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Babylon A.D. (2008)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 12.09.2008, seitdem 2250 Mal gelesen


„Babylon A.D.“ hatte es nicht leicht: Kassovitz war eh der Ansicht den zugrundeliegenden Roman „Babylon Babies“ habe man nur als Mammutwerk umsetzen können, seine schon verkürzte Version wurde von den Produzenten weiter verkürzt, ehe dann noch weiter gestraffter US-Cut angefertigt wurde, der zusätzlich auf PG-13 runtergeschnitten wurde.
Hierzulande darf man den Euro-Cut bewundern und der fängt schon recht ordentlich an. Toorop (Vin Diesel), seines Zeichens Söldner, wird bei seinem Alltagsleben vorgestellt. Mit cooler Hintergrundmusik wird er eingeführt und die Zeichnung seines Leben ist interessant, wenngleich reichlich zynisch: Als ihn Söldner beim Essen stören, knallt er deren Chef erst mal die Rübe weg, weil die beiden noch eine Rechnung offen haben.
Die Söldner bringen Toorop zu dem Gangsterboss Gorsky (Gérard Depardieu), der ein Angebot für ihn hat: Toorop soll die junge Aurora (Mélanie Thierry) mitsamt ihrer Nonnen-Beschützerin Rebecca (Michelle Yeoh) in die USA bringen – als Belohnung winkt die Einreiseerlaubnis ins gelobte Land. Kennt man schon aus zig vorhergehenden Sci-Fi-Filmen, jüngst z.B. „Children of Men“, der seine leicht abgegriffene Plotte zu einem wirklich spannenden, packenden Film zu wandeln wusste.

So verwundert es nicht, dass bald rivalisierende Truppen auftauchen, die Aurora kidnappen wollen. Zudem merkt Toorop, dass man ihm nicht alles gesagt hat – doch ein Job ist ein Job und die USA winken...
„Babylon A.D.“ wirkt wie der kleine Bruder von „Children of Men“, ist aber leider weitaus weniger spannend erzählt. Dabei hat die Jagd durchaus ihre Momente, vor allem bei der Schilderung der Lebens der Zukunft (u.a. die schräge Fahrt in Gorskys Limousinenpanzer oder die erschreckende Passage mit Rangelei um Plätze im U-Boot). Auch visuell erweist sich Kassovitz immer noch als starker Regisseur; gerade die Kameraarbeit ist wirklich toll und kann mit einigen dynamischen Fahrten punkten (wobei man nicht an die exzellente Kameraarbeit von „Children of Men“ heranreicht).
Doch leider ist „Babylon A.D.“ schlicht und einfach zu wenig spannend. Die Hintergründe der Chose ahnt man irgendwie schon, der Aufbau der Geschichte wirkt wie am Reißbrett geplant (eine größere Actionsequenz pro Drittel, fast stets gefolgt von irgendeiner neuen Erkenntnis für Toorop) und dramaturgische Fehlentscheidungen hemmen den Erzählfluss. Da wäre vor allem der schwere Fauxpas zu nennen, dass der Showdown bereits 20 Minuten vor Schluss stattfindet, danach aber nur noch uninteressantes Palaver passiert, gleichzeitig die böse Frau Oberfiesling scheinbar jedes Interesse an der so intensiv gejagten Aurora verloren hat. Es mag ein Versuch sein Elemente aus der Romanvorlage beizubehalten, doch auf rein filmischer Ebene zieht dies „Babylon A.D.“ leider bloß runter.

Auch als Endzeitactionfilm will sich „Babylon A.D.“ nicht verstanden wissen, dafür wird dann doch zu wenig krawallt. Doch die drei größeren Actionszenen, namentlich die Auseinandersetzung im Club (Cage-Fight inklusive), die Schneemobiljagd und der Showdown, sind immerhin recht wuchtig umgesetzt und bilden die klaren Highlights in dem sonst wenig packenden Treiben. Der erfreulich geringe CGI-Einsatz und die dynamische Inszenierung wissen zu gefallen, weshalb „Babylon A.D.“ als weniger ambitioniertes Actionvehikel vielleicht besser funktioniert hätte, wenn man der Romanvorlage eh schon nicht gerecht werden konnte.
Vin Diesel macht als charismatischer Klotz mit dem Herz am rechten Fleck eine überraschend gute Figur und hat mit Michelle Yeoh eine Partnerin an seiner Seite, die mit Blicken mehr ausdrücken kann als mit großen Worten. Gérard Depardieu macht aus seinen Szenen stets das Beste, während Charlotte Rampling recht verschenkt daherkommt, aber sich ganz solide aus der Affäre zieht. Bloß Mélanie Thierry ist wirklich schwach, stets mit dem immergleichen Blick eines verängstigen Rehs.

„Babylon A.D.“ ist ein Film, der weder wirklich schlecht noch besonders aufregend ist – er ist einfach durch und durch mittelmäßig. Die Action ist nett, steht aber nicht im Vordergrund, handwerklich ist dem Team nichts vorzuwerfen, doch die Geschichte kann einfach nicht packen und dramaturgische Klöpse wie das unbalancierte Ende tun ihr übriges.


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