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Abba ist nach wie vor die erfolgreichste Pop-Gruppe aller Zeiten. Und egal wen man auch immer fragt, kennen tut sie ein jeder und wirklich hassen tut sie keiner. Woran liegt das wohl? Ganz einfach, Abba-Songs sind ein Garant dafür gute Laune zu verbreiten, ohne das ihre Texte dabei irgendwo in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Denn auch wenn die Songs meist nicht allzutief gehen, so haben sie doch allesamt eine gewisse Bedeutung und geben die Gefühle der Menschen punktgenau wieder. Vor einigen Jahren nun, dachte sich Abbamann Björn Ulvaeus ein Musical aus, das insgesamt 20 Abbasongs in einer Geschichte vereint. Weltweit mit größtem Erfolg auf den Bühnen zu sehen, war schon von Anfang an klar, dass das Ganze auch als Filmversion funktionieren kann. Nun, 2008, ist es endlich so weit. Mit Meryl Streep und Pierce Brosnan als Zugpferde, darf die Erfolgswelle nun auch auf der Leinwand überschwappen. Und das wird sie auch zurecht tun, denn "Mamma Mia" ist nichts anderes als DER Gute-Laune-Hit des Jahres 2008.

Und dabei ist die Story erst einmal so Banal, wie es bei Musicals eigentlich eh und je der Fall ist. Es geht um ein junges Mädchen, welches auf einer abgeschiedenen griechischen Insel wohnt und dort heiraten will. Dazu möchte sie auch ihren Vater einladen, doch leider weiß sie nicht genau wer das ist, denn gleich drei Männer kommen dafür in Frage. Also lädt sie gleich alle drei dazu ein und nicht nur sie, sondern auch ihre Mutter, geraten dabei in einen Strudel aus Gefühlen und Wirrungen, bis alles in einem Happy End gipfelt, das sich gewaschen hat. Ja, die Geschichte ist wirklich so dünn, dass sie auf einem A5-Blatt Platz hätte und geizt dabei, in der vorfahrenden Handlung, nicht nur mit den üblichen Liebesgeschichten-Banalitäten, sondern schüttet vor allem in der zweiten Hälfte auch ein ziemliches Fass an Kitsch über das Treiben. Aber irgendwie stört einem das hier nicht im geringsten. Denn wer Musicals kennt und liebt der weiß, dass eine wirklich tiefgründige Story zu einem Musical kaum so recht passt, wenn es auf der gleichen Schiene unterhalten will. Beispiele dafür gibt es zwar durchaus, aber wer sich von flippiger Musik amüsieren lassen will, der dürfte eine wasserdichte Geschichte im gleichen Moment eher für störend halten. Beides zusammen beißt sich irgendwie, zumindest in den meisten Fällen!

Denn bei einem Film voller Gesang und Freude kommt es doch mehr auf die Musik und die Inszenierung des Ganzen an und da punktet "Mamma Mia" wirklich auf aller höchster Basis. Was (eigentlich Opern-)Regisseurin Phyllida Lloyd zusammen mit Björn Ulvaeus hier erschaffen hat, sprengt wirklich alle Grenzen und bietet 2 Stunden pure Lebensfreude, die man kaum wiederhergeben will. Dabei ist die Erschaffung einer Welt, in der Abbasongs eine Handlung vorantreiben, wirklich bis zum letzten Fitzel gelungen. Angefangen bei der großartigen Kulisse, bei der man aus dem Schwärmen nicht herauskommt, über prachtvolle Kostüme, grandiose Naturaufnahmen und einer Ausstattung, die zwar auf der einen Seite schön schlicht wirkt, auf der anderen Seite aber genauso pompös ist, wie man sie für ein Musical dieser Art braucht.

Und das Allerwichtigste, nämlich die bekanntesten Abba-Songs in einer Handlung unterzubringen, ist hervorragender geglückt, als man es sich je hätte vorstellen können. Da sinnieren drei Frauen über die enttäuschende Männerwelt, während im nächsten Atemzug mit "Money Money Money", die ironische Vorstellung, von Meryl Streeps Rolle Donna, vom Traummann offenbart wird. Oder wenn sie ihre drei verflossenen Liebhaber entdeckt und sie mit "Mamma Mia" beschreibt, wie der Strudel der Gefühle, in ihrem Inneren, wieder beginnt zu routieren. Und wenn Christine Baranskis Figur Tanya von einem jungen Hüpfer angemacht wird und sie ihn darauf musikalisch fragt "Does Your Mother Know" oder Pierce Brosnan aka Sam seiner verflossenen mit "SOS" endgültig zeigt, wie es noch um seine Gefühle steht, ist das Publikum schon längst von der Abba-Welt gefangen. Ja wirklich jeder Song ist absolut blendend in die ganze Handlung eingearbeitet worden und wirklich kein einziger wirkt irgendwo fehl am Platz. Nur "Waterloo" konnte wohl irgendwie nicht so recht in das ganze Geschehen eingearbeitet werden, so dass es nach dem Abspann noch einmal, in einer herrlich selbstironischen Art und Weise, von den Darstellern zur Schau gestellt wird. Und wenn dann bei den Endcredits noch "Thank You for the music" ertönt, weiß man ganz genau, dass selbst das vielleicht wichtigste Lied des Schweden-Quartetts in den Film eingearbeitet wurde. Kurzum, wer Abba-Fan ist dürfte diese Verarbeitung seiner persönlichen Lieblingssongs über alles lieben.

Aber auch sonst enthält "Mamma Mia" so ziemlich alles, was man von einem knallbunten Spaßmacher-Musical erwarten darf. Neben den schon erwähnten Kulissen und Kostümen, sind es auch die Tanzeinlagen, die hier nicht nur teilweise recht schräg geraten sind, sondern auch durchaus den Geist von Abba wiederspiegeln. So fängt hier wirklich alles und jeder an zu tanzen, wenn die Songs erklingen. Vom kompletten Hauptcast bis zum kleinsten Statist, über swingende Matrosen, plötzlich auftauchenden Wildfremden, die ungefragt in den Gesang einsteigen, bis hin zur aufgedonnertsten Diva, hat hier wirklich jeder die gute Laune im Blut und lässt sie bis aufs äußerste aus sich herausfahren. Dabei spiegeln die Songs und die Tänze auch eine Zeit wieder, die zwar schon lange hinter uns liegt, aber aufgrund der teilweise großartigen Hits von damals nie so ganz tot ist und hier noch einmal so stark auf die Leinwand schwappt, das selbst der Jüngste im Publikum sich in die 70er gesetzt fühlt, selbst wenn das Ganze eigentlich in der Gegenwart spielt. So und nicht anders hat man sich diesen Film vorgestellt.

Abgerundet wird das ganze Treiben dann noch von einem Cast, der so spielfreudig ans Werk geht, dass man dessen Lust und Spaß am ganzen Spiel bis in die tiefsten Winkel des eigenen Körpers zu spüren vermag. Da kann man wirklich nehmen wenn man will, alle haben hier definitiv die Zeit ihres Lebens. Angefangen bei der wunderbaren Meryl Streep, als verarmte Hotelbesitzerin, die ihrer Tochter eine Hochzeit bescheren will, wie sie sie sich selbst immer gewünscht hat. Oder die schnuckelige Amanda Seyfried, welche niedlicher und attraktiver, sowohl im Spiel als auch im Aussehen, kaum sein könnte. Dazu Pierce Brosnan, Stellan Skarsgård und Colin Firth als die verschmähten Mannsbilder, die plötzlich wieder in das Leben von Donna treten. Und natürlich die herrlich durch geknallte Julie Walters, sowie Christine Baranski, die hier sowieso wieder einmal voll und ganz in ihrem Cybill-Element ist und sowieso eine der besten Darstellerinnen ist, die leider nie so ganz das ganz große Licht von Hollywood erfahren durfte. Wirklich jeder ist mit ganzem Elan dabei, so dass "Mamma Mia" nun endgültig zu einem Gute-Laune-Meisterwerk wird, dass sich die Musical-Welt schon lange mal wieder gewünscht hat!

Fazit: "Der gute Laune Film des Sommers" entpuppt sich als der wohl wahrste Werbespruch seit langem. Auch wenn die Story unheimlich banal ist und kaum Tiefgründigkeiten zu bieten hat, so ist die Inszenierung, die Musik, ja einfach das ganze Drumherum so derart perfekt geworden, dass man als Genre-Fan darüber mit einem absolut breitem Lächeln hinweg sehen kann und 2 Stunden lang die pure Freude am Zuschauen geniest. Wunderbare Songs, so präzise in eine Handlung eingearbeitet, wie es passender kaum passen könnte, grandiose Kulissen, tolle Tanzeinlagen und ein Schauspielerensemble, das von Anfang bis Ende unheimlich aufgespielt bei der Sache ist und fertig ist ein Film, den man jeden, der das Leben nicht schon als endlos großen Trauerkloß abgestempelt hat, empfehlen kann. Für Abba- und Musicalfans sowieso Pflicht!

Wertung: 9/10 Punkte

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