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Mulholland Drive - Straße der Finsternis (2001)

Eine Kritik von niklas90 (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 13.12.2008, seitdem 382 Mal gelesen


Laura Harring spielt eine junge Frau, die als einzige Überlebende eines Autounfalls durch L.A. taumelt und von einer angehenden Schauspielerin, gespielt von Naomi Watts, aufgenommen wird. Von nun an versuchen die beiden die Identität der jungen Frau herauszufinden, die sich an nichts mehr erinnern kann.

Mittlerweile hat sich David Lynch einen beachtlichen Fankreis aufgebaut und konnte sowohl mit "Lost Highway", als auch mit "Mulholland Drive" viele Kritiker für sich gewinnen, auch wenn er kommerziell nicht unbedingt zu den erfolgreichsten Regisseuren gehört. Und auch "Mulholland Drive" ist mal wieder ein typischer Lynch-Film, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet und auch dieses Werk von Lynch hat mir überhaupt nicht gefallen, obwohl ich eigentlich ein großer Fan von Mystery-Filmen jeder Art bin.
"12 Monkeys", "The Sixth Sense", "Fight Club" und "Identität" sind deshalb hervorragende Mystery-Thriller, weil sie zwar immer mehr Fragen aufwerfen und sich auf relativ unrealistischem Niveau bewegen, aber durchaus auf eine Lösung zuarbeiten, die einen als Zuschauer überrascht, aber auch die Augen öffnet, weil man eigentlich darauf hätte kommen können. Fragen aufzuwerfen ist in meinen Augen nicht schwierig, solange sie am Ende offen bleiben und eine Lösung der mysteriösen, bizarren Geschehnisse bleibt Lynch dem Zuschauer auch dieses Mal schuldig. Offensichtlich scheint ein Film, der sich geschickt um jegliche Stereotypen schlängelt, der rational nicht erklärbar ist und den keiner so richtig versteht allgemein hin als Kunstfilm oder als Meisterwerk anerkannt zu werden (wobei ich mir absolut sicher bin, dass Lynch selbst auch nicht weiß, worauf er eigentlich hinaus will), aber in meinen Augen liegt in der Story kein Ansatz von künstlerischem Anspruch, denn ein riesiges Puzzle zu kreieren, dass am Ende doch keiner zusammenfügen kann, ist nicht sonderlich schwierig. Zudem war "Mulholland Drive" eigentlich der Pilotfilm einer geplanten Serie und wurde dann zum Film zusammengeschustert, als die Serie doch nicht gestartet werden sollte, wobei dies wenigstens eine Erklärung für den unvollendeten Film wäre. Die Handlung ist damit schlecht und die Charakterkonstruktion ist dermaßen undurchsichtig, dass ich sie weder als vielschichtig, noch als flach bezeichnen möchte, denn bei der Tiefe des Films streiten sich die Geister, in meinen Augen ist er vollkommen flach. So kam mir beim Ansehen des Films nach rund einer halben Stunde die Erkenntnis, dass Lynch auch diesmal nicht die Kurve kriegen würde und von da an war der Film einfach nur langweilig.

Die Inszenierung von Lynch ist zwar nicht schlecht, kann sein widersprüchliches, in meinen Augen missglücktes Skript aber kaum noch kompensieren. Darüber hinaus ist die Inszenierung, genauso, wie die Story, beinahe identisch mit "Lost Highway", da Lynch offensichtlich nicht dazu imstande ist, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Die Optik ist hervorragend. Die mysteriöse Story wird, einem Traum ähnlich, mit einer faszinierenden Optik auf die Leinwand gebracht und diese vermag, in den ersten dreißig Minuten durchaus zu fesseln, aber auch dieser Effekt verläuft sich nach einer gewissen Filmdauer irgendwann. Die Filmmusik ist ebenfalls ganz gut gelungen und baut anfangs eine düstere und faszinierende Atmosphäre auf, aber mit einer handwerklich gelungenen Inszenierung kann auch nichts mehr gerettet werden. Zu allem Überfluss lässt sich Lynch auch noch alle Zeit der Welt, um sein unlösbares Verwirrspiel auf die Leinwand zu bringen, drosselt das Erzähltempo teilweise immer weiter, verirrt sich auf immer mehr Nebenschauplätzen, verschwendet endlose Zeit mit undurchsichtigen Einstellungen und trivialen Nebencharakteren und verursacht so zum Ende hin gähnende Langweile, zumindest bei mir, denn eigentlich ist "Mulholland Drive" sowieso nur subjektiv zu bewerten.

Der einzige Grund dafür, sich den Film dann vielleicht doch zu Gemühte zu ziehen ist die stark aufspielende Naomi Watts, die ein hohes Maß an Hingabe zeigt, darstellerisch eine rundum gelungene Leistung zeigt, wenn auch nicht ganz so stark wie später in "21 Gramm" und auch vor freizügigeren Szenen schreckt sie glücklicherweise nicht zurück. Laura Harring spielt ebenfalls ganz gut und setzt ihren Körper sexy in Szene, aber ohne jegliches Charisma geht sie an Seite von Naomi Watts schlicht und einfach unter. Der übrige Cast spielt ebenfalls ganz gut und bringt die mysteriösen, bizarren Charaktere gelungen auf die Leinwand, langweilig ist der Film dennoch.

Fazit:
David Lynch kreiert hier ein Puzzle, ein Verwirrspiel, das ihm immer wieder entgleitet, bei dem er sich in Nebenhandlungen und auf Nebenschauplätzen verirrt und im Endeffekt lässt er alle Fragen offen, kurz: Der Film ist rational nicht erklärbar. Wegen der optisch gelungenen, teilweise faszinierenden Inszenierung, die zumindest anfangs fesseln kann und der starken Naomi Watts wird zwar gerettet, was zu retten ist, aber ich sehe keinen Anspruch darin, einen Film ohne Lösung zu liefern, zumal Lynch dies in der Vergangenheit bereits mehrfach in ähnlicher Weise getan hat. In meinen Augen der letzte Schrott, aber die hohe Platzierung in der OFDb zeigt, dass der Film scheinbar einigen gefallen hat, deshalb verkneife ich mir mal von Lynchs Werk abzuraten.

25%


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