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Schindlers Liste (1993)

Eine Kritik von Thurgod (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 04.03.2005, seitdem 1531 Mal gelesen


Steven Spielberg, seines Zeichens Jude, verwendete 1993 die Ereignisse um den deutschen Industriellen Oskar Schindler, um ein Zeitdokument des dritten Reiches anzufertigen, dessen Schwerpunkt auf der Deportation der polnischen Juden aus Krakau ins Ghetto und später ins Konzentrationslager liegt.

Chauvinist und Geschäftsmann Schindler (gespielt von Liam Neeson) macht sich in den späten 30ern die Gunst der Stunde zunutze. Er schmeichelt sich in höchsten SS-Kreisen ein und verschafft sich dadurch wertvolle Verbindungen nach oben – um durch Juden schnell an sehr billige Arbeitskräfte heranzukommen. Als das Krakauer Ghetto 1943 geräumt und die Juden ins KZ verschleppt werden, beginnt Schindler zu begreifen, mit welcher Grausamkeit und Willkür die SS unter der Führung des zuständigen Kommandanten Amon Göth (Ralph Fiennes) gegen die Juden vorgeht, und so versucht er zunehmend intensiver, die Juden für seine Emaillefabrik zu gewinnen, damit diese den Grausamkeiten der Nazis zumindest teilweise entgehen können – zur Unfreude seiner vormaligen guten Kontakte. Als die letzten Züge nach Auschwitz abfahren, in dem auch seine Arbeitskräfte sitzen, wagt er eine gefährliche Aktion und kauft 1000 Juden frei...

Eine Kritik über diesen Film zu schreiben ist wie auf rohen Eiern zu laufen. Gerade als Deutscher fällt es einem mit Sicherheit schwierig, dieses Thema anzupacken und dabei auch noch kritische Untertöne aufkommen zu lassen. Die Geschichte um Schindler ist ehrbürtig inszeniert und lobt die Menschlichkeit des einzelnen trotz vormaliger Nazi-Sympathisierung enorm. Der Charakter des Schindler wird zudem sehr genau beleuchtet, so auch sein Werdegang zum erfolgreichen Geschäftsmann und auch seine privaten Vorlieben. Und genauso nimmt sich der Film auch Zeit, zu verbildlichen, wie der Mann, der kühle, berechnende und lässige Geschäftsmann mehr und mehr durch die Gräueltaten der Nazis aufgerüttelt und schockiert wird, wodurch auch sein Einsatz für die Juden mit zunehmend mehr Herzblut von statten geht. Die Schauspieler machen ihre Sache ausgezeichnet und spielen sehr authentisch – und so leite ich zu meiner Kritik am Film über:
Ich fragte mich, warum für viele SS Offiziere auch deutsche Schauspieler genommen wurden – so sind in Minirollen zum Beispiel Friedrich von Thun und Ludger Pistor zu sehen. Und zunehmend fällt es einem im Film dann auf, worauf es Spielberg anlegt – zum einen setzt er den Deutschen einen Spiegel ihrer Vergangenheit vors Gesicht und klagt rabiat die damaligen Geschehnisse an, auch mit der Prämisse, sein Haupt dafür ja nie wieder nach oben zu heben. Zum anderen linst er jedoch mit seiner Darstellerriege, dem handwerklichen Großaufgebot und der rührseligen Melodie noch ganz woanders hin, nämlich in Richtung Oskarverleihung. Wenn man einen solchen Film dreht, der mit Sicherheit nicht billig war, dann ist es einem bestimmt nicht Genugtuung wenn fortan jeder Deutsche schon wieder mit ehrfürchtigem Schweigen umher rennt – dann will man neben Respekt und Anerkennung für sein Werk auch fürstlich entlohnt werden. Und ich finde es einfach widerlich, wie offensichtlich Spielberg das in diesem Film tut. Auch wenn er handwerklich gelungen ist, hätte er moralisch doch durchaus zu stillerem Kaliber greifen können – mit tugendlicher Bescheidenheit hätte er sicherlich einen besseren Eindruck hinterlassen können.

Fazit: als Film sicherlich von hoher Güte, aber das Niveau der moralischen Vergegenwärtigung stinkt zum Himmel. Es stimmt mich keineswegs nachdenklich oder traurig, einen solchen Film gezeigt zu bekommen, sondern nur noch zornig, auf welche Art und mit welchem Hintergrund das Thema aufbereitet ist. Danke für dieses Mahnmal, Herr Spielberg. Wir wissen bescheid.

P.S.: Auch ich möchte an dieser Stelle noch bekunden, daß ich Hitlers Taten und Faschismus in jeder Form verabscheue.


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