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Equilibrium - Killer of Emotions (2002)

Eine Kritik von McMurphy (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 10.07.2005, seitdem 263 Mal gelesen


Der dritte Weltkrieg hat die Menschheit fast gänzlich ausgerottet. Danach hat sich ein totalitäres System etabliert, welches menschliche Gefühle als die Quelle allen Unheils bezeichnet und diese mittels einer Droge namens Prozium unterdrückt. Die Kleriker, eine Art Sondereinheit der Polizei, haben die Aufgabe, diejenigen aufzustöbern und zu vernichten, die ihre Gefühle behalten wollen und das Prozium nicht einnehmen. John Preston (Christian Bale) ist einer dieser Kleriker und so gefühlstot, daß er ohne zu zögern sogar seinen langjährigen Partner tötet, als er diesen als "Sinnestäter" ertappt. Doch dann verpaßt er eines Tages seine Prozium-Ration und erlebt selbst Gefühle, die ihn den Sinn seiner Tätigkeit hinterfragen lassen.

Das Prinzip dieser Geschichte erinnert stark an Fahrenheit 451. Ein Mann, ein Helfer eines totalitären Systems, verfolgt dessen Feinde, bis er selbst Erfahrungen sammelt, die ihn am System zweifeln lassen und in den Widerstand treiben. Sogar einzelne Elemente, wie z.B. Flammenwerfer, mit denen Kunstwerke vernichtet werden, oder große Bildschirme, die den Menschen die Ideologie des Systems eintrichtern, waren so oder ähnlich schon bei Truffaut zu sehen.

Während Fahrenheit 451 aber überzeugend und schlüssig war und einen echten Tiefgang besaß, der auch ohne Action auf den Zuschauer wirkte, so verirrt sich Kurt Wimmer hier in seiner eigenen Geschichte. Er hat sich zwar ein Drehbuch ausgedacht, daß Menschen ohne Gefühle vorsieht, war aber nicht annähernd in der Lage, dies im Film auch umzusetzen. Es reicht eben nicht aus, daß die Leute ein neutrales Gesicht aufsetzen, wenn sie dann Sätze aufsagen, aus denen diverse Gefühle nur so rausplatzen. Selbst der neue Partner von Preston, der den Prototyp des systemtreuen, gefühlsentleerten Klerikers darstellen soll, läßt ständig Mißtrauen, Ehrgeiz und Selbstgefälligkeit raushängen, was ihm eigentlich nicht möglich sein sollte. Mitunter führt dieser Widerspruch zu bizarren, geradezu lachhaften Szenen, z.B. wenn dem Volk die Errungenschaften des Systems von großen Bildschirmen herab gepredigt werden: "... Wir wurden erlöst vom Pathos ..." - in einer Rede, die selbst im Pathos bestenfalls in Filmen von Michael Bay oder Roland Emmerich übertroffen wird.

Von den Darstellern kann allein Christian Bale überzeugen, vor allem bei der Entdeckung seiner Gefühle. Dem Rest läßt schon das Drehbuch keinen Raum zur Entfaltung, es soll ja wenigstens das Mienenspiel keine Gefühle erkennen lassen. Und die paar "Sinnestäter" sind in der Geschichte viel zu unbedeutend, um irgendwie zur Geltung zu kommen.

Die Actionsequenzen sind auch nicht besonders originell, man hat sich halt an allem bedient, was zur Zeit in Mode ist. Dazu gehören vor allem ein paar matrix-ähnliche Kämpfe (sogar mit passenden Klamotten) und die Verwendung von Schwertern als Waffe, egal ob Schwertkämpfe irgendwie zum Rest des Films passen (was nicht der Fall ist). Gerade im Vergleich mit Matrix sieht man dem Film aber das deutlich bescheidenere Budget an.

Schließlich zum größten Manko des Films: Die Darstellung und der Verlauf der Geschichte torpedieren den Sinn und jeden Tiefgang, der möglicherweise am Anfang der Entstehung mal angedacht war oder von anderen Filmen einfach mit kopiert wurde.

Statt Preston irgendwie die Perversion des Systems entdecken oder ihn zumindest mit seinen wiedergewonnenen Gefühlen auch nur irgendetwas anfangen zu lassen, ergeht sich der Film in primitiven Einer-gegen-Alle-Actionspielereien. Die Entdeckung der Gefühle dient lediglich als Aufhänger für eine Zerstörungsorgie und nicht, um sich irgendwie ernsthaft mit dem totalitärem System auseinanderzusetzen. Es ist vollkommen unverständlich, daß der nun fühlende Preston, der dadurch eigentlich ein besserer Mensch sein sollte, sich wie eine eiskalte Killermaschine aufführt und dabei mehr Leute massakriert als vorher bei seiner Tätigkeit als Werkzeug des Systems.


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