Eine Kritik von c.funke (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 27.02.2009, seitdem 222 Mal gelesen
Gomorrha – Reise In Das Reich Der Camorra (Prokino)Â
Das Bild der Mafia, welches der geneigte Zuschauer vor seinem geistigen Auge in der Regel aufbaut ist das des Geldes, großer Häuser, luxuriöser Feste, strenger Regeln und einem eisernen Ehrenkodex. Das Oberhaupt hatte in der Regel ein offenes Ohr für die Sorgen der Bevölkerung, und schaffte es in ärmeren Bereichen Arbeitsplätze zu schaffen. Dass dabei bis in die höchsten politischen Ämter Bestechungsgelder flossen, und Gewalt und Tod die Begleiterscheinungen waren, spielte oftmals eine sekundäre Rolle. So vermittelten das die einschlägig bekannten Filme, welche ohne Frage Meisterwerke sind, jedoch der gegenwärtigen Realität nicht sehr nahe kommen. Als der junge Autor Roberto Saviano sein Buch über einen Randbezirk in Neapel und die dortigen kriminellen Verhältnisse veröffentlicht, muss er sofort unter dauerhaften Polizeischutz gestellt werden, da ernstzunehmende Morddrohungen seitens der Mafia gegen ihn eingingen. Warum ist es ihm gelungen, diesen Machtapparat derart aufzurütteln?
Zum Teil liegt es an seiner realistischen Schilderung der heutigen Umstände, aber vor Allem an dem Punkt, dass er das völlige Fehlen irgendwelchen Glamours aufzeigt. Hier wird die Faszination, die in anderen Medien vermittelt wird grundlegend erschüttert, in dem er zeigt, dass selbst die oberste Riege aussieht, als sei sie einem schlechten Gangsterfilm entsprungen. Einzig Posen und schwere Waffen sind der Inhalt des Handelns, rivalisierende Clans machen sich gegenseitig das Leben schwer und ahnden Verfehlungen mit sofortiger Gewalt. Es wird deutlich, dass die Strukturen der Gomorrha alles andere als klar strukturiert sind, sondern stattdessen das gesellschaftliche Leben lähmen und behindern. Die filmische Adaption basiert auf ein Drehbuch aus der Feder des Autoren, und wurde von Matteo Garrone schonungslos und realistisch in Szene gesetzt. Den Blickwinkel erlebt der Zuschauer dabei aus fünf verschiedenen Handlungssträngen, welche geschickt verwoben werden, sich punktuell sogar kreuzen, aber jeweils entscheidende Aspekte des Alltags aufzeigen. Dabei bleibt der filmische Blick kühl und auf Realismus bedacht. Prokino veröffentlicht dieses Meisterwerk, welches zu recht in Cannes ausgezeichnet wurde, Mitte März 2009 auf DVD. Die Botschaft des Filmes ist eindeutig die, dass es keinerlei Faszination für diese Organisation geben kann, sondern einzig Hoffnungslosigkeit und Gewalt verbreitet. Bei der Vermittlung dieser Botschaft wird dabei auf jegliche Anbiederei am Publikum verzichtet, was den Film neben seinem eher dokumentarischen Charakter sehr spannend und faszinierend gestaltet. Â
CFSÂ