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I wie Ikarus (1979)

Eine Kritik von The Pub Landlord (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 05.09.2010, seitdem 254 Mal gelesen


1979 geland dem französischen Regiesseur Henri Verneuil ein vielleicht noch größerer Wurf als Costa-Gavras mit den ähnlich gelagerten "Z" etwa 10 Jahre zuvor. "I... comme Icare" beginnt, stark, wird besser und endet brilliant.

Der Präsident eines fiktiven Staates fällt einem Attentat zum Opfer. Eine Untersuchungskommission wird eingesetzt und kommt zu dem falschen Schluss, dass es sich beim Attentäter um einen geistig gestörten Einzeltäter handelt. Generalstaatsanwalt Henri Volney (überzeugend nüchtern von Yves Montand dargestellt) weigert sich den Abschlussbericht zu unterschreiben und stellt eigene Ermittlungen an.

Die erste Hälfte des Films beschäftigt sich vornehmlich mit der Feststellung des bisher falsch dargestellten Tathergangs. Durch die Ermittlung und das Verhör möglicher Zeugen, von denen - wie sich herausstellt - alle bis auf einen eines unnatürlichen Todes starben, soll dies nun richtig gestellt werden.

Verneuil inszeniert diese Handlungsablüfe in einer selten gesehen Stringenz. Die hierbei ohnehin schon steile Spannungskurze steigt mit der Ausfindigmachung des Zeugen bis hin zu seiner Überführung geradezu exponentiell an. Man könnte fast der Meinung sein, Verneuil führe seinen Film zu früh auf den Höhepunkt. Doch weit gefehlt: er zaubert ein Ass nach dem anderen aus dem Ärmel.

So wird das Verhör des Zeugen mit einer cleveren Parallelmontage dramaturgische verfeinert, die dem Zuschauer einen Wissensvorspung gegenüber dem Ermittler vorgaukelt, im Endeffekt aber den Plot anreichert. Im dann folgenden Besuch Volneys bei einem Psychologieprofessor konfrontiert der Film die Zuschauer mit einer psychologischen Frage, auf der im Ernstfall wohl die politische Sicherheit eines ganzen Staates beruht: Wie weit geht der menschliche Gehorsam? Die Intensität dieser fast halbstündigen Szene geht weit über bloßes Unterhaltungskino hinaus. Auch Volney muss feststellen, dass er quasi unfreiwillig Teil des findig ausgeklügelten Experimnts wird. Dem Zuschauer geht es dabei nicht anders. Schlichtweg: viel effektiver als in dieser Szene können Filme nicht werden.

Morricones Score trifft dabei genau so ins Schwarze wie die Außenaufnahmen, die in ihrer Undeutbarkeit die Fiktionalität des Films unterstreichen - kein Eiffelturm, kein Piccadilly Circus, keine Frauenkirche, sondern nur anonyme Hochhäuser.

Die finale halbe Stunde macht dem Titel des Films dann auf verbfüffend einfache Art und Weise gekonnt Ehre. Ohne Zweifel: "I... comme Icare" ist ein Referenzwerk.


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