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Ruinen (2008)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 17.01.2009, seitdem 588 Mal gelesen
Nach filmisch verschwundenen Touris im Ostblock, Brasilien und dem amerikanischen Hinterland, nimmt sich „Ruinen“ nun dem Urlaubsziel Mexiko an.
Dort verbringt das amerikanischen Quartett Amy (Jena Malone), Jeff (Jonathan Tucker), Stacy (Laura Ramsey) und Eric (Shawn Ashmore) gerade seinen Urlaub, hat bisher aber noch nicht groß in Kultur. Da kommt das Angebot des Deutschen Mathias (Joe Anderson) gerade recht sich ein paar unerkundete Maya-Ruinen anzuschauen – fernab anderer Touris. Natürlich sind die Wege verbaut, Eingeborene gucken sie schief an, doch auf der Suche nach dem großen Abenteuer ignoriert man so was gerne. Spätestens seit „Hostel“ ist es allerdings Usus, dass die unerforschten Orte gefährlich sind und das Treffen keiner weiteren Touris sogar ein Nachteil.
Kaum an den Ruinen angekommen wird die Truppe von den Ortsansässigen attackiert und zum Bleiben in der ehemaligen Opferstätte gezwungen. Dort geht allerdings eine mörderische Macht um...
Bald kommt raus: Ranken sind die Täter, was vielleicht eine töfte Überraschung wäre, würde der Trailer es nicht bereits ausposaunen und die Eingangsszene es stark andeuten. Die Mörderranken verhalten sich ähnlich wie die besessenen Bäume in „Tanz der Teufel“, ihre Herkunft wird aber gar nicht erklärt. Im Trailer wird immerhin noch daraufhin gewiesen, dass es sich bei den Ruinen um eine ehemalige Opferstätte handelt. Das Verhalten der Pflanzen ist auch nicht ganz nachvollziehbar, da sie potentielle Opfer teilweise minutenlang herumtappen lassen, an andrer Stelle dann aber blitzschnell attackieren.
Doch nicht nur die Flora überschreitet die Grenze der entschuldbaren Logikfehler mehrfach, auch das putzige Touri-Grüppchen schießt sich diverse Böcke. Da lässt man einen Verletzten in der Nähe der Ranken liegen, obwohl diese ich bereits zweimal attackiert haben – auch wenn man ihn aus medizinischer Sicht nicht bewegen sollte, würde jeder halbwegs klar Denkende ihn woanders hin legen, da verschlechterter Zustand dem Exitus vorzuziehen ist. An andrer Stelle nähert man sich mit offenen Armen einer Durchgedrehten, obwohl diese bereits einen Freund verletzt hat – auch wenn Menschen in Überlebenssituationen unlogisch handeln, sind solche Eskapaden doch arg lächerlich.
Viele Böcke des Drehbuchs liegen freilich daran, dass man die lange Zeit dauernde Geschichte der Romanvorlage auf zwei, drei Tage verdichtete. Zudem wird nie klar, warum die Ortsansässigen sie in Quasi-Quarantäne halten, obwohl sie zu dem Zeitpunkt die Ruine noch gar nicht betreten haben, die Ranken also nicht verbreiten können. Zudem darf man sich über Klischees freuen, dem die Gruppen begleitenden Griechen könnte man das Wort Vornewegopfer direkt auf die Stirn tätowieren.
Und doch: Trotz all seiner Mängel hat „Ruinen“ etwas. Wenn die Pflanzen, auf deren Konto übrigens die wenigsten Toten gehen, mal in Aktion treten, dann ist meist für Spannung gesorgt, ihr Mimikry-Verhalten ist eine interessante Eigenschaft, die man in der Natur häufiger findet. Auch die Idee einer Bedrohungssituation im hellen Tageslicht unterscheidet „Ruinen“ von sonstiger Genreware und zwischendrin gibt es immer wieder schweißtreibende Szenen, z.B. die Suche nach dem klingelnden Handy innerhalb des Tempels.
„Turistas“ und „Saw IV“ zeigten, dass nach Folter und Verstümmelung nun auch Operationen im neuen Horrorfilm im Trend liegen, weshalb sich die blutigen Effekte hier vor allem Notamputationen und ähnliche Eingriffe beschränken – Jeff ist Medizinstudent. Rein qualitativ kann man an den FX nicht meckern, allzu vordergründig sind sie auch nicht, wenngleich es doch etwas seltsam ist Effekte ausgerechnet in Form von weggeschnippelten Beinen präsentieren zu wollen. Tadellos hingegen die Animation der Ranken.
Im Darstellerbereich ist wenig zu vermelden, halbwegs talentiertes Jungvolk darf Standarddialoge aufsagen und Schablonencharaktere darstellen, da ist kein Raum für Glanzleistungen, meist ist das Ganze allerdings zufriedenstellend. Kleine Ausrutscher sind dabei, unter anderem der aufgesetzte Akzent von Joe Anderson oder die Szene, in der Jonathan Tucker lautstark verkündet, dass vier amerikanische Touris nicht einfach so verschwinden.
Die Regie macht so einiges richtig bei „Ruinen“, schafft durchaus spannende Momente und eine stimmige Atmosphäre, doch dem Script kann man freiwillig weniger Lob aussprechen: Herbe Logiklücken, teilweise kaum nachvollziehbar handelnde Charaktere und schwache Dialoge – da kommt trotz guter Ideen nur noch geradeso Mittelmaß heraus.
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