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Equilibrium - Killer of Emotions (2002)
Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 23.04.2007, seitdem 480 Mal gelesen
Eigentlich einst ein kleiner Geheimtipp und lediglich als DVD-Premiere bei wenigen Fans bekannt und verehrt hat sich Equilibrium binnen kurzer Zeit nach seiner Erstausstrahlung im Free TV als kleines wiederkehrendes Juwel etabliert.
Man könnte sogar fast sogar so weit gehen zu behaupten, dass er als kleiner Klassiker des Genres durchgehen kann.
Alle Zutaten hierfür hat er zumindest.
Da haben wir den emotionslosen Eliteschergen des totalitären Regimes, das sehr stark an Orwells Utopie erinnert, aber gleichzeitig aus jedem Anime der letzten 20 Jahre stammen könnte, wir haben alle Bauten und Dekorationen, die den Film sowohl in Fritz Langs als auch Ridley Scotts Aera transportieren ließe.
Wir haben eine kleine rebellische Einheit, die kurz davor ist, total zerschlagen zu werden.
Und wir haben eine Welt, die jegliche Emotionen verloren zu haben scheint.
Hier kommt wieder der Elitescherge zum tragen, der - wie es sich für einen wirklich großen Film gehört - eine emotionele (!!!!!) Berg- und Talfahrt durchläuft und so langsam die Fronten zu wechseln beginnt.
Filme wie Rollerball (das Original!!), Matrix oder Flucht aus dem 23. Jahrhundert dienen diesem Film nicht nur als Vorbild, welche er immer wieder genüßlich zelebriert, er ist aber auch unabhängig genug und etabliert eine eigene völlig überzogene aber auch überzeugende Realität, die einen sofort in ihren Bann zieht.
Da zieht der Regisseur auch sein ganzes Repertoire durch, indem er mal plakativ die Mona Lisa gleich zum Anfang des Films verbrennt oder zeigt in subtilen Szenen, dass die Führung des Regimes beispielsweise nicht auf ihre Emotionen verzichtet, indem nur gezeigt wird, dass dieser Führer mal kurz die Tischplatte mit seinen Fingerkuppen streichelt.
Auch ansonsten ist die Bildsprache phänomenal: Die bildlichen Übergänge und Umsetzungen sind teilweise wie aus einen expressionistischen Film oder aus richtig großen Klassikern, wie zum Beispiel als Christian Bale zum ersten Mal Beethooven hört und dabei in Tränen ausbricht.
Und das wäre auch die vielleicht eheste Vergleichsmöglichkeit für diesen Film: Denn ähnlich wie in Fahrenheit 451 wird hier ein ehemals linientreuer Mann zum Dissidenten. Wobei er hier eine weitaus größere Rolle zugeschrieben bekommt und gar als Erlöser angesehen wird, nicht unähnlich Neo in Matrix.
Dieser Wandel ist von Christian Bale absolut überragend dargestellt, sein kühles fast makelloses Äußeres ist anfangs so makellos wie das einer Puppe, brökelt dann aber zusehends unter dem emotionalen Ballast zusammen.
Vor allem die Szenen mit seinen Kindern, denen er selbst auch nicht trauen kann, zeigen seine Ausnahmestellung im Hollywoodeinerlei auf eine herausragende Art und Weise.
Was diesen Film dann doch noch über den Durchschnitt hebt, sind nicht die etwa Actionsequenzen, welche zugegebenermaßen zwar richtig großartig geworden sind für so eine Low-Budget-Produktion, der man die billige Produktion auch gar nicht ansieht. Im Gegenteil, wenn es etwas gäbe, das den Wert schmälern hätte gemußt, dann wäre es die Action gewesen, denn solch subtiles Sujet (UTOPIE, nicht Science-Fiction) lebt ja normalerweise von der Abwesenheit von überschwenglichem Action.
Nein, was den Film über den Schnitt hebt, ist die Tatsache, dass er zwar auf den ersten Blick ein Sci-Fi-Actioner im Fahrwasser von Matrix ist, und damit auch alle Action-Fanatiker befriedigen wird, aber auf dem zweiten Blick eine interessante und intelligente, ja fast schon zynische hintersinnige Message hat, wodurch er letztendlich seinem großen Bruder Matrix überlegen ist. (Denn Matrix hat genau das gegenteil aufzubieten: Eine prätentiöse augenscheinlich intelligente und hintersinnige Geschichte, die in Wirklichkeit aber nicht großartig vorhanden ist und eigentlich nur als Vehikel für grandiose Actionszenen dient. Nichtsdetotrotz ist Matrix aber auch ein sehr guter Film.)
SPOILER:
Wird im Film seitens des totalitären Regimes die Unter-Drogen-Setzung des Volkes und damit die emotionale Lethargie damit begründest, dass jegliche Emotion über kurz oder lang zu Aggressionen führen wird, was dann zu Kriegen führen wird, so ist die Befreiung des Volkes nicht etwa eine gewaltlose sondern eine völlig blutrünstige, gewalttätige Explosion. Und das vermeintliche Happy-End und die Befreiung des Volkes entpuppt sich im genauen Hinsehen als eventueller Pyrrhus-Sieg, denn Anarchie als Lösungsansatz ist auch nicht das, was man als geordnet ansehen könnte.
SPOILER ENDE
Alles in allem ein grandioser Trip in eine andere Welt, mit/ohne (?) offensichtlichem Happy-End, aber mit einem großartigen Ende nichtsdestotrotz, mit großartiger Ausstattung, wirklich originellem neuen Kampfsport, schöner optischer Aufmachung und grandioser Schauspielerriege, allen voran Christian Bale.
(Aber auch beispielsweise Sean Bean oder Emily Watson füllen ihre wenigen Minuten Leinwandpräsenz mit tragischer Größe).
Wie gesagt ein moderner Klassiker des Genres. Völlig zu recht so weit oben hier auf OFDB eingestellt.
9 Punkte
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