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Equilibrium - Killer of Emotions (2002)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 29.05.2003, seitdem 1253 Mal gelesen


„Equilibrium“ erweist sich als faszinierender Kinokracher mit viel Potential. Schade, dass er nahezu überall auf der Welt kaum oder falsch vermarktet wurde.
In der Zukunft sind Gefühle verboten, da in diesen der Grund für Aggression, Gewalt und Krieg gesehen wird. Die Menschen unterdrücken ihre Gefühle mit Drogen und alles, was Emotionen auslösen könnte wie z.B. Kunstgegenstände oder Medien ist Schwarzmarktware. Das Szenario erinnert ein wenig an das Buch „Fahrenheit 451“, allerdings bezieht sich das in erster Linie auf jene Szenen, in denen Bücher und Kunstschätze abgefackelt werden.
Um die „Verbrecher“, d.h. jene die fühlen, aufzuspüren, setzt das System die Clerics ein, hochdisziplinierte, gefühllose Männer, die im Waffengebrauch bestens unterrichtet sind. Der beste von ihnen ist John Preston (Christian Bale), den man zu Beginn des Films in Aktion erlebt: Er erledigt beinahe im Alleingang eine Gruppe Rebellen, welche sich der Polizei und den Clerics widersetzen. Die spektakulären sogenannten Gun-Katas (Bewegungsabläufe, in denen die Clerics schießend umherwirbeln und eine Unmengen von Gegner ausschalten), sind der Höhepunkt des Films, die Regisseur Kurt Wimmer nicht zu früh zeigen will, weshalb Preston erst nur im Dunkeln zum Zuge kommt.

Doch Preston erleidet eine paar herbe Schicksalsschläge: Seinen besten Freund und Mit-Cleric Partridge (Sean Bean) muss er töten, da dieser beginnt zu fühlen; sein Sohn erwischt seine Frau beim einem Gefühlsverbrechen, worauf diese hingerichtet wird. Preston probiert mal eine Nacht ohne die Droge aus und beginnt dem Drang etwas zu fühlen nachzugeben. Doch wie lange kann er so in diesem System überleben?
Traurig, dass viele Filmperlen nur mit extremer Verspätung ins Kino kommen („Black Hawk Down“) oder gar nicht („Der blutige Pfad Gottes“). In letztere Kategorie fällt auch „Equilibrium“, der mit nur wenig Budget für Hollywoodverhältnisse (d.h. kaum Spezialeffekte, in Berlin gedreht, in den Außenszenen auf irgendwelchen Fabrikgeländen gefilmt usw.) und B-Roots (Regisseur Kurt Wimmer drehte zuvor nur den B-Reißer „One Tough Bastard“) dennoch überzeugt. Dabei lässt „Equilibrium“ diverse hochgezüchtete, superteuere Actionreißer alt aussehen.
Die Story ist spannend und sehr emotional, denn sie beschäftigt sich mit der langsamen Wandlung John Prestons und dessen Drang zu fühlen. Dabei zeigt er nahezu anrührend wie Preston immer wieder in kleinen Dingen eine Emotion findet und dennoch bleibt der Plot nicht zimperlich: Das rabiate Töten sympathischer Figuren nimmt dem Plot jegliche Vorhersehbarkeit. Trotz oberflächlicher Anleihen bei „Matrix“, „Metropolis“ und den Büchern „1984“ und „Fahrenheit 451“ schafft „Equilibrium“ es, eine eigene Geschichte zu erzählen, die sehr gut rüberkommt. Denn durch die persönlichen Verluste Prestons wird sein Engagement glaubhafter als der abstrakte Kampf gegen das System wie z.B. in „Matrix“.

Action gibt es nicht im Übermaß, aber das hat die gute Geschichte nicht nötig, sondern die Action kommt immer passend in der Story. Dabei ist sie wunderbar choreographiert, stilistisch klasse inszeniert und dennoch recht hart. Mit einem Minimum an Hilfsmitteln wie Wirework präsentiert „Equlibrium“ seine furiosen Shoot-Outs sowie Fights mit Nahkampfwaffen oder auch waffenlos. Zwar gibt es nur drei größere Kampfszenen, doch diese sind absolut atemberaubend und zwischendurch sind immer kleinere Actionhäppchen zu bewundern (z.B. der Trainingskampf zwischen Christian Bale und Taye Diggs).
Christian Bale liefert hier klar seine beste Leistung bisher ab und bringt die Emotionen Prestons bis in die kleinste Facette rüber, so dass der Zuschauer dessen Gefühle wunderbar nachvollziehen und sogar etwas mitfühlen kann. Aber auch die Nebendarsteller wie Taye Diggs, William Fichtner oder Sean Pertwee sind allesamt klasse, auch wenn Bale sie alle an die Wand spielt.

„Equilibrium“ ist ein uneingeschränkt empfehlenswerter und vielschichtiger Science-Fiction-Reißer. Zwar mit einigen Anleihen bei bekannten Vorbildern, aber dennoch eine klare Empfehlung.


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