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Lola rennt (1998)

Eine Kritik von zeckpetzki (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 31.08.2009, seitdem 365 Mal gelesen


Überraschendes aus Deutschland…30.08.2009

Deutsche Filme sind mir, wie ich schon an anderer Stelle mehrfach ausgeführt habe, eher ein Greuel. Doch dieser hier kann das Kritikerherz erweichen, was vor allem daran liegt, daß er die gängigen Konventionen des Deutschen Films im besonderen und des Kinofilms im allgemeinen sprengt. Der Film schert sich nicht um die eingefahrenen Sehgewohnheiten des typischen Deutschen Zusehers – wenn man von einem solchen Zuseher überhaupt sprechen kann – nein, er erzählt die gleiche Geschichte dreimal, mit jeweils leicht veränderten Ereignissen, derweil die Ausgangslage der Handlung immer die gleiche bleibt und auch recht einfach ist. Um so erstaunlicher daher, wie sehr man als Zuschauer von den Geschehnissen angetan ist…und sogar so einen platten Effekt wie den Bruch einer Glasscheibe beklatscht…

Es geht um Lola, ihren Freund Manni und eine Schuld von 100.000 Mark. Ach, Mark, das waren noch Zeiten…schön, mal wieder etwas von der guten alten Währung zu hören, deren Wegfall doch das eine oder andere drastisch verteuert hat. Manni, der in Berlin als Kleinganove arbeitet, verpatzt einen kleinen, einfachen Deal, weil er die Tüte mit eben jener Summe in der U-Bahn liegenläßt. Das wird ihn das Leben kosten, so glaubt er…also muß Lola ran, die zwanzig Minuten Zeit hat, das Geld aufzutreiben und es Manni zu bringen, bevor dieser aus lauter Verzweiflung einen Bolle-Supermarkt überfällt. Wie nur machen…da kann der Papa helfen…oder ein Casino…oder gemeinsam den Supermarkt zu berauben…letztlich kommt einiges zusammen, Manni übersteht die Situation, und Lola findet einige Sachen über ihre Familie heraus.

Das alles ist in der Tat sehr heiter anzusehen, kurzweilig und mit dauerwummerndem Technosound untermalt. Angesichts der Situation bleibt nicht viel Raum für Handlung, macht aber auch nichts, denn Regisseur Tykwer läßt kein Stilmittel aus, um die atemlose Hatz zu bebildern…Splitscreens, Texteinblendungen und das mir am besten gefallende Stilmittel – eine Art Schnellfotoalbum, welches den weiteren Lebensweg von Passanten abbildet. Frau Potente, die der Herr Tykwer schnell zu seiner Liebsten gemacht hat, wirkt hier ebenso unverbraucht wie Herr Bleibtreu als Manni, gut sind auch die mit doch recht bekannten Gesichtern besetzen Nebenrollen in die leicht veränderten Abläufe integriert, es macht einfach einen Heidenspaß, diesen Film zu gucken – er ist schnell und auch schnell vorbei, hat aber sogar schon die Wackelkamera an Bord – ein ekliges Stilmittel, daher 8/10.


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