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Lola rennt (1998)

Eine Kritik von Stefan M (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 18.04.2003, seitdem 889 Mal gelesen


Manni steckt in großen Schwierigkeiten: Er hat eine Tasche mit 100.000 DM, die für seinen Boß bestimmt sind, im Zug liegengelassen. Diese hat sich nun ein Penner unter den Nagel gerissen. Nun hat Manni nur noch eine Hoffnung: Seine Freundin Lola. An ihr liegt es, innerhalb von nur 20 Minuten die Summe herbeizuschaffen. Ansonsten kommt Manni nicht mit dem Leben davon...
Die simple Ausgangslage von "Lola rennt" klingt nicht sonderlich neu oder spektakulär, denn es gibt viele Filme mit ähnlicher Handlung. Doch was Regisseur Tom Tykwer daraus macht, ist einfach sensationell. Ihm gelingt ein einzigartiges filmisches Erlebnis, das die Konventionen des klassischen Erzählmusters - wie "Pulp Fiction" - wild durcheinanderwirbelt, so daß sich der Zuschauer vor Begeisterung gar nicht halten kann - viele sprechen gar von einer "Revolution".
In insgesamt drei Varianten erzählt Tykwer die Geschichte mit der gleichen Ausgangslage: Wie kommt Lola in 20 Minuten an 100.000 DM? Jedes Mal führt ihr Weg zu ihrem Vater, den sie um Geld anpumpt. Dabei kommt es zu unvorhergesehenen Zwischenfällen, so daß Lola mal schnell ins Büro ihres Vaters gelangt, mal ihn in letzter Sekunde verpaßt. So münden zwei der drei Varianten in einer Katastrophe, nur eine rettet Lola und Manni ihr Leben. Allein die Grundidee ist genial. Doch das ist längst nicht alles.
So ist der Film beinahe durchweg von moderner Technomusik untermalt und hält bis zum Schluß ein ungemeines Tempo durch, das so wohl in einem deutschen Film noch nie zuvor zu sehen war. Zudem fügt Tykwer hin und wieder einzelne Zeichentricksequenzen ein oder zeigt die Zukunft der Menschen, mit denen Lola in Kontakt kommt, nicht in einem fortlaufenden Film, sondern als wenige Einzelfotos. Ungewöhnliche Kamerafahrten, geteilte Bilder und bis zum Schluß ungemeiner Einfallsreichtum machen "Lola rennt" trotz der geringen Länge von nur knapp 80 Minuten zu einem einzigartigen Erlebnis. Doch meine Beschreibungen reichen nicht aus, um der Farbenpracht dieses kleinen Meisterwerks nur annähernd gerecht zu werden. Man muß den Film gesehen haben, um selbst zu einem Urteil zu kommen.
Sicherlich ist der Film nicht jedermanns Sache, weil entweder die penetrante Hintergrundmusik oder die nicht endenwollende Action nicht für alle zu ertragen sind, aber mir gefällt "Lola rennt" ausgesprochen gut und ist mit keinem anderen Film zu vergleichen. Spontan fällt mir höchstens Oliver Stones kontroverse Mediensatire "Natural Born Killers" ein, die - obwohl von der Handlung her völlig anders geartet - an das farbliche Feuerwerk von „Lola rennt“ heranreicht. Das filmische Experiment von Tom Tykwer ist vollauf gelungen und strahlt eine enorme Faszination aus.
Die Bilder machen einen großen Teil der Wirkung aus, sind aber nicht alles, was der Film zu bieten hat: Er besitzt neben der bereits erwähnten Action auch ausreichend Humor und Spannung und lebt auch von seinen prominenten und überzeugenden Schauspielern. Bis in die Nebenrolle ist der Film (ihn in ein Genre einzuordnen fällt mir schwer) vorzüglich besetzt: Franka Potente (am Anfang ihrer internationalen Filmkarriere), Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup, Susanne von Borzody, Armin Rohde, Heino Ferch usw.
Schön auch der immer wieder auftauchende Filmfehler: Es verrutscht immer wieder Franka Potentes BH, um in der nächsten Einstellung wieder ordentlich unter dem Top versteckt zu sein.

Fazit: Was bleibt da viel zu sagen? Wer den Film gesehen hat, weiß, daß er ein visuelles Meisterwerk gesehen hat - ob ihm der Film nun gefällt oder nicht. "Lola rennt" ist einfach nur stark und voller zündender Ideen. Tykwer hat ein neues Genre geschaffen, das sogar in der USA großen Anklang fand.
GESAMT: 8/10 (Unterhaltungswert: 8 - Handlung: 9 - Schauspielerische Leistungen: 9 - Kameraführung/Atmosphäre: 8 - Musik: 8)


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