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Klaus Kinski - Mein liebster Feind (1999)

Eine Kritik von Dr. Phibes (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 28.10.2006, seitdem 720 Mal gelesen


Kaum ein Regisseur kannte Klaus Kinski besser als Werner Herzog. Trotz einiger großen Schwierigkeiten mit Kinski, drehte Herzog fünf Filme mit ihm. In dieser Doku spricht Herzog über den Menschen Kinski, wie es bei den Dreharbeiten zuging und vieles mehr.


Herzogs Doku beginnt mit der vielleicht berühmtesten Szenen über Kinski. Jener ist gerade auf seiner Jesus-Tour, doch kaum jemand will wirklich hören, was Kinski zu sagen hat. Die meisten sind gekommen, um Kinski zu provozieren, man möchte doch die berühmten Kinski-Ausraster gerne mal selber live sehen. Gesagt, getan. Nachdem Dutzende Leute Kinskis Vortrag stören, holt dieser einen Zuschauer auf die Bühne, der Kinski unterstellt, Jesus würde nie „Halt die Schnauze“ sagen, sondern Jesus habe immer versucht, die Menschen allein mit Worten zu überzeugen. Spätestens dort brennen Kinskis alle Sicherungen durch und seine vielleicht berühmteste Beleidigung hallt durch den Saal. Jeder kennt sie, das Publikum johlt.

Von da an ist Werner Herzog stetig an der Seite des Zuschauers und berichtet, wie er Kinski kannengelernt hat, wie es war, mit ihm zu arbeiten und wie sich zum Schluss ihre Wege trennten. Dabei zieht Herzog Kinski nicht wie ein Tier durch die Manege. Herzog berichtet natürlich oft über die negativen Seiten Kinskis, seine exzessiven Wutausbrüche usw., aber auch über die guten Seiten des Klaus Kinski.
Viel Lob erhält Kinski von seinen ehemaligen Schauspielkolleginnen Eva Mattes (Woyzeck)
Und Claudia Cardinale. Beide berichten durch die Bank positiv über Kinski, auch wenn sie vorher gewarnt wurden, mit diesem Mann kann man nicht zusammenarbeiten.

Herzog bereist Originalschauplätze, zeigt verschiedene Ausschnitte aus seinen Filmen und zeigt auch Nebenaufnahmen, in denen Kinski sein ganzes Potential an Wutausbrüchen zeigt.
Mitunter scheint es wirklich unglaublich, aus welchen Gründen Kinski wie ein HB-Männchen hochgeht. Kaffe zu kalt, Essen schmeckt nicht, nur einer von vielen Gründen, warum Kinski komplett ausrastet. Auch hier gibt es eine berühmte Szene, in der Kinski einen Schauspieler fast umbringt. Nur ein Eisenhelm rettete den Darsteller damals, sonst hätte Kinski ihm mit einen Schwert den Schädel gespalten. Gegen Ende boten die Ureinwohner Herzog sogar an, Kinski zu ermorden, falls dieser es möchte. Herzog lehnte ab, doch hätte er ja gesagt, hätten die Ureinwohner es ohne mit der Wimper zu zucken, getan.

Dies sind nur einige Aspekte, jeder Kinski-Fan sollte diese Dokumentation gesehen haben. Nicht nur, um Kinski toben zu sehen, sondern auch darum, dass man Kinski auch von einer anderen Seite sieht. Denn Herzog hatte nicht nur Leid mit Kinski, es gab sogar Zeiten, wo beide sich wirklich gut Verstanden, miteinander scherzten und vieles mehr. Wo wundert es nicht, wenn Herzog Kinski trotz aller Dinge als seinen Freund bezeichnet.
Herzog beendet seinen Film mit einer fast unglaublichen Einstellung. Wir sehen Kinski vollkommen entspannt, glücklich, und zwar nur deshalb, weil ein kleiner Schmetterling nicht von Kinski weichen will. Kinski beschäftigt sich minutenlang mit diesem Schmetterling, der warum auch immer, nicht wegfliegt und bei Kinski bleibt. Scheinbar hatte Kinski unter seiner oft harten und brutalen Seite, einen weichen Kern, der leider viel zu selten durchschimmerte.


Fazit: Sehenswerte Dokumentation, über den vielleicht exzentrischsten deutschen Schauspieler, gegen den viele andere heute reinste Waisenknaben sind. Selten lagen Genie und Wahnsinn so nah beieinander wie bei Klaus Kinski, doch Herzog gelingt es, dem Zuschauer nicht nur den wahnsinnigen Kinski zu zeigen, der 48 Stunden lang ein komplettes Badezimmer in Kleinholz verwandeln konnte, sondern auch ein liebevoller und sensibler Mensch sein konnte. Für Kinski-Fans ein Muss.


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