ansehen. Worte können das Erlebnis nicht beschreiben. Wer genauso wie ich durch das Lynch- Fieber gepackt wird, wird begeistert sein und ist garantiert einige Erfahrungen reicher. Wer ihn hingegen hasst, dem wird die Magie dieses Films und dieses Regisseurs wohl auch weiterhin verschlossen bleiben - es ist wie bei Kafka.
"Ich habe keine Ahnung, worum es geht, aber es hat mir gefallen"
(Zitat der Cannes-Jury).
Für mich der Beste Film, den ich bisher 2002 gesehen habe (weit vor Herr der Ringe). Der Film wurde von der Director's Guild of America
bereits zum Besten Film 2001 gewählt - und das sollte doch eine ganze dicke Empfehlung wert sein. Für Freunde des Psychothrillers ein Must-See. 2 Thumps up!
 | "Surprise me!" BETA |
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