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Trainspotting (1996)

Eine Kritik von Thurgod (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 06.01.2005, seitdem 762 Mal gelesen


Mit Trainspotting gelang Danny Boyle ein absolutes Unikat. Diverse Male versuchten andere, sich den Erfolg dieses Drogenfilms zunutze zu machen um ähnliche Werke zu drehen, doch bisher blieb dieses Werk unerreicht.
Es hat nicht einmal unbedingt eine zusammenhängende Story, sondern beleuchtet das vergammelte Leben diverser Junkies und ihrer Familien. Die Charaktere sind allesamt skurril und einzigartig, reichen von einem egoistischen, abgebrühten James-Bond-Fan über einen extrem aggressiven und gewalttätigen Alkoholiker bis hin zu einem zurückgebliebenen Nullchecker und einen an für sich doch recht anständigen Sportler, der erst im Laufe des Films den Drogen verfällt und sein Leben zum Fenster hinaus wirft.

Mal schwarzhumorig und sarkastisch, mal knallhart und einfühlsam beschäftigt sich der Film mit allem, was eine Heroinsucht so mit sich bringt – Sucht, Tod, künstliche Freude, Beschaffungskriminalität, die Entschuldigungen nach außen und so weiter, ohne daß eine äußerst harte Kritik an der modernen, "cleanen" Gesellschaft ausbleibt. Es entsteht ein durch die Bank weg unterhaltsames Potpourri aus verschiedensten Szenen, mitunter wie in einem Rausch gefilmt und äußerst nah bei der Wahrheit. Viele Szenen wurden zudem gekonnt surrealistisch mit der Kamera eingefangen, wer erinnert sich nicht an das Eintauchen in die beschissenste Toilette Schottlands oder den Entzug im Kinderzimmer mit an der Decke krabbelnden Säuglingen etc. Letztlich ist es jedoch das absolut perfekte Drehbuch, was jeden anderen Aspekt des Films in den Schatten stellen könnte. Hier kommen Wortwitz, Coolness und Intellekt zu einer einzigartigen Mischung zusammen, die bisher unerreicht blieb.

Verstärkt und abgerundet wird das Ganze durch einen exzellenten Soundtrack, der verschiedenste Musikstücke von Britpop (wirklich gutem!), Techno und Rock in sich vereint. Die Darsteller geben wahrlich ihr bestes und spielen die Rollen auch wirklich lebensnahe und geübt. Zudem bleibt der Film sehr nahe an der gleichnamigen Buchvorlage, ohne über die Zeit weg auch nur das geringste von seinem Unterhaltungswert zu verlieren – ohne dass er dabei auch nur die kleinste gerade Linie durchfährt. So entstand eine nicht immer kritisch zu nehmende, aber doch ernste Groteske über das Leben im Bodensatz. Für jeden Kenner ein absolutes Muss – nicht nur der Aufklärung wegen; dafür ist der Streifen nämlich eher weniger gedacht.


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