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H.P. Lovecraft's Necronomicon (1993)
Eine Kritik von Realjackass (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 06.09.2006, seitdem 641 Mal gelesen
Einem bekannten Sprichwort nach verderben zu viele Köche den Brei. Lassen wir unsere Gedanken mal beiläufig zu dem Anfang der 90er erschienen Horrorstreifen "Two Evil Eyes" schweifen, dann kommt ein eher langweiliges Ergebnis in die Erinnerung zurück, und deshalb war meine Befürchtung groß, dass dies auch bei "H.P.Lovecraft's Necronomicon" der Fall sein könnte. So gaben sich hier Brian Yuzna ("Return of the Living Dead 3", "The Dentist", "Bride of Re-Animator"), Christophe Gans ("Pakt der Wölfe", "Silent Hill") und Shusuke Kaneko ("Azumi 2: Death or Love") die Ehre und versuchten sich gemeinsam an drei Kurzgeschichten, die auf Storys von H.P. Lovecraft basieren. Das Resultat? Ordentlich, und zumindest für Horrorfans ein echter Leckerbissen!
Der Streifen ist dabei wie die Meisten seiner Art inszeniert und arbeitet das typische Schema ab. In diesem Fall gelangt H.P. Lovecraft himself in den Besitz des legendären Necronomicon und geht in seinem Leichtsinn äußerst unvorsichtig damit um. Zur Freude des Zuschauers, versteht sich. So kommen wir nämlich zuerst in den Genuß dreier Kurzgeschichten, eine jeweils von einem der drei Regisseure inszeniert, und dürfen zum Schluß noch erfahren, wie es Herrn Lovecraft letzten Endes ergeht, schließlich wäre es ja langweilig, würde nicht auch der einleitende Plot zu Ende geführt werden.
Wie dem auch sei. Da hier unterschiedliche Filmemacher am Werk wahren, ist es sicherlich keine Überraschung, dass sich die Episoden "The Drawned", "The Cold" und "Whispers" qualitativ voneinander unterscheiden. Genau so wie ich es erwartete, beherbergten die drei Storys zwar an und für sich den selben Grundton, es werden ja schließlich Geschichten von ein und denselbem Autor verfilmt, doch von der Machart her sind klare Unterschiede festzustellen.
Zuerst ist Christophe Gans an der Reihe, der sich mit "The Drawned" auf den ersten Blick an eine klassische Gruselstory heranwagen darf. Ein verbitterter Mann bezieht ein ihm vermachtes, abgeschiedenes und unheimliches Haus und kommt schon bald hinter die Geheimnisse seines verstorbenen Onkels, ja, daf sogar auf dessen Pfaden wandeln. Diese Geschichte benötigt zwar seine Zeit, bis sie mal Schwung bekommt, doch dafür hat es mich dann um so mehr überrascht, welche Kaliber Gans aufzufahren weiß. Spätestens dann, wenn die verstorbenen, mittlerweile überaus schleimigen Verwandten aus dem Meer zurückkommen, bietet die Story einiges an Special Effekten, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Am Ende darf dann sogar noch der Meeresgott Dagon durch den Fußboden des Hauses brechen, was effektemäßig auch umwerfend inszeniert wurde.
Als nächster an der Reihe ist Shusuke Kaneko, der mir vor diesem Film gänzlich unbekannt war und der zur Zeit des Drehs anscheinend kein Wort Englisch sprach. Dafür, dass ich mit Kaneko zuerst nichts anfangen konnte, hat mir seine Kurzgeschichte "The Cold" sehr gefallen, da sie bisweilen sehr stark an die kultige TV-Serie "Geschichten aus der Gruft" erinnert. Hier haben wir eine klassische Horrorgeschichte vorliegen, in der sich das Grauen langsam anbahnt und einen dann um so mehr in den Bann zieht. Die Handlung über den Wissenschaftler, der nur bei eisiger Kälte überleben kann, und ansonsten zu schmelzen beginnt, ist klasse inzeniert und voller Wendepunte. Auch hier kommen die Effekte nicht zu kurz. Insbesondere das langsame Verflüssigen und Auseinanderfallen des Doktors am Ende ist wunderbar schleimig und blutrünstig in Szene gesetzt.
Als letzter ist Brian Yuzna dran, von dem ich mir auch das Beste erhoffte. Yuzna hat mit zahlreichen Streifen im Horrorgenre schon auf sich aufmerksam gemacht, von denen mir auch viele zusagten. Leider hat sich der Gute mit "Whispers" eine Geschichte zur Brust genommen, die ihm, wie ich finde, nicht all zu gut steht, da sie weitgehend von übernatürlichen Versatzsücken lebt und Yuzna so die Möglichkeit verwehrt bleibt, ein Schlachtfest auf Zelluloid zu bannen. Hier ist es mehr die Atmosphäre und außerdem die unglaublichen Sets, die im Mittelpunkt stehen. Allerdings wäre Yuzna nicht Yuzna, wenn er dem Splattervolk nicht auch was bieten würde. Zu bestaunen gibt es eine Vielzahl besonders ekelerregender Masken und Kostüme, die sich der Horror-Altmeister ausgedacht hat. Eine Mutter, die ihr Embryo mit einem weit geöffneten Bauch in sich herumträgt und derartiges mehr lassen den zartbesaiteten Zuschauer jedenfalls erschaudern. Für mich, hingegen meiner Erwartungen, dennoch nicht die beste der drei Geschichten.
Alles in allem haben wir hier drei durchaus gelungene und souverän inszenierte Horrorgeschichten, die jedoch nicht immer gleichermaßen unterhalten können. Ab und an kommt schon mal etwas Langeweile auf, doch das wird dann von den tollen Splattereffekten wieder wettgemacht. "H.P.Lovecraft's Necronomicon" ist ein guter, alter Splatterfilm, der gar nichts anderes sein will und jeden Gorehound zufriedenstellt.
Betrachtet man die Schauspieler mal genauer, fallen einem einige bekannte Namen wie Jeffrey Combs, Bruce Payne und David Warner auf. Erstgenannter hat bekanntlich in vielen Yuzna-Filmen seinen kleinen Gastauftritt und ist hier als H.P. Lovecraft persönlich zu sehen. Mit seinem vielen Make Up ist er fast nicht zu erkennen, agiert aber überzeugend wie eh und je, was sich auch vom restlichen Cast behaupten lässt.
"H.P.Lovecraft's Necronomicon" ist zwar kein Klassiker des Genres und wird es schwer haben, diesen Rang jemals für sich beanspruchen zu können, doch für den befriedigenden Splatterspaß zwischendurch ist der Film ausgezeichnet geeignet. Yuzna, Gans und Kaneko erledigten ihre Sache dabei alle ordentlich und inszenierten die Lovecraft'schen Geschichten mit außerdentlich viel übernatürlichem und obendrein sehr viel Monster- und Ekel Make Up. Hier und da mal eine kleine Länge sind zu verkraften und trüben den kurzweiligen Spaß nicht weiter.
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