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Die erfolgreiche TV Serie Rauchende Colts nahm ihren Ursprung zu Beginn der 50er Jahre als Radioshow, wo sie es auf über 400 Episoden brachte. Während im Fernsehen zunächst Drehbücher des Hörspiels verfilmt wurden, war Der Ritt zurück ein Script, welches ursprünglich fürs Radio geplant war und unter der Regie des vornehmlich im TV Bereich tätigen Allen H. Miner dann als Film umgesetzt wurde. Dies geschah im typisch amerikanischen Low Budget Western Stil, der in tausenden B-Produktionen anzutreffen ist. In Schwarz/Weiss reiten also eine Handvoll Figuren fleißig in der benachbarten Prärie um den Pudding, was man bei relativ nahen Einstellungen möglichst unauffällig durchbringen möchte.
Der aus der Radioserie als Sprecher und in unseren Breiten später vor allem durch seine Rolle als McCabe in der Serie Jake und McCabe bekannte William Conrad übernimmt als Sheriff Hamish die Aufgabe, den wegen Mordes angeklagten Bob Kallen, gespielt von keinem Geringeren als Anthony Quinn, in Mexiko aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Hier fällt zunächst auf, daß, um auf die knappe Spielzeit von etwa 76 Minuten zu erreichen, deutlich mehr Bilder der Reise zu Pferd zu sehen sind, als die Beschreibung dieser Tätigkeit erfordert hätte, zumal auch keine imposanten Landschaftsaufnahmen ein beachtenswertes Motiv bilden.

Bei der Ergreifung selber sorgt der örtliche Pater Ignatius (Victor Millan) für eine recht unorthodoxe Festnahme, die hörspielgerecht eher actionarm und wie der gesamte Film dialoglastig ausfällt. Seine Hilfe begründet er mit seiner Cousine Elena (Lita Milan), die ihrer Familie den Rücken gekehrt hat und mit Bob zusammenlebt. Leider dient diese nicht nur als feuriger Augenschmaus, sondern wird noch weiter als nervige Nebenfigur in zum Füllstoff überreizten Szenen verheizt.
Mit seinem Gefangenen reitet und reitet und reitet der Sheriff nun zurück, wobei die Feststellung des Grenzpostens (Jorge Treviño), daß Kallen entgegen seiner Behauptung er wäre Mexikaner, ein Gringo sei, unter Berücksichtung dessen, daß Anthony Quinn in Chihuahua geboren wurde, recht witzig ausfällt.
Erst im Mittelteil beginnt Der Ritt zurück nun spürbare Qualitäten zu entwickeln, als die Gespräche zwischen Kallen und Hamish über Bettelei zur Freilassung hinausgehen. Als sich die Auseinandersetzung jedoch mit Tendenz zu Fluchtversuchen hochzuschaukeln beginnt, erhaschen versoffene Apatschen die Aufmerksamkeit. Kein Wort über die weißen Eindringlinge, die für diesen Umstand verantwortlich sein könnten. Ungeachtet der politischen Korrektheit sorgen die Indianer aber für eine erhöhte Brisanz, da sie die Weißen zu bedrohen und auch in einer im Umfeld befindlichen Behausung eine Familie gemordet zu haben scheinen.

Hier beginnt dann tatsächlich auch der erste Eindruck umzuschlagen, der Bob Kallen als Frauen schlagenden Rüpel wirken ließ, dessen Beweggründe sich so einfach zu ergeben vollkommen unklar blieben. Nun beginnt dieser Herz zu zeigen während Sheriff Hamish seine Schwächen durchscheinen läßt, die ihn zu seinem Pflichtbewußtsein und mangelnder Empathie treiben. So können sich die beiden Figuren tatsächlich bei nur scheinbar schwindendem Mißtrauen erstmalig annähern. In zunehmend lebensbedrohlicher Situation aufeinander angewiesen schafft die Darstellung in Der Ritt zurück allerdings niemals den Sprung zu einer wirklich tiefschürfenden psychischen Analyse. Es handelt sich mehr um gut bürgerlich durchgekochte Hausmannskost, die etwas kürzer eine super Folge in einer TV Serie gegeben hätte.
Für sich stehend ist ein Western mit diesen Ansätzen sicherlich nicht die falscheste Wahl. Ein paar unterhaltsame Minuten finden sich auch hier. Im Schatten vom deutlich vorzuziehenden, wesentlich mächtigeren Nackte Gewalt muß sich Der Ritt zurück seine zu schmalbrüstige Gesamtpräsenz jedoch vorwerfen lassen, weshalb sich dieser Film nur als Konsumgut für beinharte Genrefreunde eignet. Diese erfreuen sich dann auch besonders an der von Eddie Albert gesungenen Titelhymne 'Long Ride Back', die Bundyfans ein wenig an Psycho Dad erinnern könnte.

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