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Dark Knight, The (2008)

Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 25.08.2008, seitdem 370 Mal gelesen


Was hat es nicht im Vorfeld für eine Maschinerie für diesen Film gegeben. Wie wurde er gehyped. Eine Sensation sollte er sein, dieser neue Batman. Heath Ledgers Performance soll angeblich eine Wucht gewesen sein. In typisch amerikanisch-großkotziger Manier wurde hier vom Paten2-Equivalent für das Comic-Genre gesprochen. Und vielerorst sprach man davon, dass dies im Prinzip mehr eine Kriminal-Thriller-Tragödie denn eine Comic-Verfilmung sei. Und fast alle kamen zu dem Schluß: Ganz großes Kino, dank auch dem ganz großen Heath Ledger.

Schieben wir all das oben erwähnte mal beiseite und betrachten den Film möglichst objektiv und kritisch. Hält er all dem stand?

Comicverfilmungen haftet nach wie der Ruf an, bunte Kinderfilme sein zu müssen, die allerhöchstens Popcorn-Niveau erreichen dürfen. Obwohl vor allem auch in den letzten zehn Jahren dieses Genre immer diversifizierter auftrat, auch mal sehr anspruchsvolle Filme entstanden, so waren meistens auch die Superheldenfilme doch immer seitens der Film-Kritik auf Zweidimensionalität beschränkt. So wurde beispielsweise X-Men von Singer über den Klee gelobt, weil er in eine andere Richtung ging, und Ang Lees Hulk zerrissen, weil er zu sehr in eine andere Richtung schielte. Im Endeffekt geht es immer darum, den Geist des vorliegenden Comics adequat auf die Leinwand zu bannen. Hierbei gilt es sowohl Fans als auch normale Kinogänger für den Film zu begeistern.
Letztendlich gibt einem Filmstudio aber nur das Einspielergebnis entweder recht oder nicht. Aus dieser Perspektive ist Dark Knight ein voller Erfolg. Aber das reicht ja bekanntlich nicht aus, auch gut zu sein. Ist Dark Knight wirklich gut? Fängt er den Geist des Comics ein? Oder ist er mehr?

Gotham City ist ein düsterer Ort, wo die Kriminalität wuchert, Korruption gedeiht und jeder Mensch per Se ein potentielles Opfer der Mitmenschen ist. Gerechtigkeit widerfährt nur selten. Bis ein gewisser verkleideter Vigilant sich der Stadt annimmt und wieder Recht und Ordnung forciert. Der Vigilant geht jedoch nie so weit, dass er jemdanden töten würde oder tatsächlich wider das Gesetz handelt. Ordnung muß sein. Hat man das für diese Stadt erreicht, wird der gemeine Bürger endlich sein wahres gutes Gesicht zeigen.
Und ihm Gegenüber positioniert sich in dieser Situation ein Phänomen, der das Gegenteil all dessen ist, wofür der Vigilant
einsteht. Dieser Anarchist ist das personifizierte berechnende Chaos, der nur dafür zu leben scheint, alles in einer Clowns-Fratze zu hüllen und zu pervertieren. Das wahre Gesicht aller Menschen, mal enthüllt, ist ein häßliches, gemeines, verzerrtes Grinsen.
Dieser Zwiespalt dieser beiden Antagonsiten, die einander auf ewig zu belauern scheinen, fordert Opfer, die jenseits des üblichen Mainstream liegen und den Zuschauer zum Mitdenken animieren. Beide Seiten sind abseits der Gesellschaft, stehen auf ihre Weise über den Dingen und scheinen mit der Gesellschaft zu spielen. Der Vigilant, der das Gute erkennt und fördert, und der Anarchist, der das Dunkle heraufbeschwört und kitzelt, ja regelrecht zelebriert. und dazwischen Gotham City als Ganzes und die Seele eines Mannes, des vielleicht besten aller Männer?, im Besonderen: Ein Normalsterblicher, den beide für ihre Thesen einspannen wollen, um sich selbst und der Welt zu beweisen, dass man letzendlich recht hat.
Und ohne zu spoilern: Der grundgute Mann, der zwischen die Fronten gerät, wird regelrecht zerbröselt, die Stadt zeigt ihr wahres Gesicht, und beide zu Symbolen gewordenen Antagonisten gewinnen ihre Beweisführung - oder verlieren alle?
Kurz: Das Ganze nimmt die Auswüchse einer griechischen Tragödie an.

Dabei ist die Charakterzeichnung teilweise recht oberflächlich gehalten, gerade so, dass gewisse Handlungen nachvollziehbar bleiben. Manche Entwicklungen scheinen regelrecht hinter den Kulissen vonstatten gegangen zu sein. Und manchmal hat man das Gefühl, dass manche Sequenzen total überflüssig seien.
Im genaueren Betrachten fällt aber auf, dass gar nichts überflüssig ist, alles einem größeren Sinn/Bild dient.
Wenn Batman beispielsweise in Hong Kong ist, so auch deshalb, um auf ein späteres wichtiges Utensil vorzugreifen.

Daher lässt es sich kaum vermeiden, dass der Film sehr lang wird und sich irgendwann auch gewisse Längen einschleichen. Diese Längen werden vor allem auch dadurch forciert, da der Film kaum Atempausen benötigt, immer passiert etwas, immer ist etwas am entwickeln, wodurch man immer aufmerksam sein muß. Es ist alles in allem ein ziemlich schlauchender Prozess, selbst für den Zuschauer. Für einen Hollywood-Blockbuster einer Comic-Verfilmung ist dies ein höchst selten vorkommender Glücksfall. Aber auf der anderen Seite, ist das genau das Prinzip einer, siehe oben, ich wiederhole mich nur zu gerne, antiken Tragödie: Ein schlauchender reinigender Prozeß für den Zuschauer.

Auch wird im Feuilleton der Vergleich mit dem Paten oder Heat des öfteren gezogen und argumentiert, dass dies genauso gut als Thriller auf hohem Noveau funktionieren würde, sogar vielleicht besser wäre ohne die ganzen technischen Gimmicks.
Wenn man mal etwas von der ganzen Lobhudelei zurück tritt, muß man festhalten, dass die gesamte Handlung sehr weit over the top ist, der Joker ist einfach zu allgegenwärtig, die Gangster zu hilflos, Batman zu stark, vieles einfach überzeichnet. Wenn es überhaupt ein "realistisches" Filmchen hätte werden sollen, dann ein John Woo oder in der Neuzeit Michael Bay-ähnliches Vehikel, denn ein Pate oder Heat. Da sollte man wirklich die Kirche im Dorf lassen. Und in dem Fall würde Dark Knight auch von seiner Faszination verlieren und im Mittelmaß versinken.
Um diese Frage also zu beantworten: Dark Knight funktioniert - wenn überhaupt - so nur als Comicverfilmung.

Nun zum Thema überhaupt, ist es denn eine gute Adaption fürs Kino?
Ob es die beste Comic-Verfilmung aller Stoffe sein soll, sei mal dahingestellt, schließlich gibt es zuhauf richtig gute Verfilmungen, auch aus Japan, aber dies ist die erste Batman-Adaption, die den Vergleich mit den besten Comics dieser Reihe standhält.
Erstmals wird Batmans Zwiespalt deutlich, erstmals wird Jokers Rätselhaftigkeit, Gefährlichkeit und vor allem ewiger Zweikampf mit Batman thematisiert. Batman kann den Joker nicht besiegen, weil um ihn zu besiegen, müßte er sich auf dessen Niveau begeben, und das kann er einfach nicht, um in den Spiegel schauen zu können. Außerdem hätte in dem Fall der Joker dennoch gewonnen. Ein Teufelskreis!
Erstmals wird auch tragisch verdeutlicht, dass gewisse Schurken nur wegen äußeren unglücklichen Umständen, zu dem werden, was sie sind.
Da stört auch die mangelnde Tiefe der Dialoge und Charakterisierungen nicht im geringsten.
Schließlich soll dies ein Sommer-Blockbuster sein.
Insofern auch diese Frage beantwortet: Die treffendste Adaption eines Batman-Comics, möglicherweise auch die beste.

Nun zur Perfomance der Schauspieler:
Christian Bale wird nicht richtig gefordert, spielt auch nicht wirklich gut, aber er hat Charisma und ist auf dem besten Wege ein absoluter Weltstar zu werden, schließlich spielt er demnächst auch noch in der Terminator-Reihe die Hauptrolle. Hierfür ist er eindeutig unterfordert. Denn sein Part ist auch dank des Drehbuches etwas untergeordnet.
Aaron Eckhardt ebenfalls fährt nicht zur vollen Entfaltung seines Potentials auf. Doch auch er hat Charisma ohne Ende, könnte auch mit etwas Glück demnächst ein Superstar werden, und das Drehbuch verziert seinen Charakter mit genügend Sympathien, dass das Publikum voll auf seiner Seite ist.
Maggie Gyllenhaal ersetzt Katie Holmes, und um ehrlich zu sein, ich bin kein Fan von beiden Frauen, Gyllenhaal hat zwar mehr unterschwellige Erotik und es knistert auch mehr, gebe ich gerne zu, aber letztendlich ist es unwichtig, wer diese Rolle spielt, Hauptsache sie kann etwas schauspielern und das können beide Frauen. Nur weil Katie mit Tom Cruise verheiratet ist, muß man nicht gleich unberechtigterweise auf ihr rumhacken.
Die weiteren Nebendarsteller sind natürlich souverän und teilweise äußerst unterfordert aber veredeln allesamt ihre Rollen.
Was uns zu Heath Ledger brint: Er spielt wirklich gut, nein, sehr gut. Sein Joker ist verstörender und gemeiner als so ziemlich jeder Bösewicht der jüngeren Filmgeschichte, und Jack Nicholsons Joker ist gar kein Vergleich. Doch Vorsicht: Nicholsons Joker war ein Witz, Ledgers Joker ist eine Naturgewalt, insofern ist das wie Kuchen backen mit Arschbacken vergleichen. Welcher besser oder schlechter spielt, kann man also nicht so ohne weiteres beantworten. Fakt ist, Ledger ist der Star des Films, und wäre es auch gewesen, wenn er nicht frühzeitig gestorben wäre. Doch man kann nicht umhin, das Drehbuch höchstmöglich zu loben, denn ohne die richtigen Dialoge, Handlungsstränge, Inszenierung, wäre auch dieser Joker nur ein Rumpelstilzchen: Um zu faszinieren, muß auch was Faszinierendes da sein. Und hier kommt alles zusammen in diesem Charakter, Ledger war ein begnadeter Schauspieler und ist in Dark Knight ein großer Part dessen.
Also: Ein Ensemble-Film par Excellence mit einem - auch dank des Drehbuchs und der Inszenierung - überwältigenden Heath Ledger.

Gibt es nichts auszusetzen?
Vielerorts wurde die dümmliche Stimme Batmans moniert: Hallo? Dies ist ein Comicverfilmung, so etwas darf einen nicht stören. ist auf jeden Fall besser als "Brille-auf:Clark-Brille-runter:Superman"-Effekt.
Der Kampf im Hochhaus mit diesem neuartigen Nachtsichtgerät vielleicht? COMICVERFILMUNG!!!
An manchen Stellen wirkt der Film irgendwie, als wäre er haarscharf geschnitten, hätte man besser editieren können.
A propos editieren, an manchen anderen Stellen hat man das Gefühl, das falsche Gegenschnittbild vor sich zu haben.

Und ansonsten:
Leichter SPOILER:
Dies ist kein Wohlfühlfilm, darüber sollte man sich im Klaren sein.
SPOILER ENDE

Und Fazit?
Jetzt schon ein absoluter Klassiker, einer der wenigen Filme, die auch zu recht so erfolgreich sind, wie sie sind. Ob er in Deutschland annähernd so erfolgreich wird wie in USA darf bezweifelt werden, da er dafür doch zu düster und anstrengend ist. Zu gönnen wäre es ihm trotzdem, denn selten - vor allem in letzter Zeit - regte ein Film direkt nach Sichtung zu solch vielperspektivischen Diskussionen an.
Dennoch ein Wermutstropfen bleibt: Dieser Film ist so gut, so böse, so gemein, so bitter, so gut (ich wiederhole mich), dass dies eigentlich nicht mehr zu toppen geht, und mit einem Ende, dass eigentlich definitiv ist.
Es kann keinen weiteren Batman mehr geben.
Hält er all den Vorschußlorbeeren also stand? Ja, und mehr.

(P.S.: Im Übrigen zeigt dieser Film auch noch Spider-Man mühelos die Nase, indem diese blöde Peter-MarieJane-Harry Liebesdreieck Schmonzette für Kiddies erstaunlich erwachsen dargeboten wird mit einer viel reiferen Auflösung!!! Allein dafür würde er eigentlich volle Punkte verdienen.)


9 Punkte, wegen der obern erwähnten klitzekleinen Defizite.


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