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Gehetzte der Sierra Madre, Der (1966)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 02.11.2009, seitdem 358 Mal gelesen


Leone kennt jeder, Corbucci ziemlich viele, doch der dritte der großen Sergios des Italo-Western ist weniger bekannt: Sollima, der vor allem drei prägende Filme dieses Genres drehte, wobei „Der Gehetzte der Sierra Madre“ der erste ist.
Der Zuschauer darf jedoch nicht direkt dem Gehetzten folgen, sondern dem Häscher, dem Kopfgeldjäger Jonathan Corbett (Lee Van Cleef). Selbiger ist zwar etwas angegraut, aber immer noch der Beste seines Faches. Doch man versucht ihn zu überreden sich zur Ruhe zu setzen und stattdessen in die Politik zu gehen. Der Wilde Westen ausnahmsweise mal nicht als rechtsfreier Raum? Tatsächlich beschäftigt sich „Der Gehetzte der Sierra Madre“ mit einer Art von feiner Gesellschaft, die inmitten des Westens entsteht, in deren Mitte Corbett immer ein wenig wie ein Relikt aus alten Tagen wirkt.
Doch während die feinen Herren noch lustig Wahlveranstaltung feiern, wird ein junges Mädchen vergewaltigt und ermordet. Als Schuldigen präsentiert man Corbett den Mexikaner Manuel ’Cuchillo’ Sanchez (Tomas Milian), der zu der Gattung der lustig-lockeren Schurken des Italowestern gehört (ähnlich z.B. wie der Hässliche in „Zwei glorreiche Halunken“). Da ahnt man schon, dass dieser vergleichsweise harmlose Schurke vermutlich kein solch abscheuliches Verbrechen begangen hat, Corbett kennt Cuchillo aber noch nicht.

Also verfolgt er den gewitzten Mexikaner durch den Westen, doch der Gehetzte entkommt ihm immer wieder. Bei der sich entspinnenden Jagd kommen auch Corbett langsam Zweifel an Cuchillos Schuld...
Die Leistung von „Der Gehetzte der Sierra Madre“ besteht vor allem darin, gleichzeitig ausgesprochen locker und humorvoll, aber auch politisch engagiert zu sein. Gerade die politischen Hintergründe, vor allem mit Blick auf Corbetts Auftraggeber können gut als Spiegel der korrupten italienischen Politik dienen, in der Vetternwirtschaft und das Suchen von Sündenböcken dominieren, damit die wahren Schuldigen ungestraft davonkommen. Sollima präsentiert Cuchillos Schurkentum und Corbetts raue Form der Selbstjustiz als immer noch bessere Formen des menschlichen Daseins, was durchaus kritisch zu lesen ist.

Gleichzeitig legt Sollima seinen Film allerdings nicht als belehrend oder moralinsauer an, sondern präsentiert einen ausgesprochen witzige Italowestern, der vor allem von den Betrügereien und Streichen Cuchillos lebt, der sich gewitzt durchs Leben mogelt und seine Verfolger liebend gern verarscht. Sicher hat das Ganze auch wieder eine moralische Komponente, denn da die Weißen die Mexikaner als Menschen zweiter Klasse behandeln, bleibt ihm auch kaum eine andere Möglichkeit sich zu behaupten.
Tomas Milian spielt diesen Charakter dann auch mit ebensoviel Witz und Charme, dass der Humor auch funktioniert, wobei er wunderbar von dem reduziert spielenden Van Cleef ergänzt wird. Der coole Killer mit dem lakonischen Humor auf der einen Seite, der gewitzte, lebenslustige Strauchdieb auf anderen; dazu noch ein schön zusammengecastetes Nebendarstellerensemble, das wunderbare Unterstützung leistet.

Sollimas Film kann zudem auch einen schönen Batzen an Schauwerten bauen, wobei nicht unbedingt die Duelle gemeint sind. Jene sind ziemlich spannend in Szene gesetzt und warten mit interessanten Paarungen (Pistole vs. Messer, Pistole vs. Scharfschützengewehr) auf, jedoch ist „Der Gehetzte der Sierra Madre“ weniger Shoot-Out-lastig. Dafür kann man sich über einen exzellenten Morricone-Soundtrack freuen, nette visuelle Einfälle auf Sollimas Seite und ein paar abgedrehte Ideen wie den preußischen Kopfgeldjäger.
Zur Leone-Klasse reicht es dann aber nicht ganz, denn dafür fehlt „Der Gehetzte der Sierra Madre“ ein wenig das Epische und die Geschichte ist hier und da etwas vorhersehbar. Zum einen weiß man als Zuschauer schnell, das Cuchillo unschuldig sein muss, zum anderen ahnt man, dass man den gewitzten Mexikaner erst kurz vor Schluss festsetzen kann und er so zwangsläufig aus jeder vorigen Gefangenschaft entwischt. Auch die Episode um die Rancherin mit dem hohen Männerverschleiß wirkt leicht überflüssig, doch all diese Kleinigkeiten stören nur unwesentlich.

So bleibt ein politisch ambitionierter und zugleich sehr humorvoller Italowestern mit zwei tollen Hauptdarstellern und einigem Einfallsreichtum. Die Geschichte hat zwar ihre kleineren Mängel, aber sehenswert ist „Der Gehetzte der Sierra Madre“ auf jeden Fall.


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