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Transsiberian (2008)
Eine Kritik von WrongPlanet (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 15.04.2008, seitdem 934 Mal gelesen
Im Rahmen einer Testvorführung im Münchner Mathäser hatte ich gestern die Gelegenheit, bereits einen Blick auf den langerwarteten neuen Film von Regiewunderkind Brad Anderson zu werfen.
Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich vermutlich noch nicht um die Endfassung handelt, die bei uns im September in die Kinos kommen soll.
Roy (Woody Harrelson nach seiner cineastischen Wiederbelebung im brillanten "No Country for old Men" hier als amerikanischer Vorzeigespießer) und Jessie (sehr gut: Emily Mortimer) buchen eine Fahrt mit der legendären transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau, um Ihrem etwas langweiligen Leben mal etwas Abenteuer einzubringen. Auf der langen wildromantischen Fahrt durch die sibirische Wildnis kann Roy außerdem seiner etwas spleenigen Leidenschaft für alte Loks fröhnen.
Im Zug lernen die beiden den spanischen Rucksacktouristen Carlos (Eduardo Noriega, bekannt aus "The Devil´s Backbone") und dessen freiheitsliebende Begleiterin Abby (Kate Mara) kennen, mit denen man auch schon bald ins Gespräch kommt und in feuchtfröhlicher Runde im Zugrestaurant so einige Gedanken austauscht. Nach einem Zwischenstopp verpaßt Roy seinen Zug und die sorgenvolle Jessie beschließt, an der nächsten Station auszusteigen und auf ihren Freund zu warten, der mit dem nächsten Zug erwartet wird. Carlos, der heiss auf Jessie ist, nutzt die Gelegenheit, seiner Angebeteten näher zu kommen und macht ebenfalls einen Zwischenstopp. Da es noch einige Stunden dauern wird, bis der Zug eintrifft, schlägt Carlos Jessie vor, einen Ausflug mit dem Bus ins sibirische Hinterland zu machen. Dort angekommen, fällt Carlos allerdings sogleich über Jessie her, die in Notwehr schließlich den Spanier tötet.
Völlig fertig trifft Jessie wieder am Bahnhof ein und findet Roy wieder, der tatsächlich im Anschlußzug war.
Jessie verschweigt Roy gegenüber ihre Tat und man setzt die Reise fort...
Bis zu diesem Punkt ist "Transsiberian" ein zwar etwas dialoglastiger, aber nicht uninteressanter Thriller, der recht geschickt mit seinen geheimnisvollen Charakteren spielt und entsprechend die Erwartungen beim Zuschauer schürt, dass so manche oberflächlliche Haltung der Figuren hier noch gewaltig ins Wanken kommen könnte. Insofern hat Anderson seine Hausaufgaben in Sachen "Do it like Hitchcock" ganz gut gemacht: Eine exotische Kulisse, Figuren, in denen es innerlich brodelt und die nicht sind, was sie zu sein scheinen, eine perfekte, klaustrophobische Krimihandlung in engen Eisenbahnabteilen (Erinnerungen an z.B. "Mord im Orient Express" werden recht schnell wach).
Nur leider, leider verliert der Film ab sofort merklich an Fahrt:
Ohne zuviel verraten zu wollen, entwickelt sich der Streifen, der bis jetzt vor allem an seinen Charakteren interessiert schien, zu einem Thriller von der Stange, was vor allem an der Figur des korrupten russischen Drogenfahnders Ilja (Ben Kingsley leider mal wieder in einer sehr klischeehaften Rolle) liegt, der plötzlich im Zug auftaucht.
Besonders im überraschend blutigen und actionreichen Finale merkt man allzu deutlich, dass es den Machern der spanischen Vorzeigeprokutionsstätte Filmax ("Transsiberian" ist eine europäische Produktion, an der auch Großbritannien und Deutschland mit Geldmitteln beteiligt sind) vor allem darum zu gehen schien, den Amis aus Hollywood zu zeigen, dass man aufwändiges Kino auch in "Good Old Europe" ganz gut hinkriegt.
Warum es dazu allerdings die Dienste eines Brad Anderson braucht, der mit dem trostlos-genialen Albtraum "The Machinist" einen Meilenstein hingelegt hat und , zumindestens mich, auch mit seinem "Masters of Horror"-Beitrag "Sounds like" voll überzeugen konnte, bleibt schleierhaft.
Sicher, in der 1.Hälfte überzeugt "Transsiberian" als zwar für Anderson-Verhältnisse einfach gestricktes, aber gut gespieltes und hervorragend gefilmtes "Thrill im Zug"- Figurenstück, und die technischen Aspekte (Kamera, Ausstattung, Schnitt) sind allesamt gehobene Klasse, aber man spürt einfach, dass hier weit mehr möglich gewesen wäre.
Warum werden Charaktere erst so ausführlich und mit interessanten, widersprüchlichen Facetten eingeführt, um sie in der Folge dann in unzähligen Klischeehandlungen (der heißblütige Spanier, der natürlich bei erster Gelegenheit über seine hübsche, selbstverständlich verklemmte, amerikanische, Reisebekanntschaft herfällt usw.) zu verheizen?
Fazit:
"Transsiberian" ist ein durchschnittlicher Thriller, der in seiner 1.Phase begeistert, und ansonsten v.a. mit den Schauwerten seines Handlungsortes punkten kann, den man ja sonst eher selten zu sehen kriegt.
Da es aber immerhin immer spannend bleibt, von mir noch knappe 6.5 Punkte.
(6,5/10)
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