Review

„The best horror comedy of this or any other year - Explodes like a shotgun blast of pure teen comedy and devastates everything in its path... makes "Carrie" look like "Pretty in Pink". A perfect ‘10'."

Werbesprüche wie dieser von der Verleihfirma angeblich im Internet gefundene Beitrag zum Thema menschliche Begeisterungsfähigkeit zieren das Cover der Stahlbox von „Dance of the Dead", des neuesten Versuchs, auf der derzeitigen Zombiefilmwelle mitzureiten und der goldenen Zombiekuh auch noch ein paar Dollar auszuquetschen. Da hat es der Zombie- oder Horrorfan angeblich mit einem potenziellen Kultfilm zu tun, der einen Film wie „Shaun of the Dead" locker auf der Strecke lässt. Nun, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und kein Grund zum Streit, aber wenn „Dance of the Dead" eine gelungene Zombiekomödie ist, dann sind Liliputaner tolle Basketballspieler und Raucher gesündere Menschen.

Dem erfahrenen Horrorfan hingegen drängt sich beim Konsum dieses Streifens ein ganz anderer Begriff auf, diesen in spürbarer Langeweile hingerotzten Teenyfilm zu beschreiben:

„Kommerz - [abwertend] Geschäftemacherei, Profitgier; das ist der reine Kommerz."

Viel mehr gäbe es eigentlich zur aktuellen Zombiekomödie „Dance of the Dead" nicht zu sagen, wenn nicht das Genre Zombiefilm durch solchen auf Zelluloid gebannten Müll Schaden nehmen würde. Beinahe Jahrzehnte lang mussten Horrorfans auf neue Highlights aus ihrem geliebten Genre verzichten. Der Zombiefilm erlebte im Verlauf der 90er, die doch so verheißungsvoll mit Peter Jacksons Kultfilm „Braindead" begannen, seine Beerdigung. Um so erbaulicher ist es für viele gewesen, dass ausgerechnet der Horrorneuling Danny Boyle Quasizombies ins Leben zurückrief („28 Days Later", 2003) und damit eine Zombiefilmwelle lostrat, die noch lange nicht abgeflaut zu sein scheint. Exzellente Filme wie Zack Snyders „Dawn of the Dead" (2004) und das Sequel zu Danny Boyles „28 Days Later", „28 Weeks Later" (2007), folgten. Zudem erfreute uns der englische Kultfilmregisseur Edgar Wright mit der besten Horrorkomödie der letzten Jahre: „Shaun of the Dead" (2004) - dem Beweis, dass Zombies und Humor durchaus kompatibel sind. An genau diesem Film orientierte sich wie so viele andere auch Gregg Bishop, der mit seinem „Other Side - Fürchte die Jäger der Hölle" vor zwei Jahren einen durchaus passablen low-budget Beitrag zum Genre beisteuerte.

Doch „Dance of the Dead" hat rein gar nichts vom Einfallsreichtum, vom Anspruch und vom Humor der britischen Vorlage. Hier ging es ausschließlich darum, den schnellen Pfennig zu scheffeln und darauf zu hoffen, dass junge Horrorfans der hysterischen und augenfällig apokryphen Werbung des DVD-Covers auf den Leim gehen. Darsteller, Dialoge, Musik und Drehbuch sind eine reine Katastrophe. Ein Umstand, der angesichts der jüngst vorgelegten filmischen Beweise in punkto Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlich(st)er Genres unverzeihlich ist. Lahmarschiger Hauruckhumor auf Achtklassniveau garniert mit den wohl kitschigsten Zombies, die die erste Dekade des neuen Jahrtausends unsicher machen, werden dem gutgläubigen Filmfreund hier frechdreist ins Gesicht geschmiert. Die Zombies Gregg Bishops lassen sich durch ebenfalls auf Achtklassniveau dahergeklampftem Teenyrock vom Fressen abhalten, haben (jugendfreien) Sex miteinander und feiern Abschlusspartys. Ist das nicht zum Totlachen?! Ja? Dann bitte nicht weiterlesen! Das Konzept und die Versatzstücke des Kultfilms werden hier stil- und lieblos durch den Fleischwolf gedreht. Und die Fans haben immer Hunger; also schlucken sie, was ihnen an filmischen Fleischresten vor die Füße geworfen wird. Bei aller omnipräsenten Kommerzkritik unserer Zeit, der Drang nach Unterhaltung ist doch unstillbar und offensichtlich genügsam, was den Anspruch anbelangt.

Mit echtem Kult und Horrorspaß hat „Dance of the Dead" - wie sein deutsches Äquivalent „Nacht der lebenden Loser" - rein gar nichts zu tun. Echter Kult im Bereich der Horrorkomödie war in den 80ern „Bad Taste" oder „Street Trash" und ist heute bei „Shaun of the Dead" oder „Monster Man" zu finden, bei Filmen, die ihrer Authentizität wegen brillieren und das Genre beziehungsweise den dazugehörigen Spaß erfolgreich neu justieren. „Dance of the Dead" hingegen entstammt einzig und allein einem Antrieb: Schnelles Geld zu machen mit der derzeit überzapften Zombiefilmkuh. Bitte, bitte nicht mehr von solchen Vergewaltigungen eines in weiten Teilen auch heute noch extravaganten Genres!

Details
Ähnliche Filme