Review

Wenngleich Kull, der Eroberer außerhalb des chronologischen Rahmens an die 80er Jahre Barbarenwelle anschließt, so wirkt es auf den ersten Blick und anknüpfend an die Fernseherfolge der 90er mit Hercules-Darsteller Kevin Sorbo als Kull noch relativ plausibel, nach Conan und Red Sonja eine weitere Figur des amerikanischen Pulp-Novel Autoren und Sword and Sorcery Genre-Erfinders Robert E. Howard zu bemühen. Verantwortlich für das Endresultat sind jedoch auch einige Verästelungen, die einer gewissen Ironie nicht entbehren.
Kull war die erste Genrefigur Howards und geht in der Entstehung zurück bis 1926. Zwar kaufte das Weird Tales Magazine die Story 'The Shadow Kingdom' auch kurz nach der Fertigstellung 1927 direkt ein, veröffentlichte jedoch zuerst eine Geschichte um eine andere Figur - Solomon Kane. Kull, weit weniger ein geradliniger Haudrauf wie die wesentlich jüngere, jedoch bekannteste Howard-Figur Conan, sondern mit durchaus nachdenklichen bis depressiven Zügen ausgestattet, war dabei nie ein großer Erfolg beschieden. Gerade einmal drei der dreizehn Stories erfuhren vor Robert E. Howards Selbstmord im Jahre 1936 eine Veröffentlichung. Wohl aber arbeitete er die unveröffentlichte Geschichte 'By This Axe, I Rule' auf den Conan-Kosmos (immerhin acht Millenien nach dem Tode Kulls) um. Das Resultat erschien im Dezember 1932 im Weird Tales als 'The Phoenix on the Sword'.
Als in den 90ern nun der Conanmythos mit einem dritten Teil Conan the Conqueror wiederbelebt werden sollte, wählte man nebst 'The Hour of the Dragon' ausgerechnet diese Story als Grundlage. Arnold Schwarzenegger jedoch lehnte dankend ab, weshalb mit Sorbo im Boot die Entscheidung fiel, den Plot auf Kull umzuarbeiten.

Die Drehorte in der Slowakei und in Kroatien geben bereits einen ersten Eindruck, mit wieviel Hingabe das Projekt schließlich produziert wurde. Erwartet man Werktreue seit Conan - Der Barbar ohnehin schon nicht mehr, als bei der durchschnittlichen Karl-May-Verfilmung, also eher ein loses Aufgreifen von Motiven, so mag man an Kull, der Eroberer in weiser Vorraussicht kaum Anforderungen stellen.
Tatsächlich geben sich die Autoren wenig Mühe, überhaupt auf die Hintergründe der Figur einzugehen. Während durchaus interessante Aspekte wie die politisch revolutionären Ambitionen Kulls in der Position des Königs eher stiefmütterlich behandelt werden, inszeniert John Nicolella ein rasantes, nahezu hektisches Spektakel, welches vom ersten Moment an dem Publikum entgegen rauscht.
Um die Geschichte im vollen Umfang in zirka fünfundneunzig Kinominuten unterzubringen, dauert es derer nur wenig, bis Kull schließlich den Herrscher tötet, der ihn zur Strafe als letzte Amtshandlung die Krone übergibt, wissend, daß Kull darauf zum Haßobjekt der zwistigen Erbfolger werden wird. Diese verbünden sich schließlich mit einem Zauberer, der die böse Hexe Akivasha (Tia Carrere) belebt, welche das Königreich vor langer Zeit schon einmal ins Verderben gebracht hat. Sich ihrer Macht bedienend wird sie im Handumdrehen die Frau Kulls und damit Königin. Passend im Angesicht der Geschwindigkeit ist hier besonders der Kommentar, daß seine Hochzeitsnacht länger dauern möge, als die Brautschau.

Mit dem Plot möchte man sich zufrieden zeigen, gibt diese Adaption des quasi weltersten Sword and Sorcery Recken wenig Anlass, den Genrekonventionen eine besondere Originalität zu entlocken. Jedoch finden sich auch wenige Kniffe derart ausgearbeitet, um eine mögliche, epische Tiefe des Stoffes im vollen Umfang genießbar zu machen. Der nahezu archetypische rote Faden um Kulls vorgespielten Tod, die Reise auf der Suche nach einer Gegenmagie und die abschließende Auseinandersetzung mit der bösen Königin wird viel mehr durchbrochen von einzelnen Konflikten, die trotz einer vorhandenen Plausibilität in den Grenzen einer PG-13-Veröffentlichung und mit tappsig inszenierten Kampfhandlungen wenig besonderen Reiz ausüben.
Hier profitiert der Genrefan schließlich vom hohen Tempo, überspielt die bessere Nummernrevue aus sujetüblichen Versatzstücken auf diese Art doch sowohl dramaturgische wie auch schauspielerische Schwäche. Unterstützt wird der filmische D-Zug durch die Kompositionen von Joel Goldsmith, die eine Mischung aus orchestralen Klängen mit harten E-Gitarren bieten. Diese Entscheidung ist auf der einen Seite durchaus eine Geschmacksfrage, jedoch stehen sich die Geschichten von Robert E. Howard und der Heavy Metal spätestens seit den barbarische Heldenwelten aufgreifenden Manowar nahe. Auch die Conan-Themen von Basil Poledouris sind in diesem Bereich beliebte Einflüsse, so daß sich Goldsmith mit seinen Klängen hervorragend in die seinerzeit just aufkochende Welle von symphonisch-orchestralem Power Metal einfügt.

Im amerikanischen Kino gefloppt, schaffte Kull, der Eroberer in unseren Breiten gerade eine Videopremiere. In diesem Format (oder im Fernsehen) kann sich das relativ anspruchslose Werk mit einem kaum Abstand von seiner Herculesrolle gewinnenden Kevin Sorbo und der als Hexe sträflich wenig auf eine glaubwürdige Femme Fatale gekämmten Tia Carrere doch überraschend gut entfalten. Gerade zwischen den TV-Werken um Hercules und Xena - Die Kriegerprinzessin oder anderen Fantasy-Verfilmungen wie She und Die verlorene Welt geht der Film mit für das Kino gerade noch soliden Techniken deutlich besser auf. Auch angesichts des kompakten Handlungsstaccatos gewinnt Kull, der Eroberer gegenüber mit ähnlichem Tiefgang oft Zeit schindenden Konkurrenten aus der Fernsehwelt Oberwasser.
Für den vergnüglichen Nachmittag bedarf es allerdings auch der gehörigen Akzeptanz des Zuschauers gegenüber dieser seicht-amerikanischen Umsetzungsform. Nur mit entsprechendem Abstand, quasi als eigenständiges Fantasy-Filmchen betrachtet, kann der axtschwingende, erstaunlich eloquente Barbar bei seinem Publikum punkten.
Hat sich der Schmauch des Verdrusses erst gelichtet, läßt sich gerade im Vergleich zur Valorenklasse von Videothekenschund wie Thor - Der unbesiegbare Barbar eine deutliche, qualitative Sublimierung feststellen. So hat Kull, der Eroberer auf seine hirnunterfordernde Art den Vorteil inne, daß man sich das bisschen Kurzweil nicht erst aufwendig hinzudichten muß. Auf der langen Durststrecke zu neuen Sword and Sorcery Geschichten nimmt man den Film so mit einem weinenden Auge liebend gerne mit.

Details
Ähnliche Filme