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Klaus Kinski - Mein liebster Feind (1999)

Eine Kritik von Kiste (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 04.08.2011, seitdem 121 Mal gelesen


Kaum jemand aus der Schauspielbranche dürfte wohl vertrauter mit Klaus Kinski sein als Werner Herzog. Zusammen haben die beiden fünf Filme miteinander gedreht teilweise unter Drehbedingungen, bei denen man den wahren Charakter eines Menschen wohl sehr genau kennenlernt. Die Doku ist dabei ein wahres Füllhorn an Anekdoten aus dem Leben des Exzentrikers, von den Anfangstagen in einer Münchner WG bis zu seinem Kinematischen Höhepunkten. Das er ein schauspielerisches Genie war, ist wohl bei den meisten umunstritten, aber das seine private Seite ebenfalls zwischen Tragik, Warmherzigkeit und Wahnsinn hin und herpendelt kommt in mein liebster Feind ebenfalls sehr detailliert rüber.
Etwas schade fand ich allerdings, das neben Herzog und einigen ehemaligen Statisten, von seinen vielen Drehpartnern lediglich Eva Mattes und Claudia Cardinale zu Wort kommen. Diese berichten durchgehend Positives von der Zusammenarbeit, allerdings hätte man da meiner Meinung nach gerne noch mehr Stimmen einsammeln können um eine breitere Palette an Ansichten zu gewinnen. Größtenteils bestreitet Herzog im Monolog seine Nachbetrachtung, besucht unter anderem die alten Drehorte in Peru, wo die beiden zusammen Aguirre und Fitzcarraldo zusammen erschufen. Die Geschichten beschränken sich logischerweise auf die Hintergründe zu den gemeinsamen Filmen wie den beiden genannten und zusätzlich noch zu Woyzech und Nosferatu. Ob wirklich alles immer so 100% korrekt ist, hab ich manchmal leichte Zweifel, aber der Großteil wirkt ungeschönt.
Bekannt sind ja Kinskis legendäre Ausraster, Tobsuchtsanfälle und Schreikrämpfe. Teilweise wurden diese bei den Dreharbeiten sogar gefilmt und sind herrlich anzuschauen, wie der große Mime wegen Nichtigkeiten explodiert und sich schier nicht mehr einkriegt. Interressanterweise wußte Herzog diese Automatik sogar zu nutzen und provozierte seinen Star öfter entsprechend um so aus ihm das Maximum an Insensität rauszukitzeln, es scheint wirklich so zu sein das sich beiden, zwar oft unfreiwillig, gut ergänzt haben. Weniger gut funktionierte allerdings die Zusammenarbeit mit den Indio Statisten, Kinski ging mitunter im aufgedrehten Zusatnd mit denen nicht gerade zimperlich um und spaltete einem bedauernswerten Komparsen schonmal beinahe den Schädel, dank Helm bliebs aber nur bei einer oberflächlichen Wunde. Die Einheimischen Darsteller waren oft so aufgebracht, das sie Herzog sogar anboten Kinski zu ermorden, er lehnte ab und ob sie das wirklich getan hätten sei mal dahingestellt, aber sowas sind wirklich herrliche Anekdoten die mein liebster Feind so zu bieten hat.
Zu Kinski kann man ja stehen wie man will, aber ich denke jeder ist von seiner Persönlichkeit irgendwo beeindruckt, irgendwo zwischen Egomanen und Verrückten, aber stets hundertprozentig auf das Ziel fokussiert. Insgesamt ein lohnenswertes Portrait eines der besten deutschen Schauspieler.
8/10


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