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Equilibrium - Killer of Emotions (2002)
Eine Kritik von maranatax (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 04.01.2008, seitdem 498 Mal gelesen
"Es ist meine Aufgabe zu wissen, was du denkst!"
Dachte sich Kurt Wimmer, bediente sich frech aus dem bewährten Repertoire renommierter Filme und bastelte sich daraus sein ganz persönliches Meisterwerk. Es sollte gewaltig werden, visionär, monumental. Eigens für den Film gedachte Kampftechniken wurden entworfen, eine einzigartige utopische Stadt wurde Wirklichkeit und besonderes Bestreben lag in dem Versuch eine symbolträchtige Storyline zu erschaffen die Freiraum zur Interpretation lässt. Und genau da liegt (leider?) auch der Hund begraben: Der Film nimmt sich selbst fürchterlich ernst. Was sich hier betont anspruchsvoll und philosophisch gibt, entpuppt sich bald als bescheidenes Seichtgewässer. Tiefe? Atmosphäre? Originalität? Leider nein.
Handlung: Hier passt einfach gar nichts. Selbst das wenige Potential das drehbuchtechnisch möglicherweise noch drin gewesen wäre, wird gnadenlos verschenkt. Logik sucht man in diesem Film vergebens. Oftmals geht jeder Bezugspunkt verloren, oder es wird derart dick aufgetragen, dass es fast schon peinlich ist. So artet beispielsweise eine einfache Hinrichtung einer inhaftierten Regime-Gegnerin in eine Art zeremonielle Opferung aus, in der jene (in eine kirschrote Priesterrobe gekleidet) ihrem Tod nach allen Regeln der Kunst „entgegenschwebt“, Zeit und Raum völlig vergessend, um dann kurz vor ihrem Abtreten noch ein letztes Mal tragisch zu gucken. Genannte Gegnerin ist zufälligerweise die Geliebte unseres coolen Helden und zudem die einzige Rebellin die nicht auf der Stelle niedergeschossen wird. Mysteriöse Sache das Ganze. Dominant natürlich die Actionszenen. Irgendwann gehen die teilweise sadistisch angehauchten Massenmorde jedoch an die Substanz und führen in ihren Ausschweifungen zu weit. Grade die Sache mit den Hunden, die gewalttätigen Hinrichtungen der Rebellen und besonders die Verbrennung von Emily Watson wurden zum Teil stark überzeichnet und zu heftig theatralisiert. Da hätte einiges zu Gunsten wichtigerer Schlüsselszenen geschnitten werden können. Spannungstechnisch ist Equilibrium eine mehlige Schlaftablette. Vorhersehbar und langweilig. Dialog findet zwar teilweise statt, beschränkt sich aber leider entweder auf banale Nullsätze oder bedeutungsleere Falschaussagen. Ein „richtiges Gespräch“ (sprich eine sinnvolle Aneinanderreihung von mindestens drei beliebigen Sätzen) gibt es erst, als unser Held vom „Führer“ persönlich über dessen raffinierten Plan erfährt (wobei die Frage bleib warum er das tut und ihn nicht einfach erschießen lässt). Verräter und Speichellecker des „Führers“ ist übrigens ein Schwarzer (obwohl amerikanische Produktion!). In Sachen Symbolik, die nach Wimmers Ansicht ja keine Wünsche offen lässt, überraschend der Film mit altbackenen Klischees. Über ein totalitäres Regime a la Drittes Reich lässt sich nur müde mit den Zehen wackeln. Sinnstiftenderweise und wo wir denn schon einmal dabei sind, wird dem Feindbild mit Russland und Irak der letzte Schliff verliehen. Bravo Amerika! Höchst eindrucksvoll wurde auch die Garderobe unseres liebgewonnen Helden in Szene gesetzt. So trägt er zu Anfang (man erinnere sich: als fieser Kleriker) eine tiefschwarze Robe, wohingegen man sich am Ende (sprich: während er als letzter Krieger vor dem Herrn das Regime stürzt) für eine weiße Robe entschied. Brillant! Letztlich schockiert hat mich jedoch die Tatsache, dass der gesamte Film anscheinend von religiösen Symbolen nahezu durchlöchert sein soll (so jedenfalls Wimmer). Denn mögen Stichworte wie „Kleriker“ und „Tetragrammaton“ auch noch so tiefsinnig klingen, letztlich wurden sie in ihrer exakten Bedeutung missverstanden und völlig falsch interpretiert. Wieso stellt der Film einen direkten Bezug zur Bibel her, ohne jemals direkt auf spirituelle, geistige oder religiöse Themen einzugehen? Man möge zwischen blinder Recherche und wildem Symbolik-Wahn unterscheiden.
Besetzung: Schauspielerisches Können? Schwer zu sagen, die Hälfe des Filmes bemühen sich die Darsteller möglichst desinteressiert zu gucken. Allein Christian Bale wackelt ab und zu ein wenig mit seinen Kieferknochen, dafür einen Pluspunkt. Den verschenkt er aber leider gleich darauf in der weiten Hälfte des Filmes. Denn plötzlich sieht sich der namhafte Kleriker mit Mimik und Gestik konfrontiert, unbekanntem Neuland also. Wir bezeugen die fundamentalen Wandlung eines emotionslosen Zombies in einen fühlenden Mitmenschen! Jedenfalls glauben wir das. Tatsächlich schaut unser Protagonist nicht viel intelligenter drein als vorher, gut, die weiße Schminke ist (teilweise) runter, aber der Blick ist nach wie vor leer. Zugegeben, es gibt Szenen in denen Bale mächtig starke Gefühle rauslässt. Beispielsweise sein Heulkrampf beim Musik hören oder sein Zusammenbruch auf offener Straße. Aber irgendwie will das nicht so recht ins Bild passen - es wirkt albern, kontrovers, fast kitschig. Da helfen dann auch keine mittelmäßigen Leistungen von Emily Watson mehr und auch das einnehmende Grinsen des Schwarzen stößt auf sture Resignation. Alle anderen Gesichter habe ich mittlerweile schon wieder vergessen.
Musik/Ton: Ludvig von Beethoven war der größte Komponist der Geschichte. Ein absolutes Genie, dessen Werke die Zeit überdauern. Wenigstens in dem Punkt macht der Film etwas richtig, denn der Meister der Musik als Schlüsselszene ist eine feine Idee. Daneben ist auch das Thema des Films kein völliger Fehlgriff. Düster, stark und etwas melancholisch dröhnen die passenden Klänge aus den Boxen und vermitteln zwischen Mensch und Bild. Und wäre der Komponist dabei geblieben, vielleicht hätte die Hintergrundmusik den Film nachhaltig heben können. Stattdessen dudelt nun grade während den Kampfszenen allergrottigster Punk-Techno-Dance-Mist in gefühlten Endlosschleifen. Herzlichen Glückwunsch Kurt Wimmer, damit haben sie auch noch den aller letzten Funken Atmosphäre getötet. Banause!
Fazit: Ein schrecklicher Science-Fiction-Film mit durchschnittlichen Schauspielern, stümperhafter Story, durchwachsener Musik und nicht vorhandenem Tiefgang. 3/10
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