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Truman Show, Die (1998)
Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 02.06.2006, seitdem 185 Mal gelesen
Wieder einer jener Filme, die zwar sehr gut und tiefsinnig sind, aber möglicherweise wegen dem Hauptdarsteller im Abseits landen – absolut zu Unrecht.
Peter Weir ist nicht erst seit gestern dafür bekannt, gute und tiefsinnige Filme zu drehen, die einen sowohl intellektuell ansprechen als auch ein breites Publikum bewegen können. So ist sein „Club der toten Dichter“ beispielsweise ein kleiner moderner Klassiker und so gilt sein „Fearless“ als der vielleicht intelligenteste Katastrophenfilm bis dato.
Peter Weir ist auch bekannt dafür, Schauspieler eigentlich gegen ihr Image zu besetzen, Robin Williams, Jeff Bridges und nun auch Jim Carrey laufen bei ihm erst zur Hochform auf.
Der Film steht und fällt mit Jim Carreys differenziertem Spiel, alles ist – genau wie die Fernsehsendung, dessen ahnungsloser Hauptdarsteller und Opfer Jim Carrey gleichzeitig spielt – auf ihn zugeschnitten.
Dabei spielt Jim Carrey voller Innbrunst und gerade leise genug, dass man fast schon erstaunt den Kopf schütteln muß: Ist das derselbe Schauspieler, der so maßlos übertrieben Ace Ventura, Cable Guy, Dumm und Dümmer und der Maske seinen Stempel augedrückt hat?
Ohne Zweifel, das Gesicht ist dasselbe, aber der Darsteller ist ein völlig anderer. Mit absolutem Bravour meistert Carrey diese Anforderung und zeigt – nicht das letzte Mal – dass er in seinen einschlägigen Filmen nicht nur eindeutig unterfordert, auch eigentlich nur noch in eine Schublade gesteckt wird, aus der es für ihn immer schwieriger zu werden scheint, auszubrechen.
Auch der Rest der Schauspieler agiert recht souverän, allen voran Laura Linney, die eine beängstigende Performance als Trumans Serien-Ehefrau hinlegt, ist besonders hervor zu heben. So kommt heraus, dass sie die ganze Zeit über Liebe zu Truman vorgaukeln muß, weil es die Rolle von ihr verlangt, obwohl sie so gar nichts für ihn empfindet oder ihn auch gar nicht richtig mag oder kennt.
Es ist schon verstörend zu sehen, dass prinzipiell niemand auch nur einen Pfifferling auf Trumans Charakter setzt und auch nicht gelernt hat, ihn zu respektieren oder auch nur zu mögen. Er ist und bleibt für alle nur derjenige, auf dessen Rücken man sich bereichern kann, also darf der Goldesel nicht aufwachen.
Die Story an sich, so surreal sie anmuten mag, so böse, so verstörend ist sie teilweise, denn hier wird ein unbescholtener Mann gezeigt, der gar keine Kontrolle über sein Leben hat. Alles ist vorgeschrieben. Jeder seiner Versuche auszubrechen wird schon seit jeher im Keim erstickt. Dieser Mann droht seinen Verstand zu verlieren, weil er anscheinend grundlos paranoid zu werden droht.
Doch Weirs Regie begibt sich nicht auf den Pfad, den Zuschauer erst spät damit zu überraschen, dass Truman der Star einer Fernsehshow ist, er zeigt es von Anfang an, so dass der Zuschauer von Anfang an weiß, dass Truman nicht paranoid ist, eher das Gegenteil: Er ist nicht paranoid genug und kommt erst langsam nach dreißig Jahren dem Ganzen auf die Spur. Und selbst das gelingt nur Schrittweise und lediglich in Bruchstücken, Truman weiß bis zum Ende nicht, in welcher Situation er sich tatsächlich befindet.
Weir gelingt es durch diese Struktur seines Filmes, die gesamten Sympathien des Publikums auf diesen Underdog zu vereinen, denn wir wissen ja, dass er prinzipiell gar keine Chance hat, und es ist rührend zu sehen, mit welcher Verzweiflung er um seine Träume kämpft, die ihm in regelmäßigen Abständen immer wieder zunichte gemacht wurden und werden.
Alles an der Inszenierung ist minutiös geplant, wie eine Symphonie wirkt alles schön einstudiert und letztendlich kann sich Truman dem großen Apparat nicht widersetzen. Der Film bietet auch eine nicht zu verachtende Kritik am voyeuristischen Publikum dar, denn obwohl der Großteil der Zuschauer die Serie nur noch guckt, um zu sehen, ob er sich noch befreien kann, und alle es ihm auch gönnen, keiner würde auch nur einen Finger für ihn krumm machen.
Es gibt keine Grundsatzdiskussion in der Presse , ob Truman nicht seine Freiheit geschenkt werden sollte oder nicht, da er ein frei geborener Mensch ist.
Selbstbestimmung, ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft, wird – so scheint es - immer vernachlässigbarer.
Alles in allem ist die Truman Show ein Film, der ein bisschen zum Nachdenken anregen kann und sehr gut unterhält. Zwar wurde der Film positiv aufgenommen und war ein großer Erfolg - gerade auch bei diesem Thema - aber es gibt nach wie genügend Menschen, die diesen Film nur deshalb noch nicht gesehen haben, weil sie Vorurteile gegen Jim Carrey als Hauptdarsteller haben.
7 Punkte
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