Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 20.08.2003, seitdem 1260 Mal gelesen
Wenn man den Stimmen der Fans glauben darf, muss „Equilibrium“ eine echte Offenbarung für den Sci-Fi-Film sein, dessen Verbindung von gestylter Action mit tiefgründiger Story sogar „Matrix“ alt aussehen lassen soll. Ein im Kino zu Unrecht übergangener Film also? Teilweise kann man dem zustimmen, aber wenn alle die ach so geniale Aussage und Gesellschaftskritik hochloben, sollte man doch energisch widersprechen.
Sicher hat „Equilibrium“ mehr Köpfchen zu bieten, als der neueste C-Videothekenschund mit Dolph Lundgren, aber das kann nicht der Maßstab sein. Bei genauerer Betrachtung ist dieser utopische Thriller ganz einfach eine Aneinanderreihung mehr oder weniger bekannter Versatzstücke aus über 50 Jahren Sci-Fi-Geschichte. Große Teile der Story wurden simpelst kopiert, worauf ich aber jetzt nicht näher eingehen möchte, in unzähligen anderen Reviews steht das bereits ausführlich.
Was mir persönlich viel mehr missfiel: Rein von der Logik her funktioniert „Equilibrium“ ärgerlicherweise so gut wie gar nicht, gerade das wäre bei einem Film, den alle als so intelligent abfeiern, unabdingbar. Geradezu lächerlich ist das komplette Finale. Erstens ist der Schlussfight viel zu kurz (hätte es allerdings einen längeren Schwerterkampf gegeben, hätten sich wieder einige über einen „Blade“-Klau beschwert), zweitens wird ständig von der Unerreichbarkeit des „Vaters“ gesprochen, dass er das Zahnrad sei, der diese Gesellschaft am laufen hält, und dann ist seine Behausung derart schlecht gesichert, dass jeder „Kleriker“ reinstürmen und kurzen Prozess machen kann. Und warum wird dort auch noch so ungründlich nach Waffen durchsucht?
Solche Patzer passieren häufig und dämpfen den Eindruck ein wenig, den die zweifellos für das Budget gelungenen Kulissen und die gute Action hinterlassen. Für Fans durchgestylter Fights ist das eine echte Fundgrube, obwohl man sich auch da fragen muss, wieso eigentlich alle danebenschießen, obwohl der Kleriker überhaupt nicht auszuweichen scheint. Die Kämpfe sind übrigens überraschend hart, sowohl was Kaltblütigkeit als auch graphische Gewalt angeht, wenn in bester Seagal-Manier die Knochen durchbrechen. Ein wenig augenzwinkender Humor hätte dem Ganzen nicht geschadet, so kommt zum Schluss etwas übertriebene Coolness und unfreiwillige Komik auf.
Wer jetzt nicht mit einer ganz negativen Einstellung auf „Equilibrium“ zugeht und bei jedem Klau an die Decke hüpft, der wird zumindest einen äußerst unterhaltsamen Film sehen, bei dem die innere Logik bisweilen versagt, der aber genügend Überraschungen bereithält, um niemals langweilig zu werden. Mir persönlich erschien das sogar viel kurzweiliger als „Matrix Reloaded“ und die Erwartungshaltung war nach den ofdb-Reviews bei „Equilibrium“ ebenfalls nicht gering.
Für einen Filmabend mit Kumpels absolut geeignet (das sagt schon alles über die wahre intellektuelle Tiefe dieses Werks aus), aber eine Doktorarbeit wird darüber niemals jemand schreiben. Streitbare Angelegenheit...
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