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Street Kings (2008)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 26.04.2008, seitdem 1802 Mal gelesen


Basierend auf seiner eigenen Kurzgeschichte „The Night Watchman“ arbeitete Starautor James Ellroy in Kooperation mit Kurt Wimmer das Script zu David Ayers neuem Film „Street Kings“ aus.
In klassischer Ellroy-Tradition gehört Detective Tom Ludlow (Keanu Reeves) zum abgefucktesten, was das LAPD zu bieten hat: Schon zum Frühstück knallt er sich den Wodka rein, seine Aufträge sind Himmelfahrtskommandos und die Verdächtigen werden nicht am Leben gelassen. Schön zu sehen in der absolut furiosen Eingangsszene, in der Tom ein paar Kidnapper stellt und sich vorher als Waffenhändler ausgiebt – ein fantastischer Auftakt, an den der Rest vom Film leider nicht mehr herankommt.
Toms Alleingänge werden von seinem Chef Jack Wander (Forest Whitaker) jedoch nicht sanktioniert, sondern gar begrüßt ob der Resultate. Weniger erfreut sind Toms Ex-Partner Terrence Washington (Terry Crews) sowie Captain James Biggs (Hugh Laurie) von der Internen, der Terrence auch über Tom auszuhorchen scheint. Wie bei so vielen Ellroy-Werken bilden Korruption und Gesetzesverstöße eine Art internes Regelsystem, dem der Polizeiapparat größtenteils folgt – Denunzianten und Cops, die andere Cops verfolgen, sind da unerwünscht.

Aus diesem Grund beschließt Tom seinen Ex-Partner zu verprügeln, doch läuft geradewegs in dessen Ermordung – ein als Supermarktüberfall getarnter Mordauftrag. Von seiner persönlichen Rachsucht getrieben, will Tom auch diese Kerle stellen – oder eher töten...
Dass Tom dabei auch in ein Wespennest stößt, kommt nicht unbedingt unerwartet, jedoch hätte man von James Ellroy doch irgendwie mehr erwartet: Der Kreis der Verdächtigen bleibt recht klein und schnell hat man an sich zwei zentrale Personen ausgemacht, die als Drahtzieher in Frage kämen – einer davon ist dann auch der böse Bube. Zwischendrin gibt es den einen oder anderen netten Twist, z.B. was die wahren Identitäten einiger Handlanger angeht, jedoch verläuft die Mordgeschichte dann doch relativ gradlinig und lässt etwas zu wünschen übrig, was die Komplexität angeht.

Das ist schade, denn im Grunde hat „Street Kings“ durchaus etwas zu bieten, vor allem was die Umsetzung angeht. Das Flair der Schattenseiten von L.A. fängt David Ayer schon recht atmosphärisch ein und die Dialoge mögen rüde sein, besitzen jedoch ihre Pointen (gerade das Streitgespräch zwischen Tom und den Kidnappern zu Beginn des Films). Zudem bietet Ludlow eine interessante Figur in seiner kaputten Weise, was der Film mit einer Backstorywound in Form einer toten Ehefrau erklärt – leider erfährt man etwas wenig über diesen Vorfall und etwas mehr Hintergrundgeschichte würde Toms Motivation noch besser erklären.
Gleichzeitig sollte man sich nicht vom Trailer täuschen lassen, denn „Street Kings“ ist kein Actionfilm – wenn es jedoch mal zur Sache geht, dann sieht man wieder, dass Ayer sein Handwerk beherrscht. Derbe Shoot-Outs und harte Nahkämpfe in der Tradition von „Training Day“ und Co. bestimmen das Feld; alles vielleicht nicht so spektakulär wie in richtigen Actionfilmen, jedoch wirklich hübsch umgesetzt.

Was „Street Kings“ dann schlussendlich das Potential nimmt, mehr als nur ein wirklich grundsolider Copthriller zu sein, ist das Finale. Relativ unerwartet wird die Chose dann aufgelöst und diverse Verdächtige in doch etwas enttäuschend kurzen Gefechten abserviert. Wenn Tom dann den wahren Drahtzieher stellt, so hält dieser erst mal minutenlange Monologe, die jedoch wenig hermachen, ehe dann die Entscheidung gefallen ist. Allenfalls der zynische Touch am Ende macht noch etwas her. *SPOILER* Tom darf seine Funktion als so genannte Speerspitze weiterhin ausüben. *SPOILER ENDE*
Den toughen Cop hat Keanu Reeves schon mal überzeugend gespielt – in „Speed“. Hier hingegen kämpft er sich weniger eindrucksvoll durch den Film, wieder ist es die Eingangsszene, in der seine Performance am besten rüberkommt. Auch von Forest Whitaker ist man mehr gewohnt, dafür zeigt Chris Evans endlich mal wieder eine überzeugende Leistung. Hugh Laurie macht als gerissener Fahnder der Internen eine hervorragende Figur und auch die Nebendarsteller (u.a. Jay Mohr und John Corbett) können sich sehen lassen.

Von einem James Ellroy Script hätte man mehr erwarten dürfen, zumal „Street Kings“ gegen Ende in unschönes Loch fällt. Schade um die gute Inszenierung, die packenden Actionszene und den großartigen Auftakt, aber mehr als solides Copthriller-Entertainment kam hier nicht rum.


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