Apatow Produktionen hatten schon immer ein gutes Händchen für Alltagsprobleme. Nach den unfreiwilligen Folgen eines One-Night-Stands in "Beim ersten Mal" und dem Ende der Jugendzeit in "Superbad", kommt jetzt ein Thema auf die Leinwand, dass sicherlich auch Vielen vertraut sein dürfte - was soll man machen, wenn der Partner ohne Vorwarnung mit einem Schluss macht ?
Nun sind solche Themen natürlich nicht neu, aber die Macher um Apatow entwickelten eine originelle Umsetzung, indem sie abstrus, verrückte Geschichten mit einem realistischen Szenario mischten. Dadurch nahmen sie den Geschichten eine zu grosse Ernsthaftigkeit, blieben aber trotzdem so authentisch, dass man sich problemlos in die Situation der Protagonisten einfühlen konnte. Auch die Geschichte um Peter Bretter (Jason Segel) hätte das Zeug dazu gehabt, denn als ihm seine hübsche Freundin Sarah (Kristen Bell) den Laufpass gibt, fällt der junge Komponist aus allen Wolken.
Das der Anblick seines Penis bei der Trennungsszene für die Lacher sorgt, steht noch in der Apatow-Tradition, aber das was Nicolas Stoller in seiner ersten Regiearbeit dann aufzieht, hat mit dem differenziert, witzigen Blick von "Superbad" oder "Beim ersten Mal" nur noch wenig gemeinsam. Das beginnt schon bei den Charakteren, die in "Forgetting Sarah Marshall" sofort aufzeigen, wohin die Reise geht. "Beim ersten Mal" hatte noch verdeutlicht, dass man Yuppies, Kiffer, Loser und Ergeizlinge schön klischeehaft miteinander vermischen kann, ohne zu sehr der Einseitigkeit zu verfallen. Auch "Superbad" konnte den bekannten Schul-Stereotypen andere Seiten entlocken, wodurch sich der Film wohltuend von üblichen Komödien dieses Genres unterscheidet.
Dagegen ist "Nie mehr Sex mit der Ex" viel näher an den Werken der Farelli-Brüder, ohne jemals deren subversiven Witz zu erreichen. Denn die Charaktere sind an Eindimensionalität nicht zu übertreffen. Sarah ist Schauspielerin in einer debil, effekthascherichen Krimiserie, worauf sie sich eine Menge einbildet. Peter ist dagegen ein engagierter Komponist, der bisher zwar noch die Musik zu Sarahs Serie schreibt, darüber aber unglücklich ist und deshalb heimlich an einer originellen Puppenoper schreibt. Man kann sich die Beiden nur schwerlich zusammen vorstellen, aber das spielt im Film auch keine Rolle, da er glücklicherweise mit ihrer Trennung beginnt.
Das die sehr blonde Sarah schon einen neuen Lover hat, überrascht auch nicht. Genausowenig, dass es sich dabei mit Aldous Snow (Russel Brand) um einen überdrehten Rock-Star handelt, der zwischen Sex-Gier und soft-weinerlichen Statements pendelt. Russel Brand macht seine Sache dabei keineswegs schlecht und ist die einzige Person, die ihrer Rolle satirische Elemente abringt, aber den voraussehbaren Werdegang kann er damit leider auch nicht verhindern. Denn als Peter auf Hawaii eintrifft, wo er auf Rat seines Stiefbruders Brian (Bill Hader) Sarah vergessen soll, begegnet er gleich der süssen Rachel (Mila Kunis), die praktischerweise am Hotelempfang arbeitet. Diese kann nicht nur optisch mit Sarah mithalten (damit Peter gar nicht erst ins Grübeln kommt), sondern ist noch eine verhinderte Studentin, die wegen einer unglücklichen Liebe auf Hawaii gelandet ist . Kurz - sie ist attraktiv, Single und intellektuell.
Auch die früheren Filme der Apatow-Macher waren in der Storyentwicklung nicht überraschend, aber sie machten etwas aus den Charakteren. Das Peter, dessen tolpatschig, gutmütige Art im Lauf des Films mehrfach betont wird, zu Beginn reihenweise die Frauen vernascht, ist schlicht unglaubwürdig und verschenkt das Gefühl des Frustes, das in "Superbad" oder "Beim ersten Mal" trotz allen Witzes auch unterschwellig mitschwang. Dazu bedient die Idee, dass Peter auf Hawaii ausgerechnet seine Ex samt Lover im selben Hotel trifft, billigste Komödienmuster, so dass der Film in seiner ersten Hälfte hauptsächlich wie eine alberne, ungeordnete Farce wirkt, anstatt glaubwürdig und witzig das eigentliche Thema anzufassen.
Das Thema des Verlassenwerdens spielt auch im weiteren Verlauf des Films keine wesentliche Rolle mehr, da die Lösung des Problems ja schon seit Beginn offensichtlich ist - schaff dir einfach eine neue Freundin an, die noch hübscher ist und die dazu besser zu dir passt. Das leuchtet irgendwie ein.
Trotzdem nimmt der Film zusehends Fahrt auf, weil die Macher sich jetzt auf ein übliches, aber durchaus komisches Komödienmuster konzentrieren. Die Geschmacklosigkeiten nehmen ab und die Eifersucht der Ex zu. Es kommt zu Zickereien zwischen den Frauen, Streitigkeiten zwischen dem bisher so harmonischen Liebespaar, deutlicher Werden der schlechten charakterlichen Eigenschaften auf der einen und der guten auf der anderen Seite, um Missverständnisse, Enttäuschungen usw. usw. - im Detail mit einigen wirklich komischen, auch entlarvenden Szenen, im Grossen das bekannte Muster.
Natürlich kann "Forgetting Sarah Marshall" gut unterhalten und auch für einige Lacher sorgen, aber es fehlt die konsequente Linie. Der Film nimmt seine Ausgangsposition nicht wirklich ernst, Hauptdarsteller Peter wird zwar mit Loserattributen versehen, hat aber außer in wenigen kurzen Momenten keine Probleme damit und reißt selbstverständlich die schönsten Frauen auf. So abgedreht der Humor teilweise ist, so wenig Ironie ist bei Peters Liebesabenteuern - besonders mit der schönen Rachel - zu spüren. Denn hier wird der Film plötzlich ganz ernst und landet im sicheren Hafen der romantischen Komödie (4,5/10).