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Was haben deutsche und amerikanische Touristen in alten, einsam gelegenen Maya-Tempeln in Mexiko verloren ? - Vermutlich nichts, aber für einen gelangweilten Grossstadtmenschen, der schon zwei Wochen Pool- und Strandleben mit Dauer-Cocktails und Spassberieselung hinter sich hat, kann ja etwas Abwechslung nicht schaden.

Und so begeben sich die US-Pärchen Amy (Jena Malone) und Jeff (Jonathan Tucker) sowie Stacy (Laura Ramsey) und Eric (Shawn Ashmore) gemeinsam mit dem Deutschen Mathias (Joe Anderson) auf den Weg in den mexikanischen Urwald, wo Mathias' Bruder Heinrich einen alten Tempel erforscht. Begleitet werden sie zudem noch von Dimitri (Dimitri Baveos), einem jungen Griechen, der als Bauernopfer prädistiniert ist.

Der Aufbau des Films hält sich an die gängigen Vorbilder, in dem es eine kurze Eingangssequenz gibt, in der sich für den Betrachter unbekannte Menschen in Lebensgefahr befinden, um danach die Protagonisten vorzustellen. "Ruinen" versucht gar nicht erst charakterliche Tiefe herzustellen, sondern verbleibt im Aussenraum, der junge, hübsche Menschen zeigt, die an Sex und Vergnügen interessiert sind. Kurze Irritationen, wie der Versuch von Amy, Mathias zu verführen, bleiben erfreulicherweise ohne pseudo-problematischen Tiefgang und haben auch für die weitere Story keine wesentliche Bedeutung.

Entsprechend unvorbereitet begibt sich die "Spaßgesellschaft" dann auch in den Urwald - als würden sie ein modernes Museum besuchen. Am Tempel angekommen, müssen sie dann schnell feststellen, dass die Ureinwohner diesen Spaß nicht teilen, und den Tempel von außen abriegeln. Als Dimitri sich auf den Anführer zubewegt, wird er kurzerhand erschossen, was den Übriggebliebenen vor Augen führt, dass es von diesem Ort kein Entrinnen gibt. Sie versuchen, es sich auf dem Dach des Tempels so einzurichten, dass sie durchhalten, bis die erhoffte Hilfe kommt.

Warum die Ureinwohner den Tempel nicht so abriegelten, dass die Touristen gar nicht erst bis zu diesem hätten vordringen können, obwohl deren Ankunft schon frühzeitig bemerkt wurde, bleibt unklar. Genauso verwundert es, dass die Protagonisten schon zurückgedrängt wurden, bevor sie den Tempel (und damit dessen pflanzliche Bewucherung) überhaupt berührt hatten. Hier wäre eine friedliche Lösung noch möglich gewesen. Und wenn die Ureinwohner schon so skrupellos sind, Dimitri zu erschießen, warum töten sie dann nicht gleich alle? - Sie hätten sich damit eine Menge Arbeit erspart.

Wie üblich, kann man sich einem Horrorfilm wie "Ruins" mit Fragen nähern, die dessen Unlogik in der Konstruktion der Gefahr schnell verdeutlichen. Was den Film wohltuend von anderen Werken dieses Genres unterscheidet, ist die Offensichtlichkeit, mit der hier ein trashiger, aber im Detail überzeugender und atmosphärisch dichter Film geschaffen wurde. Einmal auf dem Dach des Tempels angekommen, entwickelt sich der Horror ohne idiotische Verhaltensmuster der Protagonisten, ohne pseudo-philosophische Gespräche und ohne Gottes Hilfe anzuflehen.

Allein die mörderische Bedrohung ist schon Trash pur, aber gleichzeitig auch stimmig, angesichts des alten Maya-Tempels mit seinen verborgenen Geheimnissen. Da ist ja theoretisch alles möglich. Und so geht das Gemetzel seinen Gang, an dem die Protagonisten auch selbst ihren Anteil haben. Dabei fällt es positiv auf, dass gar nicht erst versucht wird, irgendetwas zu erklären und selbst ein naheliegender religiöser Überbau mit irgendwelchen uralten Rythen wird hier vermieden, so dass man in "Ruins" abwechslungsreich und ohne penetrante Nervigkeiten unterhalten wird. Mehr nicht, aber das ist doch schon was (6/10).

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