Vor knapp dreieinhalb Jahren wurde der niederländische Filmemacher Theo van Gogh in Amsterdam Opfer eines heimtückischen Mordes, ausgeübt durch einen verblendeten islamistischen Fanatiker. Das Attentat war eine Reaktion auf den skandalträchtigen Kurzfilm „Submission: Part 1“, welchen van Gogh gemeinsam mit der prominenten Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali in Szene setzte. Mit „Fitna“ kommt nun bezeichnenderweise das nächste islamkritische Filmpamphlet wieder aus Holland, doch war van Goghs Werk noch eine ästhetisch anspruchsvolle Auseinandersetzung mit der unterdrückten weiblichen Sexualität in der islamischen Kultur, so kann man „Fitna“ ohne weiteres als Hetzfilm bezeichnen, als beinahe schon rassistischer Aufruf zur Intoleranz gegenüber der muslimischen Welt.
Wie sehr sich die Botschaft in „Fitna“ von der in „Submission“ unterscheidet wird schon deutlich wenn man sich die Macher hinter den Projekten ansieht. Van Gogh war ein Provokateur, ein Künstler mit Erfahrung in der Journalistik, im Theater und natürlich in der Filmindustrie – seine Intentionen waren von einem nüchternen aber klar ersichtlichen Humanismus geprägt, dem Politiker Geert Wilders gelingt in „Fitna“ im Direktvergleich nur stumpfe Provokation.
Da Wilders Intention rein politischer Natur ist und er als Regisseur keinerlei künstlerischen Background besitzt bleibt seine Inszenierung sehr schmucklos. Alle gezeigten Sequenzen sind sorgsam zusammengestellt aus frei zugänglichem Archivmaterial, welches der informierte Zuschauer auch zum größten Teil kennt. Wilders komprimiert die denkbar angsteinflößendsten filmischen Belege fundamentalistischer Ideologien, zeigt beispielsweise geifernde Mullahs, die die Vernichtung der jüdischen Rasse fordern, einschlägige Kommentare zum Thema Ehrenmord, Bilder berüchtigter Anschläge etc.
Den Wahrheitsgehalt kann man den erschreckenden Dokumenten kaum absprechen und Wilders Warnung vor islamistischem Terror ist sicher nicht unbegründet. Auch das Thema Antisemitismus in diesem Zusammenhang ist heikel und bedarf einer gründlicheren Diskussion in der Öffentlichkeit. Wie komplex und weit reichend die angesprochenen Themenkreise aber letztendlich sind, verschweigt „Fitna“ schamlos und baut ein Schreckensbild vom bösen Moslem der die Welt erobern will auf. Da er seinem Thema keine tiefere Auseinandersetzung abzugewinnen weiß, scheinen die Absichten Wilders’ rein konspirativer Natur zu sein.
Die Bilder ultimativer Gewaltbereitschaft garniert Geert Wilders mit offensiven Auszügen aus dem Koran, welchen der holländische Politiker als faschistisches Buch entlarven will und so ganz subtil nur in Zitaten spricht, kein Off-Kommentar begleitet das Geschehen. Ferner gelingt die Montage, bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die Auswahl und Abfolge der einzelnen Ausschnitte als perfide weil eine innere Logik herausgestellt wird.
Nun kommt es ganz eindeutig auf die Leseart des einzelnen Zuschauers an, wie „Fitna“ unterm Strich aufgenommen wird: Ob die hier gewobene Endlosschleife aus Hass und Terror auf islamistischen Fundamentalismus oder auf den Islam als Weltreligion gemünzt ist. Leider muss man eher Letzteres annehmen denn das Ende des viertelstündigen Pamphlets erinnert in frappierender Weise an den NS-Propagandafilm „Der Ewige Jude“. Wenn die exponentiell steigenden Bevölkerungsanteile muslimischer Menschen als Zeichen für eine Zukunft voller Angst stehen, dann verspielt Wilders seine zuvor durchaus berechtigt geäußerte Kritik zugunsten aggressiver Provokation. Was man auch von „Fitna“ oder der Person Geert Wilders halten mag – Filme wie dieser lösen sicher keine Probleme sondern gießen allenfalls Öl in ein loderndes Feuer.
Der Internetanbieter LiveLeak nahm den Film übrigens nach ernst zu nehmenden Drohungen gegen Mitarbeiter aus dem Programm. Der befürchtete Eklat blieb aber zumindest in Europa aus, auch wenn sich niemand der Ausstrahlung annehmen will. Der Großteil der international bekannten muslimischen Geistlichen reagierte unerwartet mild und besonnen. Diese beiden Tatsachen unterstreichen einerseits, wie nötig Wilders Warnung vor tendenziell steigenden Islamismus ist, andererseits aber auch, das „Fitna“ nur die dunkelsten Auswüchse zeigt, ohne diese entscheidend zu relativieren.