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'Herrliche Zeiten in Spessart' ist eine sprachwitzreiche, selbstironische Militarismusparodie, die wohl in fünf bis zehn Jahren wegen Aussagen wie "Es ist doch schade um die schönen Köpfe, denn die schweren Eisentöpfe drücken Birnen weich" oder "der dumme Adam zieht in die Schlacht, der kluge Adam huldigt der Liebe"
indiziert oder dessen Filmrollen auf mysteriöse Weise verschwunden und nimmer mehr gesehen sein dürften. 1967 enstanden, in einer Zeit also, in der aufgrund der Kriegserfahrungen Menschenrechten eine gewisse ernstgemeinte Gültigkeit zuteil geworden war, dürfte man den Film als ein Hochlicht deutscher TV-Produktion ansehen. In nahezu prophetischer Weise greift 'Herrliche Zeiten im Spessart' zukünftigen Manipulationen durch von Presse und Politik verwendete einschlägige Begrifflichkeiten vor, indem er statt eines Kriegsgenerals einen "friedensbevollmächtigten der gesamten linksrheinischen divisionen" auftreten lässt.
Auch ein "ministerium zur einsparung von ministerien" ist präsent und gemahnt in dezenter Weise an fashionable neuzeitliche Firmengründungen, die Mitarbeiter einstellen, damit diese dann anderen Firmen sagen können, welche Mitarbeiter selbige nicht mehr benötigten.

Die musikalische Untermalung des Films ist zwar etwas altbacken, aber dennoch weder dümmlich noch unmelodisch, und zum Glück auch nicht der beste Soundtrack aller Zeiten, denn derartig geadelte Klangspuren treten erst ab dem Y2K mit enervierender Regelmäßigkeit auf.

Die im Film erzählte Geschichte ist teils klamaukhaft, teils nachdenklich stimmend, niemals langweilig und durchaus dazu angetan, mit Vernunft gepaarte sog. 'subversive' Energien à la 'Es ist Krieg und keiner geht hin' oder - moderner - 'es ist biometrische Überwachung, aber keiner beantragt einen Reisepass' freizusetzen.

Sehenswerter und unterhaltsamer Film, der, mit etwas Umdenken, aktueller ist denn je.

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