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Dobermann (1997)

Eine Kritik von nickpicker (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 31.01.2007, seitdem 470 Mal gelesen


Jenseits von gut und böse...

Klingt abgedroschen, passt aber nun mal auf den Film wie der Kopf aufs Pflaster. Moral ist hier nämlich ein Fremdwort. Wohin man auch schaut: Es gibt schlichtweg keinen der Charaktere des Films, auf den die Bezeichnung "der Gute" auch nur ansatzweise passen würde. Wenn es aber kein "gut" gibt, gibts auch kein "böse" - q.e.d...
Wirkt dann ein Film, wo Polizei und Gangster aufeinandertreffen, so wie es bei "Dobermann" der Fall ist, und die Seiten klar abgegrenzt sein sollten, nicht langweilig? Hierauf ein klares "Nein", denn erstens: Wer hat eigentlich gesagt, dass es immer die Guten und die Bösen geben muss? Es ist schlichtweg cool, wenn unter den explodierenden Geschossen des Dobermanns und den brachialen Methoden des Bullen Christini die ganze Welt zu Bruch geht und sich die beiden gerade erst aufwärmen. Zweitens gibt es natürlich Unterschiede zwischen den Charakteren. Da gibt es die völlig abgedrehte Gangsterbande des Dobermanns (Priester, Transvestit, Freak, Hundenarr, Aggromacho,...), die sich schon im Äußeren von den eher konventionell gekleideten Polizisten abhebt. Auch gruppenintern gibt es aufgrund der äußerst ausgeprägten Charaktereigenschaften einiges an Reibereien und komischen Szenen. Auf der Polizistenseite ist es natürlich Christini, der am meisten heraussticht (Tcheky Karyo übertrumpft in diesem Film einfach alle) und mit dem Kommissar immer wieder aneinander gerät, der seine Methoden für zu... extrem hält (Er zu Christini, nachdem der aus dem Verhörraum gekommen ist, die letzten Schreie verklungen sind und sich sein Assistent die blutigen Hände abgewischt hat: "Geh einfach wieder in deinen Keller und spiel Gestapo, ja?"). Der große Clou des Films ist, dass die Gangster sogar noch so etwas wie Loyalität oder Prinzipien besitzen. Christini hingegen ist reiner Wahnsinn, ein Paradepsycho, der sogar vor Babys nicht Halt macht.
Neben den Charakteren, die ganz von alleine für eine völlig überdrehte Stimmung sorgen, sind es natürlich die skurrilen Situationen, die coolen Sprüche (en masse!) und das unglaublich Waffenarsenal, das der Film auffährt. Welche Wummen in diesem Film vorkommen und die Art und Weise, wie einige Waffen benutzt werden... unglaublich. Auch die Kameraführung, die größtenteils recht hektisch ist, unterstützt den Gesamteindruck mit ihren innovativen, schrägen Blickwinkeln und Kamerafahrten; die Musik tut ihr übriges.
Ja, dieser Film ist tatsächlich menschenverachtend, aber wer ihn ernstnimmt, hat "Dobermann" schlicht nicht verstanden: Ein schriller Kunstfilm, dessen (nahezu) einziges Makel es ist, dass die englischen Sprüche Christinis beim besten Willen nicht zünden wollen. Wer aber auf verrückte Ware Lust hat, sollte hier richtig sein...


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