Nachdem das "Blair Witch Projekt" für Furore sorgte, sprossen immer mehr Wackelkamerafilme aus dem nährlosen Filmboden und blieben weit hinter dem Original zurück. Keiner schaffte es auch nur annähernd an den Erfolg und die Atmosphäre, so dass man dann doch schon bald wieder davon abließ. Erst in diesem (bzw. letzten) Jahr sollten gleich zwei Filme dieser Art wieder auf Erfolg stoßen. Zum einen J.J. Abrams "Cloverfield", in dem eine Gruppe mit der Wackelkamera auf Monsterjagd geht und "Rec", ein kleiner fieser spanischer Reißer von Spaniens "Master of Fear" Jaume Balagueró. Während ersterer dann aber doch alles in allem eher langweilte (zumindest mich), konnte "Rec" mit seiner beißenden Atmosphäre und dem Horror, der sich vornehmlich im Kopf aufbaut, doch sehr überzeugen. So auch die Amerikaner, die sogleich ein Remake in Auftrag gaben, welches nun bereits wenige Monate nach dem Original fertig war. Und so sieht es leider auch aus...
Doch erst einmal zum Positiven. Was man "Quarantäne" lassen muss ist die Tatsache, dass es sich storymäßig, an vielen Stellen, doch recht nah ans Original hält. Auch hier geht es um ein Kamerateam, welches in der Nacht eine Feuerwehrstation besucht und das Leben der Nachtschicht dort porträtiert. Lange passiert nichts, doch dann wird das Team zu einem Einsatz gerufen, bei dem eine alte Frau in einem Wohnhaus merkwürdige Schreie von sich gibt und somit ihre Nachbarn verängstigt. Das Team untersucht die Vorfälle und schon bald sind sie in dem Haus eingeschlossen, da es unter Quarantäne gestellt wird. Der Horror beginnt... Und für eine kurze Weile kann sich der "Rec"-bewusste Zuschauer auch mit dem Treiben anfreunden, denn viele Momente kommen ihm doch recht bekannt vor und somit sind die Anzeichen für ein gutes Remake auch gegeben.
Und auch wenn das Team im Haus eintrifft mag man sich für eine Weile noch einigermaßen gruseln können, wenn auch schon auf einem merkwürdig niedrigerem Niveau als beim Original. Man kann es gar nicht so recht erklären, aber wo "Rec" einem schon beim Betreten des Horrorhauses die Fußnägel vor Grusel hochrollen lässt, ist man hier doch deutlich entspannter beim Zusehen. Das mag vor allem am Haus an sich liegen, welches hier weit konventioneller wirkt, als beim fiesen Original, wo die Räumlichkeiten doch allesamt sehr begrenzt sind und nicht so hoch ausgebaut, wie hier. Dennoch, für ein wenig Gänsehaut mag es für einige Minuten noch reichen.
Aber schon bald bemerkt man, dass die Amerikaner eben doch nicht aus ihrer Haut können und ihre Version langsam aber sicher immer mehr und mehr aufplustern und Dinge in die Geschichte reinspinnen, die es so nicht im Original gegeben hat und zudem auch völlig überflüssig sind. So sind die Feuerwehrmänner hier teilweise doch recht sexistisch drauf und gehen einem mit viel überflüssigem Gelaber schnell auf die Nerven. Einige der Dialoge zwischen den beteiligten Personen wirken unnötig in die Länge gezogen und auch sonst wirkt alles nicht so schön eckig wie bei "Rec", sondern merkwürdig abgerundet. Glattgebügelt könnte man da fast sagen, wie es halt bei den Amis üblich ist.
Zumal einem hier auch der ständige Einsatz der Kamera irgendwie fremd vorkommt. Wo man sich bei "Rec" eigentlich überhaupt nicht wundert, warum das sensationsgeile Kamerateam so gut wie alles filmt, ist man hier doch immer wieder am grübeln, warum es hier selbst die größten Gefahren für das eigene Leben aufnimmt. Fast gar nicht wird die Kamera ausgeschaltet, selbst wenn der Zombie schon am Bein des Kameramannes nagt. Des weiteren wurde auch auf den schönen Rückspulmoment verzichtet, der bei "Rec" wirklich für einen äußerst kurzweilligen Moment sorgen konnte. Aber nun gut.
Der größte Schwachpunkt liegt hier allerdings bei der übertriebenen Brutalität. Wo sich bei "Rec" der Horror wirklich fast durchgehend im Kopf abspielt und die wenigen drastischen Goreszenen nur dazu genutzt werden, um diesen noch zusätzlich anzufachen, so darf in "Quarantäne" auch wirklich ja kein noch so blutiges Detail fehlen. Da werden Ratten zertreten, Infizierte mit der Kamera niedergedroschen und auch wirklich jeder befallene Bewohner darf noch einmal blutverschmiert vor der Kamera herum wackeln, so dass der Zuschauer auch wirklich weiß, dass es hier so gut wie alle erwischt hat. Horror für den Kopf sucht man hier vergebens. Hier darf ordentlich geschmoddert werden. Warum die FSK dabei dennoch gnädiger ist als beim Original ist mir jedenfalls schlichtweg ein Rätsel!
Das ganze Treiben etwas aufwerten können allerdings die Darsteller, wenngleich ihre Charaktere allesamt genauso leichenblass bleiben, wie die auftretenden "Zombies". Vor allem "Dexter"-Schnuckel Jennifer Carpenter macht als sensationsgierige Reporterin eine gute Figur, wenngleich ihr Gekreische, zumindest in der deutschen Fassung, irgendwann ziemlich am Nervengerüst wackelt. Aber an ihrer schauspielerischen Leistung gibt es nicht viel zu rütteln. Auch "Hostel"-Boy Jay Hernandez gibt sich soweit ordentlich und auch die anderen Darsteller können soweit überzeugen. Aber wirklich etwas raus holen können sie aus dem gescheiterten Projekt dann doch nicht mehr! Schade eigentlich!
Fazit: Überflüssiges Remake zu einem der besten Wackelkamera-Horrorfilme der letzten Jahre. Zwar hält sich "Quarantäne" ziemlich genau an das Original, doch das Aufblähen von 78 Minuten auf fast 90 Minuten Laufzeit hat dem Ganzen überhaupt nicht gut getan. Zuviel Blödsinn wurde hinzu gesponnen, zu geleckt sieht das ganze Treiben aus und der übertriebene Drang zum Gore lässt keinerlei Horror im Kopf zu. Wem das Blutvergiessen beim Original also zu schlaff dargestellt war, der darf sich nun an der amerikanischen Splatterversion erfreuen, doch wer wirklichen Grusel verspüren will, der bleibt bei "Rec". Die Spanier haben das nun einmal einfach besser drauf!
Wertung: 4/10 Punkte