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Gesichter des Todes (1978)

Eine Kritik von HappyHarry mit dem Harten (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 03.07.2006, seitdem 1630 Mal gelesen


Wenn die Frage gestellt wird nach den härtesten und schockierendsten Filmen aller Zeiten fällt in der Regel auch der Name „Gesichter des Todes“ – Die berühmteste Mondo-Reihe überhaupt nahm seinen Anfang Ende der 70er Jahre und definierte das Gesicht des Subgenres neu. Das ist hier allerdings nicht hundertprozentig positiv gemeint, denn ein guter Film ist „Gesichter des Todes“ nicht geworden, egal wie man es dreht und wendet.

Während sich die meisten früheren Mondos mit dem Elend oder den Riten des afrikanischen Kontinents beschäftigten, wollte Regisseur John Alan Schwartz ein möglichst abwechslungsreiches Portait der menschlichen Grausamkeiten geben: Egal ob Hinrichtungen, Tierschlachtungen, Selbstmorde oder Unfälle, alles wird voyeuristisch ausgeschlachtet und der seriöse Deckmantel einer informativen Dokumentation fällt fast vollständig. Die totale Sinnlosigkeit und Perversion des Genres wird in heutigen Mondos wie „Gesichter des Todes 2000“ oder „Faces of Gore“ geradezu zelebriert.

Ein ewiger Streitpunkt sind natürlich die Fake-Szenen der Reihe und das sicherlich zu Recht: Jeder Teil besteht aus zum Teil gestellten Szenen, mal mehr und mal weniger und die Qualität des gestellten Materials ist unterschiedlich. Während manche Szenen täuschend echt wirken, sind die meisten leicht zu erkennen für einen halbwegs kritischen Zuschauer. In diesem ersten Teil ist der Anteil an gestellten Sequenzen extrem hoch, ausgenommen natürlich das KZ-Archivmaterial und einige andere eindeutig echte Grausamkeiten.

Zu dem Kommentar: Die distanzlose, dumme und penetrante Art der Moderation ist einer der größten Kritikpunkte an „Gesichter des Todes“, andererseits resultiert aus der hemmungslosen Dummheit ein hoher Spaßfaktor. Eine große moralische Frage stellt sich ebenfalls nicht, da die meisten Szenen sowieso gestellt sind und in den meisten Fassungen das KZ-Material fehlt. Zwar geht die Intensität dieser Szenen nicht über das bekannte Maß hinaus und daher wirkt dieser Abschnitt einfach sehr fehl am Platz. Alle anderen Szenen haben aber einen recht großen Unterhaltungswert, alleine durch die unglaubliche Machart entsteht eine unfreiwillig komische Atmosphäre, die von nun an zu den Standards des Genres gehören sollte, genau so wie der dämliche Pseudo-Mediziner als Kommentator.

Diese Aspekte werden in „Faces of Gore“ neu aufgegriffen und „parodiert“ – leider kann man sich aber in diesen Filmen (im Gegensatz zum ersten „Gesichter des Todes“) nicht amüsieren. Gegen die modernen Real Gore Streifen wirken jedenfalls klassische Mondos wie "Faces of Death" sehr harmlos, vor allem was Charme, Atmosphäre, Unterhaltungswert und Kultstatus angeht muss man diesem Veteranen des Genres noch gewisse Pluspunkte attestieren.

Fazit: Ein eigentlich höchst überflüssiger und restlos veralteter Film der aber immer die Aura eines unterschlagenen Kultfilms besitzen wird. Filmisch gesehen zwar totaler Dreck, doch einflussreich und originell war das Konzept damals schon.

3,5 / 10


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