Ryan Nicholson als talentfreien Stümper zu bezeichnen ist nach gerade einmal drei Filmen vielleicht ein wenig überzogen, doch manches mal reicht wirklich ein einziger Streifen aus, um auf ewig aus kritischem Betrachtungswinkel wahr genommen zu werden. Denn was Nicholson vor gut einem Jahr mit seinem Folterwerk "Live Feed" verbrochen hat, verschlug selbst eisenharten Fans des Genres die Sprache. Nur um möglichst widerwärtige Folterarien zu inszenieren, ließ Nicholson die Handlung des Werks völlig gegen die Wand laufen und steckte dabei nicht einmal Geld in die Gore-Szenen, so dass diese, trotz aller Härte, eher wie Kinderkram aussahen, und Genregrößen wie Tom Savini in den Selbstmord treiben würden. Nein, also nach "Live Feed" war der Regisseur jedenfalls zurecht schon bei den meisten Genre-Fans abgeschrieben. Doch Kohle hat er mit seinem Dreckswerk trotzdem gemacht, so dass er nun mit "Gutterballs" erneut eine Gore-Granate zündet, welche dieses mal als Hommage an die guten alten Slasherfilme gedacht ist. Und objektiv gesehen ist auch dieser Streifen Dreck. Doch oha, Spaß kann man an dem ganzen Ding durchaus haben.
Die Story von "Gutterballs" ist dabei schon einmal voll und ganz in die Slasherschublade zu stecken, denn in jeder Hinsicht bedient sich diese an den (zumeist eher schlechten) üblichen Gegebenheiten des Genres. Wieder einmal geht es um eine Gruppe von Teenies, die von einem wahnsinnigen Serienkiller heim gesucht wird. Dieses mal geschieht dies aufgrund einer häßlichen Vergewaltigung, welches eines der Opfer am Anfang über sich ergehen lassen muss. Und die Frage wer der ominöse Killer ist, welcher sich einfach nur BBK nennt und wer das Massaker überleben wird, beschäftigt die Figuren, bis sie selbst dem Killer zum Opfer fallen... und damit wirklich jedes auch noch so übliche Geschehen in einem Slasherfilm abbilden. Ja, "Gutterballs" hat storytechnisch wirklich nichts zu bieten, was nicht schon einmal da war, alles spielt sich in den bekannten Bahnen des Genres ab. Unlogisch und sinnfrei bis zum Exzess, sollte man am besten gar keine Erwartungen in dieser Hinsicht haben, denn sonst dürfte man "Gutterballs" gleich mit zu "Live Feed" in den Ofen werfen!
Und man sollte sich auch für die ersten gut 30 Minuten etwas zum ablenken besorgen, denn bevor "Gutterballs" zu seinen (durchaus fragwürdigen) Unterhaltungswerten gelangt, dauert es ein ganzes Weilchen. Nicht nur dass die Teenies hier wieder einmal blöd sind bis zum geht nicht mehr und außer Ficken und Spaß nichts, aber auch wirklich nichts, in der Rübe haben, stößt Nicholson mit einer scheußlichen Vergewaltigungsszene doch erst einmal ziemlich ab. Denn wie hier eines der Mädels gepeinigt wird, hat nun wirklich nichts mit Unterhaltung zu tun, was der Film aber definitiv sein will und somit völlig fehl am Platz wirkt. Ein solches Motiv kann man auch auf anderer Weise herbeiführen, weshalb man fast schon gewählt ist abzuschalten, zumal das Geplänkel Drumherum auch noch spürbar langweilig geraten ist. Kurzum, die erste halbe Stunde hier, kann man sich wirklich sparen.
Danach nimmt das Ganze allerdings doch noch Fahrt an. Zwar bleibt das Treiben immer noch auf seinem dreckigen Niveau, doch aus dem langweilligen Unterfangen entwickelt sich "Gutterballs" dann doch noch zu einer schön schmodderischen Splattersache, die vor allem mit seinen recht kreativen Morden, bei Slasher- und Splatterfans, überzeugen kann. Angefangen bei einem Mord an einem Pärchen, welches gerade in einer lustvollen 69er-Stellung an einander rummacht (Erstickungstod durch Schwanz im Mund inklusive) über die vollständige Aushöhlung eines Schädels in einer kaputten Wachsmaschine für Bowlingkugeln, bis hin zu einem Schädelfick-Tod (im wahrsten Sinne des Wortes) haut Nicholson mal wieder alle Arten der Perversität raus und verstrickt sie dieses mal zu einem wirklich amüsanten, wenn auch megatrashigen Fest für Fans abartiger Filmmorde. Zudem hat er dieses mal auch deutlich mehr Geld und "Talent" in die Kreation der Blutszenen gesetzt, so dass die schludrige Vergiessung aus dem Vorgänger in Vergessenheit gerät. Das wir hier in Deutschland offiziell nur 15 Minuten weniger davon sehen dürfen, ist jedenfalls kein Wunder.
Und auch in Sachen Atmosphäre kann man bei "Gutterballs" ab und an etwas finden. Es ist zwar nicht viel, aber hier und da blitzt dann doch mal so etwas wie Spannung auf und der Klang, wenn BBK wieder einmal einen Teenie zur Strecke gebracht hat und dieses auf dem Anzeigenbildschirm erscheint, erinnert sogar ein wenig an die genauso minimalistischen wie genialen Züge eines John Carpenter-Scores. Sowieso soll der Film ja auch als Hommage an die guten alten 80er-Jahre-Slasher gelten, was aber dann unterm Strich doch nur sehr bedingt als solches angesehen werden kann. Aber immerhin, für massig Blut und ein klein wenig knisternde Spannung ist dann in der letzten Stunde doch gesorgt.
Grausig allerdings die Darstellerleistungen, welche die Leistungen der Schauspieler in früheren Slashern wie Oscarleistungen wirken lässt. Wo nimmt der Regisseur nur all diese Flachpfeiffen her, die er immer wieder für seine Filme verpflichtet. Auch hier kann wirklich keiner des Ensembles auch nur im Ansatz schauspielern, alle wirken wie die schlimmsten Amateure, die nicht einmal ihre Dialoge fehlerfrei aufsagen können. Sollten die grausigen Leistungen auch als Hommage gedacht sein, dann ist zumindest dieser Punkt wirklich höllisch misslungen.
Fazit: Nach "Live Feed" liefert Regisseur Ryan Nicholson erneut ein 90 minütiges Drecksprodukt ab, welches aber dieses mal doch erstaunlich unterhaltsam geraten ist, sofern man die öden und eher abstoßenden ersten 30 Minuten außer acht lässt. Die Story ist zwar, logischerweise, ziemlicher Mist, doch die blutigen und durchaus auch kreativen Morde, sowie das immer wieder mal kurze Aufblitzen von Spannung und Atmosphäre, hätte man von dem Regisseur nicht erwartet. Auch wenn das Ganze dennoch meilenweit weg von einem guten Film ist und die Leistungen der Darsteller mal wieder allesamt in Tonne schauspielerischen Abfalls gehören, so kann man sich als Genrefan hiermit doch einen einigermaßen soliden Splatterabend machen. Nicht ganz ohne Ärger, aber immerhin mit etwas (zugegeben ziemlich fragwürdiger) Laune!
Wertung: 5,5+/10 Punkte