Ittenbachs Zehnte. Eindrücke eines Nicht-Fans.
Eigentlich war ich nie ein Anhänger deiner Werke, auch wenn man sieht, welch großes Engagement du aufbringst. Ich weiß, die große Zahl deiner Anhängerschaft spricht für sich und immerhin hast du es ja als einer der wenigen geschafft, dich aus dem Amateursumpf heraus zu hieven und bist nun in der professionellen (räusper) Filmindustrie angekommen. Das deine Effektarbeit erste Sahne ist und bei dir stets die Hauptrolle spielt, ist ja mittlerweile in das deutsche Allgemeinwissen integriert und deswegen mag ich auch deine ersten drei Filme, die wirklich mühevoll Gore Galore bieten und richtig Spaß gemacht haben.
Vielleicht wird es aber nach einem Haufen gequirltem Blödsinn mal Zeit über deine wahre Profession nachzudenken, und das du deine seit Jahren stagnierende Regiekarriere an den Nagel hängen willst, halte ich für eine weise Entscheidung. Besser aufgehoben bist du sicherlich als der Make-up-Meister dem deine Kollegen vertrauen und es muss ja nicht für immer bei Boll bleiben. Zumal selbst eingefleischte Fans deine falschen Versprechungen bestimmt nicht mehr lange hinnehmen wollen. Doch eben die wirst du sicher wieder dringend brauchen, damit dein neuestes Epos, originell mit „Dard Divorce“ betitelt, den gewünschten Erfolg einfährt.
So sehr du dich auch zu bemühen scheinst, ein Erzähler wird in diesem Leben nicht mehr aus dir. Da hilft es wenig, sich geduldig Zeit zu nehmen um die Geschichte in Gang zu bringen, wenn an jeder Ecke abgeschmackte Klischees und hölzerne Dialoge lauern, die einem den Filmspaß gehörig verderben. Angesichts der teilweise schön atmosphärischen Bilder, des ansprechenden Scores und dem größtenteils ordentlichen Schnitt fällt mir zunächst nur folgendes ein: „Style without Substance“, aber dafür bist du ja bekannt und ich habe mich geistig gewappnet. Also, durchgehalten und weitergeschaut denn in einem Ittenbach werde ich ja meist entschädigt für den fehlgeleiteten Plot indem ich wenigstens genug herumfliegende Körperteile zu begutachten habe. Böse Zungen könnten behaupten, „Dard Divorce“ wäre bloß aufgebaut um die unappetitlichen Verhörszenen in eine Handlung zu kleiden und ganz auf Höhe der Zeit könnte man das Ganze als weiteren x-beliebigen „Torture Porn“ abfertigen.
Die Kunstblutkanister wurden ja zum Glück eingepackt, doch dazu später denn erst Suspense, dann das Gemetzel, richtig? An sich ist das flachbrüstige Drehbuch gar nicht so desaströs, vielmehr sind es die talentfreien Akteure und die schlechte Nachvertonung, die stark an einen Film aus dem Hause Private oder Hustler erinnert. Dagegen ist die Ausleuchtung wirklich hervorragend gelungen und während des stylischen Vorspanns bekommt man kurz das Gefühl, tatsächlich in einem „großen“ Film zu sitzen. Und genau da machst du einen grundlegenden Fehler Olaf: Du nimmst dich zu ernst.
Für die Sympathiewerte eines amateurhaften Splatterfilms spielst du technisch schon viel zu weit oben, Drehbuch und Casting solltest du aber dringend aus der Hand geben und nicht aus jedem Film ein Familienprojekt machen. Die eigenen Unzulänglichkeiten werden aber nicht ironisch gebrochen sondern ein alter Fehler wird hier wieder begangen. Ohne solide darstellerische Leistungen (ich weiß, alle geben sich Mühe und das ist wirklich sehr schön) funktionieren die bierernsten Ittenbach-Filme eben nicht, jedenfalls nicht in diesem Kontext. Schmuddelfilmer Andreas Bethmann oder Kultregisseur Jörg Buttgereit wussten von jeher ihr eigenes Potenzial, sowie das ihrer Cast- und Crewmitglieder, besser einzuschätzen als du. Nicht beleidigt sein Olaf, das ist nur meine bescheidene Meinung.
Nach dem Familienradgeber ist es erneut die Institution Familie deren Ideale du genüsslich mit grimmiger Miene demontierst, wo liegt da nur dein Problem? Wie auch immer, als die recht altmodische Geschichte dann übereilt in Fahrt kommt und eigentlich Emotionen aufwallen sollten, da ertrinkt das Skript auf bekannter Weise in der eigenen Gewalteskalation. Hanebüchen ist noch das schmeichelhafteste Adjektiv, welches mir zu den haarsträubend konstruierten Twists einfällt. Sicher hätte ein Drehbuchwettbewerb für Amateure glaubwürdigere Storylines zutage gefördert. Mit derartig in der Realität verankerten Stoffen hast du es einfach nicht so richtig, sei ehrlich zu dir selbst. Einsicht ist bekanntlich der Weg zur Besserung.
Und die erwarte ich – ganz ehrlich – nicht mehr vom Regisseur und Drehbuchautor Olaf Ittenbach. Wenn mit Eingeweiden rumzuschmieren und unangemessen hohe Mengen Blut in der Gegend zu versprühen sind, dann kann man auf dich zählen und auch die zahlreichen, plakativ in Szene gesetzten Shoot-Outs können in ihrer Machart überzeugen auch wenn darüber hinaus keine Akzente gesetzt werden. Innerhalb seines Budgets und den Möglichkeiten der Schauspieler, stößt „Dard Divorce“ schlichtweg an die eigenen Grenzen. Einzig Jaymes Butler, der einzige (einigermaßen) erfahrene Darsteller im Ensemble, dessen unterkühlte Vorstellung klar die Messlatte für den Film legt. Schade, dass sich die restlichen Akteure auf ungleich tieferem Niveau befinden.
Ach Itti, was soll ich nur von deinem „Dard Divorce“ halten? Letztlich ist es ein sehr bemühtes Werk, was mich weiter bestärkt hat in der Annahme, mich wohl nie in einem Olaf-Fanclub anzumelden. A bissl was Argento, a bissl Takashi Miike, Wes Craven und a bissl Itti machen halt noch keinen guten Horrorfilm. Für die Blutgeilheit zwischendurch aber bestens geeignet und insgesamt überraschend unterhaltsam. Und ein altes persisches Wort haben wir auch gelernt, mehr zu verlangen wäre doch wohl vermessen.
Fazit: Olaf will alles zugleich: Seinen Fans einen „echten“ Ittenbach zaubern, psychologische Tiefe schaffen, dabei den Ansprüchen eines A-Films gerecht werden und einigen Szenen zusätzlich noch künstlerischen Anstrich zu verschaffen. Nichts von alldem gelingt, auch wenn der nette Ansatz kaum zu leugnen ist. - 2,5 / 10