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Trainspotting (1996)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 08.05.2008, seitdem 701 Mal gelesen


Bereits mit dem Independent-Thriller „Kleine Morde unter Freunden“ hatte sich Danny Boyle eine gewisse Anhängerschaft geschaffen, doch den großen Durchbruch bedeutete dann „Trainspotting“.
Gleich zu Beginn tönt Iggy Pops „Lust for Life“ und genau jene leben Junkie Renton (Ewan McGregor) und seine Freunde hemmungslos aus. Süchten hängt jeder nach, für Renton und die meisten seiner Freunde ist es Heroin, für Kumpel Tommy (Kevin McKidd) ist es Sport und für Begbie (Robert Carlyle) ist eine Mixtur aus Alkohol, Zigaretten und Gewalt, die er allabendlich ausleben muss. Selbst bei den Bürgerlichen des Films findet sich dies wieder, die sich legalen Abhängigkeiten wie Fernsehsucht hingeben.
Als Off-Erzähler schildert Renton den Alltag der Clique, der jedoch zunehmend aus dem Ruder gerät. Lust for Life mag das Motto sein, doch ist dies bei diesem Lebensstil wirklich durchgängig möglich...

„Trainspotting ist mal wieder einer jener Filme, die sich äußerst schwer in ein Genre einordnen lassen, der Begriff der Groteske fasst Boyles Werk dabei sicher noch am besten. Denn grotesk und schräg ist die Inszenierung der Geschichte definitiv: Bei der Vorstellung der Clique werden Standbild und Namenseinblendungen benutzt, die Kamera benutzt skurrile Winkel und Fahrten (nicht nur bei Traumsequenzen) und der Versuch Opiumzäpfchen aus einem Klo zu holen mündet in einen surrealen Tauchgang – in klarem Wasser vorbei an einer Tauchmine. Jedoch wirkt die Inszenierung nie vordergründig oder übertrieben, vielmehr macht sie das Empfinden von Renton und Co. klar und spielt gleichzeitig mit der Wahrnehmung des Zuschauers.
In Verbindung mit Boyles schräger Inszenierung hat „Trainspotting“ viele humorvolle Momente. Schon allein Rentons Schilderung des Junkie-Daseins als harte Arbeit ist absurd witzig (Klautouren als Einnahmequelle und dergleichen), wunderbar abstrus auch die Episode in der Disco oder einige der Ausraster Begbies. Selten wirken Gags deplaziert wie in der Episode mit dem verschmutzten Bettlaken.

Mit zunehmender Laufzeit schlägt der Ton von „Trainspotting“ jedoch um, denn bald müssen die Junkies auch das Selbstzerstörerische ihres Lebensstils erkennen. Ein an Verwahrlosung gestorbenes Baby und ähnliche Schicksalsschläge sind alles andere als zum Lachen, zumal die hilflosen Süchtigen nur mit der nächsten Drogeninjektion auf derartige Probleme zu reagieren wissen. Jedoch bleibt „Trainspotting“ dabei noch sehr pessimistisch: Das Junkieleben kann nicht weitergehen, doch auch der Wechsel in ein kleinbürgerliches Leben wie Rentons Eltern es führen erscheint trostlos und leer.
Für zwei der Darsteller war „Trainspotting“ dann auch der Schritt zu größerer Bekanntheit: Ewan McGregor und Robert Carlyle. Letzterer muss in seiner Arschlochrolle vor allem grotesk sein, was er großartig hinbekommt, ersterer hingegen muss wirklich jede Lage von Renton überzeugend verkörpern und verdient dafür auch wirklich Anerkennung. Doch auch der Rest der Besetzung leistet durch die Bank weg Gutes, auch wenn der Film für keinen anderen soviel Erfolg brachte wie für Carlyle, McGregor und Boyle.

Vielleicht weiß „Trainspotting“ nicht immer ganz genau, was er eigentlich will oder zumindest wohin, doch wirklich sehr gut geworden ist Danny Boyles Drogengroteske zwischen Komik und Tragik auf jeden Fall – zumal er eine eigene Handschrift in einer Zeit hinbekam, in der die meisten Grotesken einfach nur dem Tarantino-Erfolg hinterherhechelten.


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