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Catch-22 (1970)

Eine Kritik von weltfremdi (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 27.04.2005, seitdem 713 Mal gelesen


CATCH-22

"Ein Pilot kann nur für fluguntauglich erklärt werden wenn er verrückt ist. Wer aber versucht mit diesem Argument einem Einsatz zu entgehen kann nicht verrückt seine denn nur Verrückte fliegen Einsätze und dem entgehen zu wollen ist etwas zutiefst normales." Mit diesem Satz werden die Piloten einer amerikanischen Bomberpilotenstaffel im Mittelmeer jedesmal abgespeist wenn der Kommandeur wieder mal die Zahl der Einsätze erhöht, die man geflogen haben muß um wieder nach Hause zu kommen.

Es gibt keinen besseren Antikriegsfilm als diesen genialen Film mit Starbesetzung von Mike Nichols! In "Platoon" und "Apocalypse Now" sind es mehr oder weniger brutale Individuen, die die Verantwortung für das Grauen tragen, in "Die Verdammten des Krieges" wird die psychische Belastung für Soldaten nach dem Krieg dokumentiert. Dieser Film zeigt in jeder der 118 Minuten die permanente Absurdität, die hinter einem Krieg steht, der nur in den Geschichtsbüchern als eine logische Abfolge von Strategien und gewonnenen oder verlorenen Schlachten erscheint. Ein unfaßbar realistischeres Bild zeichnet dieser Film: Schon der Anfang ist ein Meisterwerk. Während des Vorspanns sehen wir eine wunderschöne Mittelmeerlandschaft im romantischen Sonnenaufgang. Minutenlang sind wir Zeuge wie diese poetische Szenerie aus dem Schlaf erwacht, erste Vögel zwitschern usw.. Dann plötzlich der ohrenbetäubende Lärm von 30 startenden Flugzeugen und sofort ist alles im Eimer. Mit einfachsten Mitteln schafft es der Regisseur schon hier die Widernatürlichkeit und Deplaziertheit des Krieges zum Vorschein zu bringen.
Die Hauptfigur Captain Yossarian ist ein, wie alle seine Kameraden, von Angst zerfressener, jede freie Minute für Zerstreuung durch Alkohol und Prostituierte ausnutzender und nervlich total kaputter Bombenschütze. Ein befreundeter Offizier (Jon Voight) verhökert sämtliche Fallschirme um sich und den Kommandeur durch Spekulationen zu bereichern. Durch den Tod eines Offiziers kommt ein neurotischer Feigling an einen Führungsposten und erwirkt sofort, daß er fortan "nicht mehr zu sprechen sei, egal worum es geht". Dann ist da noch ein junger Kaplan, brilliant gespielt von Anthony Perkins, der immer nur im Weg ist und nicht weiss was er tun soll -- noch nie war jemand mehr Fehl am Platz als dieser Geistliche in dieser von absoluter Gottlosigkeit gezeichneten Kriegswelt. Eine wunderbar skurile Figur ist auch ein General (gespielt von Orson Welles (!)), dessen scharfe Frau die ganze Kompanie verrückt macht und der als DAS Klischee eines brummigen hochdekorierten Offiziers und logischen Rationalisten wie ein Relikt aus einer anderen, längst vergangenen Zeit erscheint. Köstlich ist auch die Figur eines, ständig im Meer abstürzenden und ohne einen Kratzer überlebenden, Freundes von Yossarian, der von Art Garfunkel gespielt wird -- naiv und ein bisschen dämlich gezeichnet und doch einer der zum Schluß alles richtig gemacht hat.
Wichtig und lustig sind auch die kleinen Sachen, die im Hintergrund ablaufen. Achtet zum Beispiel mal auf die Photos an einer Wand in einer Offiziersbaracke, als der Lieutenant oder was er ist, seinen Untergebenen instruiert, daß er nicht mehr zu sprechen sei...

Was als anspruchsvolle Militärklamotte á la "M.A.S.H" beginnt verdichtet sich zusehens zu einem brueghelschen Endzeitszenario, in dem sämtliche Werte und Normen ad absurdum geführt werden -- Freundschaft, Ehre, Mitleid, Liebe, Gesetz, Mut, Religion -- alles für die Katz! Einer der Höhepunkte des Films ist eindeutig die surreale Irrfahrt durch eine wahnsinnig gewordene italienische Stadt zum Ende des Films wo Yossarian das absolute Chaos begreift.
Die Synthese des Films ist am Ende, daß man dem Wahnsinn nur mit einer wahnsinnigen Tat entfliehen kann...

Dieser Film zählt vielleicht zu den 100 besten Filmen, die je gedreht wurden. Es stimmt einfach alles: Kamera und Musik, Erzählstruktur, die Montage von Alltäglichem und Absurdem, die genialen Schauspieler, die wunderbaren Mono- und Dialoge, die monumentalen Kulissen, Effekte, Dramaturgie -- ein nicht mehr zu verbessernder, ein perfekter Film!

10 von 10 Punkten. Ein absolutes Meisterwerk!


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