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Weiße Göttin der Kannibalen, Die (1978)

Eine Kritik von purgatorio (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 20.01.2012, seitdem 77 Mal gelesen


DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN (MOUNTAIN OF THE CANNIBAL GOD, Italien 1978, Regie: Sergio Martino)

Der Film leitet bereits mit genretypischen und entsprechend beliebten Motiven ein (Dschungelaufnahmen, exotische Tiere, diverse Fressszenen) und steigert dies noch durch die beinahe schon obligatorische Texttafel, die Authentizität und eine Art ernsthaften Hintergrund suggeriert. Verschleierungstaktik – klar. Denn so, wie der Film beginnt, wird er auch bleiben: eine Aneinanderreihung aller Elemente, die aus einem exploitativen Abenteuerfilm einen Kannibalenfilm machen. Insofern dient DIE WEISSE GÖTTIN… ebenso als Schablone, für diejenigen die einen Überblick über Kernbestandteile des Genres brauchen, als auch als Einstieg in diese Filmgattung.

Inhaltlich gibt’s folglich auch wenig neues zu entdecken. Aus dem Pool für Gründe eines Dschungelaufenthalts hat man das Motiv der Rettungsaktion ausgewählt (im Finale aber noch mit einem Twist versehen). Und so muss nun Ursula Andress durch den Urwald krabbeln um ihren Ehemann zu suchen. Dann kommt, was immer kommen muss: lange nichts, Kannibalen und Showdown.

Dass die kleine Gruppe während ihres Marsches beobachtet wird ist in der Tat anfänglich sogar spannend und hält den Betrachter bei der Stange. Immer wiederkehrende Laufzeitstreckungsschemata nutzen sich aber erstaunlich schnell ab und verkommen zu einem langweiligen Mix aus Tiere hier, Tiere dort, Wasserfall, klettern, wieder Tiere. Nachdem dann final die bösartige Fratze des Fortschritts entblößt wurde treten auch die Kannibalen auf den Plan. Eine wilde Horde unzivilisierter Subjekte, die sich bei Bedarf auch gegenseitig frisst und dadurch als Stammeskorpus in sich degeneriert. Um dies zu illustrieren gibt es sogar einen bösartigen Kleinwüchsigen im Stamm – sehr nett. In Folge des kannibalischen Mahls ergehen sie sich spaßiger Weise auch noch wie im Rausch in sexuellen Praktiken, beginnend bei Mastrubation bis hin zur Sodomie. Was gab’s noch? Ach ja: Schlangensuppe und Kastration (gibt’s einige Jahre später nochmal in Lenzis EATEN ALIVE!).

Im Ganzen ist DIE WEISSE GÖTTIN… ein mäßig unterhaltsamer Abenteuerfilm mit Bond-Girl-Bonus, zugegebenermaßen beeindruckenden Naturaufnahmen und ein paar Kannibalen am Ende, die als glaubwürdiger kultureller Gegenentwurf allerdings nur bedingt bis gar nicht taugen. Nett, mehr nicht 6/10


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