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Gattaca (1997)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 25.04.2004, seitdem 2671 Mal gelesen


Das Theme Genforschung ist aktueller denn je. Beachtet man das Produktionsjahr von „Gattaca“, war Andrew Niccol (Drehbuch zu „The Truman Show“) seiner Zeit schon etwas voraus. In einer nicht allzu fernen Zukunft, sind die ethischen Grundsätze, die uns jetzt noch davon abhalten Menschen zu klonen, längst nicht mehr existent. Der Nachwuchs wird aus dem „Besten“ der Eltern geklont, um dem Kind die bestmöglichen Zukunftschancen zu sichern.

Vincent Freeman (Ethan Hawke) ist einer der wenigen Menschen, der noch auf die „altmodische“ Art gezeugt worden ist, gesundheitlich nicht den Perfektionismus seines Bruder besitzt, ihn in einer wichtigen Szene trotzdem schlägt und niedere Arbeiten in einer unterkühlten Gesellschaft verrichten muss. Doch er hat Träume und die will er verwirklichen. Auch wenn sich die Pforten dazu, dank seiner minderwertigen Genetik, nie öffnen werden, arbeitet er hart an sich und seinem Wissen. Also nimmt er Kontakt zu einem mysteriösen Mittelsmann auf, der ihn mit Jerome Eugene Morrow (Jude Law) zusammen bringt. Dieser besitzt zwar eine perfekte genetische Struktur, kann aber nach einem Bruch seines Rückrads nur noch im Rollstuhl sitzen. So bilden sie eine Zweckgemeinschaft, in der Vincent Jeromes Identität annimmt und seinen Traum verwirklicht: Der Flug zu den Sternen.

„Gattaca“ ist geprägt von einer sterilen, künstlichen Optik, die mit sehr vielen Farbfiltern versetzt ist. Auch wenn die Bauten, für eine recht nahe Zukunft, etwas abstrakt gehalten sind, findet man noch genug Elemente vor, mit denen man unsere Gegenwart in Verbindung bringen kann.

Weitestgehend handelt es sich hier eher um ein Drama, als um einen Thriller, denn Andrew Niccol legt viel Wert auf die Charakterisierung des Duos. Morrow hat mit dem Schicksal zu kämpfen ein Wunschkind nach Plan gewesen zu sein, dass sich jetzt einem sinnlosen Leben ausgesetzt sieht, in dem Alkohol die einzige Freude ist. Sorgfältig nimmt er Proben von sich selbst, um Freeman damit auszustatten. Schließlich sind die Tests bei „Gattaca“, die nur die Besten aufnehmen, nicht nur zahlreich, sondern auch nicht zu umgehen. Freeman scheint mit seiner neuen Situation, trotz völligen Verlusts seiner Identität, besser klar zu kommen, stürzt sich auf seine Arbeit und wähnt sich in Sicherheit, bis in der Firma ein Mord geschieht und man eine Wimper von ihm findet – einem Degenerierten. Gelingt die Überlistung des Systems nur für einen gewissen Zeitraum?

Als die Polizei ihm langsam auf die Schliche kommt und „Gattaca“ umkrempelt, sieht er sich in die Ecke gezwängt und kann nur mit einem riskanten Manöver seine Tarnung aufrechterhalten. Nicht zuletzt dank der Hilfe seiner Kollegin Irene Cassini (Uma Thurman), die sich auf eine seltsame Art zu ihm, dem falschen Morrow, hingezogen fühlt. Die Thrillerkomponente kommt erst zum Ende wirklich zum Tragen, als die Schlinge sich langsam zu zieht und ein Polizist sich Freeman überraschend offenbart.

Auch wenn es dem Film deutlich an Tempo mangelt, gelang es Niccol ein erstaunliches Skript zu verfassen, das Anspruch und Spannung weitestgehend in Einklang bringen kann. Insbesondere seine Detailversessenheit in Punkto ständige „Qualitätskontrollen“ der Mitarbeiter und die nie vernachlässigte Überprüfung ihrer Identitäten ist bemerkenswert – auch weil Ideen, wie ein genetischer Fingerabdruck, längst keine Fiktion mehr sind.

So wie die Optik präsentieren sich auch die Schauspieler meist emotionslos. Nur passt es in diesem Fall zum Szenario, da in dieser Gesellschaft Gefühle kaum noch eine Rolle spielen. Besonders Uma Thurman kann man lange Zeit nicht durchschauen, während Ethan Hawke und besonders Jude Law zumindest in den eigenen vier Wänden noch Gefühle zeigen dürfen. Laws verzweifelter Akt ist am Ende schauspielerisch auch gleichzeitig der Höhepunkt des Films.

Man kann sich die nun die Frage stellen, in wie fern das genetische Erzeugen von Menschen nun gerechtfertigt ist oder nicht. Auf der einen Seite wird unsere Effektivität gesteigert, auf der anderen Seite verlieren wir aber völlig unsere Individualität, verkommen zu einem emotionslosen Kollektiv, das den Faktor „Mensch“, der sich über Fehler definiert, ausschließt. Andrew Niccol überlässt das Fazit dem Zuschauer, zeigt positive wie negative Aspekte, bezieht aber Stellung, indem er zeigt, dass auch „minderwertige“ Exemplare Großes zu schaffen in der Lage sind.

Fazit:
Andrew Niccols Regiedebüt floppte an den Kinokassen, ist aber auch kein Stoff, den man sich zur reinen Unterhaltung anschauen kann, sondern eine anspruchsvolle Abhandlung zum Thema Genforschung. Aufgrund seines doch recht zähen Erzähltempos, reicht es nicht zum Sprung nach ganz oben. Wer auf intelligente Zukunftsvisionen steht, die Drama und Thriller in Einklang bringen, mit guten Darstellern und einer höchst interessanten Story aufwarten können, ist hier gut beraten.


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