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Equilibrium - Killer of Emotions (2002)
Eine Kritik von dreamlandnoize (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 02.08.2006, seitdem 516 Mal gelesen
Keine Bücher, keine Bilder, keine Musik...Jegliches Vergnügen ist den Menschen verboten. In Libria werden alle Gefühle der Bürger unterdrückt. Zu diesem Zweck muss jeder täglich eine von der Regierung verordnete Dosis Librium schlucken. Das Verweigern der bitteren Pille bedeutet unweigerlich den Tod. Librias Volk vegetiert im permanenten Dämmerzustand und Elite-Offizier John Preston überwacht den verordneten Volksrausch. Bis er eines Tages seine eigene Dosis Librium vergisst. Als einstiger Verfolger sämtlicher librischer Gesetze wird er nun auf einmal selbst zum Verfolgten. Doch mit nun neuen menschlichen Regungen könnte Preston der Einzige sein, der das totalitäre System zu Fall bringen kann. Wären da nicht seine Gegner, die sich bereits auf seine Fährte gesetzt haben...
Man erkennt schon an der Geschichte: Ein Mann gegen eine ganze Armee. Das hat uns schon in anderen Non-Logik-Filmen wie "Rambo", "Stirb langsam" etc. gefallen. Natürlich kann man diese Action-Kracher keineswegs mit diesem Science-Fiction-Streifen vergleichen.
"Equilibrium" von Kurt Wimmer kann man von zwei sehr unterschiedlichen Seiten betrachten: Zum einen ist er ein Streifen, der dreist bei anderen SF-Klassikern klaut, einige Löcher in Story und Logik besitzt und in manchen Szenen einfallslos, ja, fast schon banal rüberkommt.
Auf der anderen Seite ist er ein astreiner Science Fiction-Hammer mit netter Endzeit-Atmosphäre und stilvollen Shoot-Outs/Kampf-Szenen, die sehr an den Stil von Matrix erinnern. Und, das kommt hinzu, ein Meisterwerk in der emotionalen Mitfühlebene.
Ob man zugreifen oder besser die Finger davon lassen sollte, hängt rein davon ab, zu welcher Seite man stärker tendiert.
Ich bin eher der Typ, der nicht bei jedem Film eine Revolution des Marktes erwartet und das Prädikat "unbedingt anschauen" für den Unterhatlungswert gebe - plus, minus die negativen sowie positiven Aspekte dann das Gesamtergebnis ausmachen.
"Equilibrium" bedient sich bei sehr vielen Filmen, aber doch eher oberflächlich und benutzt diese Komponenten einfach nur, für seine ganz eigene Welt zu erschaffen. Für mich ist dieser Punkt gar nicht erwähnenswert, ich kreide auch "Star Wars" nicht an, dass es in früheren Filmen auch schon Raumschiffe gab. Stärker stoßen da schon einige Logik-Löcher und manche Szenen auf, bei denen es sich Kurt Wimmer zu einfach gemacht hat.
Zum einen wären da die Kinder von Kleriker John Preston (Christian Bale), die jahrelang diese Droge nicht konsumieren und somit ihren Vater täuschen (der so etwas laut Story auf Anhieb erkennen müsste). Dabei gehen sie ein enormes Risiko ein, genau wie ihre Mutter hingerichtet zu werden, die vor Jahren "Sinnes-Täterin" war und verbrannt wurde. Dies hätte man ganz weglassen können, da es absolut keine Bedeutung für den Film hat.
Beim Untergrund-Standort bzw. dessen Zugang fühlt man sich als Zuschauer auch etwas verarscht. Das hätte Wimmer besser lösen müssen. Der Untergrund irgendwo in der Endzone oder so etwas in diese Richtung wäre besser gewesen.
Dann wäre für manche noch die Hinrichtung von Emily Watson ein Dorn im Auge. Diese Verbrennung ist mehr eine Art Zeremonie und das geht ganz klar auf die Kosten der Logik, da hier im Lande massenweise Leute verbrannt werden. Jedoch tut es der emotionalen Seite des Filmes, auf die ich später noch näher eingehen werde, gut.
Andere Punkte kann man so oder so sehen: Dass die Menge klatscht, wenn der "Vater" mit der Rede fertig ist, fällt für mich nicht unter die Löcher. Ich hab wohl öfters im Leben bei Reden etc. geklatscht, weil man es nunmal macht und nicht, weil ich emotional begeistert war. Genauso kann man das hier auch sehen, vorallem weil keine Mimik bei der klatschenden Masse vorhanden ist.
Ganz und gar nicht zur Debatte steht der Charakter von Preston´s farbigen Rivalen Taye Diggs. Diggs ist der Schoßhund des Vaters und genau wie er ein "fühlender" Mensch. Nur von Grund auf böse mit dem Lachen des Teufels ausgestattet. Ein echter Killer und Scheißkerl eben.
Sehr gut gelungen sind die Kämpfe, vorallem wenn man das geringe Budget betrachtet. Wie bereits weiter oben erwähnt, ziemlich an Matrix angelehnt, aber auch hier hat "Equilibrium" seinen eigenen Stil.
Hauptaugenmerk ist jedoch die Wandlung von Kleriker Preston selbst, vom Killer zum von Grund auf guten Menschen. Wimmer hat viele dieser "Selbsterfahrungs"-Szenen der Gefühlswelt eingebaut, wovon einige sehr stark rüberkommen: Die gefühlte Wärme bei der Sonnendämmerung am Badfenster, die Szene im Verhörzimmer bei der Emily Watson seine Hand berührt und er dabei das erste mal so etwas wie Zuneigung verspürt, ein Rebell stirbt mit Blickkontakt in seinen Armen, und die Szene mit dem Welpen hat mich komplett zerissen - Näher will ich darauf jedoch nicht eingehen. Und solche Szenenbeispiele könnte ich jetzt beliebig forsetzen.
Eigentlich wirkt der Film, nachdem Preston die Droge absetzt, wie ein emotionaler Reihenorgasmus. Selten gab es so etwas intensives. Und deswegen gibt es die Höchstwertung. Nur "40 Mio $ Trinkgeld" hängt ihn in dieser Hinsicht (das Gute im Menschen) ab.
FAZIT: "Equlibibrium" klaut gekonnt Oberflächlichkeiten diverser andere Science-Fiction-Streifen und erschafft somit seine eigene, eigenständige Welt. Das Besondere an ihm ist der gelunge Mix aus SF, Endzeit-Optik, Kämpfen mit Matrix-Anleihen und Gefühlskino oberster Klasse.
10/10
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