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Trainspotting (1996)
Eine Kritik von SonnyQ (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 23.04.2009, seitdem 328 Mal gelesen
Mit „Trainspotting“, der Verfilmung des Kultbuches von Irvine Welsh, hat Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionaire“) den wohl eindrucksvollsten Drogenfilm geschaffen, der heutzutage längst zum Kultfilm avanciert ist.
Der Film beschreibt eine Gruppe von Leuten am Rand der Gesellschaft, die meisten von ihnen Heroinabhängig. Die Drogenszene Edinburghs stellt in erster Linie den Schauplatz der Geschichte dar, in der Mark Renton (Ewan McGregor, „Moulin Rouge“) und seine Genossen ihre tristen, augenscheinlich jämmerlichen Leben führen. Zu diesen Genossen gehören zum einen Sick Boy (Johnny Lee Miller, „Eli Stone“), der gern Nazis ärgert und alles über James Bond weiß; Begbie (Robert Carlyle, „The 51st State“), ein absoluter Psychopath mit der Vorliebe in der Kneipe wahllos Leute zu verdreschen; Spud (Ewen Brenmer, „Black Hawk Down“), der totale Loser der Gruppe, der u.a. sturzbesoffen der Freundin ins Bett kackt und Tommy (Kevin McKidd, „Hannibal Rising“), anfangs resistent gegenüber dem Lebensstil der anderen, wird er nach der Trennung von seiner Freundin zum größten Drogenwrack der Gruppe. Im Dunstkreis dieser Personen befinden sich noch Diane, ein minderjähriges Mädchen mit dem Renton eine Beziehung anfängt, sowieso noch diverse Eltern der Gemeinschaft, die das klassische britische Spießerbürgertum darstellen, vor dem sich die Junkies vordergründig flüchten.
Im Laufe des Plots, der vom Drehbuchautor John Hodge („The Beach“) stimmig und gut durchdacht aufgebaut worden ist, kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Mark der einzige mit noch einem funktionierenden Verstand ist, was sich darin zeigt, dass er später für eine Zeit nach London geht, Makler wird und von den Drogen losgekommen zu sein scheint. Jedoch ist er auch dort nicht vor seinem vermeintlichen Freundeskreis sicher.
Weswegen der Film Kult ist, äußert sich in erster Linie daraus, dass das gesamte Geschehen im Drogenmilieu sehr realistisch geschildert wird, zum anderen daran, dass der Film mit einigen legendären Szenen aufwartet, wie der surrealistischen „Kloszene“ und dem Entzug Rentons bei seinen Eltern, wo dieser durch die Hölle geht, ironischerweise untermalt durch das Lied „Perfect Day“. Gerade die Musik ist ein weiteres auffälliges Merkmal, da dort größtenteils anstatt eines Scores bekannte Pophits als Untermalung dienen.
Die große Authentizität, die „Trainspotting“ auszeichnen, sind die grandiosen darstellerischen Leistungen, allem voran Ewan McGregor als Renton, der hier seinen großen Durchbruch als Schauspieler schafft. Er spielt die Rolle des Drogenabhängigen mit großer Spielfreude und so realistisch, dass man meinen könnte man begleite einem echten Junkie durch sein Dasein. Robert Carlyle als Begbie, stellt dagegen in genialer Art und Weise eine Karikatur des Briten aus der Arbeitsklasse; Säufer, Kleinkrimineller und Schläger in einem, kurzum – das was wir unter einem Hooligan verstehen. Auch die anderen Darsteller fallen mit ihren Leistungen nicht ab, ein Ewen Brenmer als Spud sorgt für reichliche Lacher.
Der entscheidende Punkt, „Trainspotting“ auch zu einem großen Film macht, ist der, dass Danny Boyle hier dem Zuschauer keine Wertung aufzwingt oder gar mit der Moralkeule kommt „Drogen sind scheiße!“. Es werden beide Seiten gezeigt, sowohl die der Fröhlichkeit der Personen inmitten des Drogensumpfs, als auch Szenen die zum Nachdenken anregen wie z.B. der Tod eines Babys und den Niedergang Tommys, der in beklemmenden Bildern geschildert wird.
Somit ist dem gesamten Stab mit „Trainspotting ein sehr anspruchsvoller Film gelungen, der sich erfreulicher Weise nicht für eine Richtung entscheiden will, sondern dem Zuschauer nur ein Bild der Lebensart des Drogenmilieus zeigt, weswegen sich jeder selbst eine Wertung zum Thema überlegen muss. 9/10 Punkten
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