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Hass (1995)

Eine Kritik von Horace (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 06.02.2002, seitdem 597 Mal gelesen


"Hass",meines Wissens der erste Film von Mathieu Kassovitz ("Die purpurnen Flüsse"), ist einer der besten und schonungslosesten Filme über eine Jugendkultur den ich kenne. Im Gegensatz zum Review von Huzenlock, finde ich die Attitüde der Charaktere weder aufgesetzt, noch kann man ihnen sie ihnen zum Vorwurf machen. Wenn man schon mal in Frankreich und in einem dieser Vorstädte war weiß man, dass der Film die dortigen Verhältnisse zu 100% wiedergibt. Die Jugendlichen dort haben eigentlich keine Chance integriert zu werden, dafür sorgt das französische System schon. Wieder zum Film: Er schildert den Tagesablauf einer Clique dreier Jugendlicher: Vince (Jude), Hubert (Afrikaner) und Said (Algerier), die eigentlich nur den ganzen Tag rumhängen, ein bisschen dealen oder sich sonstwie über Wasser halten. Hubert hat sich eine Boxhalle aufgebaut, die aber bei Krawallen total zerstört wird. Bei diesen Krawallen hat ein Polizist seine Dienstwaffe verloren, die natürlich Vince, der aggressivste der drei, findet. Der Auslöser der Krawalle: Ein befreundeter Algerier ist bei einer Vernehmung von einem Polizisten so schwer verletzt worden, dass er im Koma liegt. Vince schwört, sollte sein Freund sterben, einen Polizisten zu töten um "das Verhältnis wieder herzustellen". Seine Freunde versuchen ihn von diesem Vorhaben abzubringen.
Am Ende des Filmes schaffen sie es ihn zu überzeugen, doch eine weitere Eskalation der Gewalt verhindert ein Happy-End.
"Hass" ist der erste Film in dem die Sprache der jugendlichen Protagonisten nicht irgendwie aufgesetzt wirkt, ein Lob an die Übersetzung. Die Kameraführung trägt sehr zum Dokumentarischen Stil des Films bei, sie ist ein stiller Beobachter und vermittelt den Eindruck einfach "dabei" zu sein. Das grobkörnige S-W des Materials verstärkt diesen Eindruck und ich denke, dass der Film in Farbe nicht so gut funktionieren würde, denn es drückt die Monotonie und Einfarbigkeit im Leben der Jugendlichen dort aus. "Hass" ist ein sozialkritischer Film, der aber ohne den berühmten Zeigefinger auskommt, manche Szenen sind witzig und andere tief traurig und deprimierend und deshalb ist er so realistisch. Ein Film der zum Nachdenken anregt, denn die angesprochenen Probleme gibt es nicht nur in Frankreich, viele Szenen werden einem irgendwie bekannt vorkommen.
Einer meiner Lieblingsfilme, aber nicht für einen bierseligen Videoabend geeignet.


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