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eXistenZ - Du bist das Spiel (1999)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 30.01.2003, seitdem 1356 Mal gelesen


Cronenberg is back!
Zwar mit einem Mini-Budget, dafür aber mit einem recht reifen Drehbuch, das eine typische Twilight-Zone-Situation in all ihrer Bizarrheit durchspielt.

Ausgangspunkt der Handlung ist die Präsentation von "eXistenZ", dem neuen Virtual Reality-Spiel der Spieledesignerin Allegra Geller. Dazu gibt es eine halb mechanische, halb organische Spielekonsole, durch die der Spieler, verbunden durch einen halborganischen Bio-Port in seinem Rückenmark, in die Spielwelt eintaucht und dort Abenteuer zu bestehen hat. Als ein Attentäter die Versammlung sprengt, fliehen Allegra und ein Aufseher mit dem Spiel und probieren es auch, um seine Funktionen zu kontrollieren.

Großes Geld hat Cronenberg nicht gehabt, deswegen ist dieser Film auch arg karg inszeniert, mehr wie ein Road Movie, denn wie das dabei zu erwartende Effektspektakel. Selbst das Eintauchen in die Spielrealität wird nur mit marginalen Mitteln visualisiert: man agiert einfach so weiter wie bisher, muß aber halt gewisse Dinge tun oder sagen, weil man sonst festhängt. Das hindert das Buch nicht daran, zunehmend die Spielrealitätsebenen zu vermischen, sie skuriler zu machen, bizarrer und widerwärtiger, wie das Versetzen in eine Fabrik, in denen man mutantenähnliche Zuchtgeschöpfe ausschlachtet, um dadurch die organischen Komponenten für die Konsolen zu gewinnen.

Wer man ist und wer man vorgibt zu sein, ist dann auch der größte Spannungsmacher des Films, der seinen Suspense aus der leisen Unwirklichkeit der Handlung bezieht, die immer nur einen halben Schritt an der Normalität vorbei ist. Ein manchmal so zaghafter, wie angeschraubt sich bewegender Jude Law und eine wie ständig weggetreten agierende Jennifer Jason Leigh unterstützen dieses Gefühl noch zusätzlich.

Cronenberg führt seine eigenen Visualisierung rund um die Verformung und Verschmelzung organischer Materie, dem "neuen Fleisch" damit fort. Die organischen, wie unförmige Sexspielzeuge aussehenden Konsolen sind gleichzeitig niedlich und abstoßend, das Setzen des Bioports ins Rückenmark wirkt beunruhigend und das Einstöpseln semiorganischer Komponenten, die sich durch den Port in den Körper pflanzen läßt einen um so mehr schütteln, weil das Geschehen im Piercingzeitalter bei der kargen, realistischen Weltsicht des Films so natürlich erscheint.

Das Ende kann man zwar kommen sehen, suggeriert es dann aber doch einen fiebrigen, eventuell nicht enden wollenden Alptraum, auf den dann nicht näher eingegangen werden soll. Alles steuert auf diesen Schluß hin, doch als er dann tatsächlich kommt, ist er nicht weniger beängstigend.
"eXistenZ" ist "The Matrix", mit einem Homevideobudget hergestellt. Nicht so berauschend visualisiert, aber viel mehr an die Nieren gehend. Der Mann kanns immer noch! (8/10)


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