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Dobermann (1997)
Eine Kritik von Tool (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 18.09.2002, seitdem 1680 Mal gelesen
Bei „Dobermann" gleich mal eines vorweg: Entweder man hasst den Film, oder man liebt ihn. Ich gehöre Letzterem an, denn diese französische Produktion zählt mit zu den besten und abgefahrensten Werken, die mir bisher untergekommen sind. Was „Perdita Durango" werden sollte und sein soll, wird mit „Dobermann" perfekt auf den Punkt gebracht. Ja, er ist krank, und explizite Gewaltdarstellungen sind zahlreich gesät, doch das macht den Film nicht so gut, sondern eher einfach dessen Art. Wo „Perdita Durango" noch durch die Szenen der Gewalt provozieren und auf sich aufmerksam machen wollte, schafft es sein französisches Gegenstück brilliant, auch ohne solch Szenen unterhaltsam und „cool" sein zu können. Solch Szenen sind dann zwar trotzdem enthalten, sie stehen aber keinesfalls im Mittelpunkt. Die Indizierung geht meiner Meinung nach dennoch in Ordnung, denn schon allein Tcheky Karyo als kranker und brutaler Cop ist alles andere als leichte Kost. Dazu kommt noch die äußerst ordinäre Ausdrucksweise der Darsteller und die dreckigen Drehorte, wie die Disco zum Schluss. Teilweise entsteht auch eine richtig seltsame und düstere Atmosphäre, ein weiterer Aspekt, der „Dobermann" meines Erachtens zum genialen Film macht.
Jan, genannt Dobermann, (Vincent Cassel) und seine Gang beschaffen sich ihr Geld durch zahlreiche Banküberfälle, mit denen sie sich bei der Polizei schon einen gehörigen Namen gemacht haben. Der abgedrehte, koksende Polizist Christini (Tcheky Karyo) will sich Dobermann und dessen Gehilfen endlich schnappen. Als der Cop eines Tages auf eine transsexuelle Freundin Jans trifft, wird diese gegen Jan benutzt. Ansonsten stirbt ihr frischgeborenes Kind. In einer Disco kommt es dann schließlich zum blutigen Shoot-out.
Die Franzosen haben mit „Dobermann" einen weiteren Film geschaffen, der nur allzu deutlich bestätigt, dass aus ihrem Land einige sehr gute Machwerke stammen. Ob „Die purpurnen Flüsse", „Hass", „Pakt der Wölfe", die beiden „Taxi"-Filme, „Exit" oder auch, obwohl ihn viele hassen, „Deep in the Woods", der mir persönlich sehr gut gefällt, alle zeigen, dass die Franzosen in Sachen Filme gute Arbeit leisten. Zwar ist „Dobermann" sicher nicht die Unterhaltung für die ganze Familie noch jedermanns Sache, aber wer auf „Perdita Durango" oder „Reservoir Dogs" steht, ist mit „Dobermann" bestens bedient. Er hat zwar von der Story her nichts mit diesen beiden Filmen gemeinsam, die Art ist aber dennoch vergleichbar.
Wie jüngst in „Kiss of the Dragon" bestätigt, ist Tcheky Karyo die absolute Traumbesetzung, was den durchgeknallten Cop angeht. In Jet Lis neuestem Erfolg hat Karyo eigentlich nur das fortgesetzt, was er in „Dobermann" begonnen hat. Nämlich den völlig abgedrehten, drogenabhängigen, kranken Bösewicht zu spielen, den er mit solch einer Authenzität vermittelt, dass man glatt meinen könnte, er sei auch im richtigen Leben ein totales Arschloch. Ihm sind solch Rollen auf jeden Fall wie zugeschnitten.
Zum Schluss kann ich nur sagen, dass „Dobermann" ein Film ist, den man auf jeden Fall gesehen haben muss, man soll nur vorher zweimal überlegen, sich dieses Werk anzusehen, denn leicht verdaulich und zugänglich ist es sicher nicht. Wie gesagt ein Film, bei dem ich die Indizierung sogar gerechtfertigen kann. Doch das ist natürlich nicht der Punkt, der „Dobermann" so gut macht. Er lebt von der Atmosphäre, dem Bösewicht und der abgedrehten Machart. Pflichtprogramm für Erwachsene, die mit solchen Werken umgehen können. Ein Meisterwerk. 10/10 Punkte
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