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H.P. Lovecraft's Necronomicon (1993)

Eine Kritik von Schwarz (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 23.01.2005, seitdem 1353 Mal gelesen


Der Schriftsteller H.P. Lovecraft findet heraus, dass sich in Amerika ein Exemplar des Necronomicons befindet, jedoch streng von dem orientalischen Bibliothekspersonal behütet. Hinterlistig verschafft er sich trotzdem Zugang zu dem Buch und studiert dieses, ohne zu bemerken, was er damit auslöst... Brian Yuzna konnte als großer Fan von Lovecraft natürlich nicht eine Verfilmung über das berüchtigte Buch der Toten auslassen und erzählt, in die Rahmenhandlung um den Fantasy-Autor eingebettet, drei Kurzgeschichten, die sich mit dem sagenumwobenen Schriftstück befassen: 1. Der Witwer Edward De Lapoer, der seine Frau bei einem Autounfall verlor, zieht in ein altes Gebäude am Meer, wo er Aufzeichnungen findet, nach denen vor 60 Jahren sein Vorfahre Jethro als unglücklicher Witwer mithilfe des Necronomicon seine Frau zum Leben erweckte. Trotzdem Jethro damals mit dem eigenen Leben bezahlte, muss er ihm nacheifern, was mit allerlei gewürmkotzenden Dämonen und fantasievollen Metamorphosen mitsamt Tentakelwesen aus dem Totenreich verbunden ist. Hört sich gut an, ist aber von der Story her leider doch zu vorhersehbar. Schön ist wiederum die Erzählweise auf drei Ebenen, denn diese Kurzgeschichte ist genau wie die darauf folgenden noch einmal in zwei Zeiten verschachtelt. 2. Ein Reporter recherchiert über den Forscher Dr. Madden, der mehrere Menschen auf dem Gewissen hat. Dabei gerät er an Emily Osterman, die ihm eine fantastische Geschichte über Dr. Madden auftischt, der angeblich mit dem Necronomicon den Alterungsprozess besiegt und damit ewiges Leben erschaffen hat. Doch auch das hat einen Haken, wie nicht zuletzt der überforsche Reporter feststellen muss, als es zum Ende kommt. Höhepunkt ist eine menschlicher Totalzerfall bis auf die schleimigen Knochen und eine überraschende Auflösung in einer etwas besseren Geschichte, die die Charaktere etwas genauer einführt. 3. Zwei Polizisten verfolgen einen Verdächtigen und bauen dabei einen Autounfall. Als die Polizistin Sarah wieder zu sich kommt, wird ihr verletzter Kollege Paul von einem Unbekannten entführt. In dem düsteren Lagerhaus trifft sie auf ein altes Pärchen, dass ihr etwas von "dem Schlachter" erzählt, der seine Opfer angeblich durch einen Tunnel verschleppt. Missmutig den Angaben folgend erlebt sie eine böse Überraschung, die nicht die letzte sein soll und diese Kurzgeschichte zu der mit Abstand gelungensten und schockierendsten macht. Mit Anleihen an indianische Alienmythologie und goriger Kulisse kommen auch die Splatterfreaks auf ihre Kosten, wo die beiden vorigen Geschichten noch etwas zurückhaltender waren. Shusuke Kaneko versteht es besser als Christophe Gans mit seiner Mad Scientist-Story und vor allem auch besser als Brian Yuzna mit seinem Geplänkel wie aus "Geschichten Aus Der Gruft", einen richtigen Schocker hinzulegen, bei dem die SFX von mittelprächtig bis ansehnlich reichen. Unvorhersehbar und mit heftigem Ausgang geht es zu, bevor die abschließende Rahmenhandlung noch erwartungsgemäss zu einem kleinen Spektakel aufläuft, das mit schwarzem Humor durchsetzt ist. Für einen Episodenfilm ist das ganz nett arrangiert, zumal sich technisch keiner der drei Regisseure große Patzer erlaubt, großartige Highlights aber auch kaum. Solide ist wohl die richtige Bezeichnung, was man auch den Darstellern bescheinigen kann, manchen sogar mehr. Eine Steigerung ist offensichtlich, wenn man als Betrachter am Ball bleibt, eine spektakuläre Gorekomödie wie Yuznas andere Kollaborationen mit Jeffrey Combs (der hier als H.P. Lovecraft auftritt) sollte man jedoch nicht erwarten. Etwas schade ist sicherlich, dass die Figuren aufgrund der Kürze oft nur angerissen sind und ebenso wie der Spannungsaufbau etwas unglücklich komprimiert wirken, im Gegensatz zu Lovecrafts Geschichten. Dafür ist das Ergebnis noch beachtlich und frei von Längen.

Fazit: Guter Episodenfilm, der die ein oder andere Schwäche zumindest mit den sehenswerten SFX wieder etwas wett macht. 6/10 Punkten


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