Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 13.06.2011, seitdem 117 Mal gelesen
Raumschiff Eddie Murphy...
Gina fährt Dave mit dem Auto an. Dieser überlebt überraschender Weise. Kein Wunder, denn Dave ist ein Raumschiff, das aussieht wie ein Mensch und dessen Crew verzweifelt nach einem verloren gegangenen Objekt sucht. Von all dem hat Gina nicht die geringste Ahnung. Aber ihr Sohn erkennt die Wahrheit hinter Dave und hilft...
Über die grundlegende Idee dieses Streifens kann man wahrlich nicht meckern: ein Raumschiff, das aussieht wie ein Mensch, gesteuert von einer Crew Miniatur-Aliens, dessen Captain so aussieht wie Dave. Daraus ließe sich einiges machen. Doch schon die Anwesenheit Eddie Murphys lässt einen daran zweifeln, hatte der Komiker doch nach „Der Guru“ und „Bowfingers große Nummer“ nichts Sehenswertes mehr gedreht, da er entweder im Mainstream oder im Fäkalhumor badete.
Um so interessanter ist es, dass wir das negative Ergebnis von „Mensch, Dave!“ diesmal nicht Murphy zu verdanken haben. Im Gegenteil, dieser agiert mit viel Spielfreude, darf sich mal wieder richtig austoben und weiß zu wirken, zumindest so weit es Regisseur Robbins inmitten von selbstzweckhaften Spezialeffekten, Moral und Kitsch zulässt, womit die Negativpunkte des Films bereits fast alle aufgezählt sind.
Wie so oft in der Zeit der Political Correctness, folgt der Film einem viel zu braven Muster, das überraschende Storywendungen ebenso ausgrenzt wie die Möglichkeit all jenen Humor einzubauen, den diese Geschichte verdient hätte. „Meet Dave“, so der Originaltitel, musste leider ein Familienfilm werden, und darf sich nur deshalb Komödie nennen, da Murphy herumalbern darf.
Das macht er wie erwähnt auch mit viel Spaß und Talent, aber leider, und da kann der gute Mann nun gar nichts für, nur innerhalb infantiler Grenzen. Entweder bedient man sich der Komik, die mit der Story fast automatisch einhergeht, oder man konzentriert sich auf plumpe Albernheiten, die auch einem 10jährigen eingefallen wären.
Ein augenzwinkernder Umgang mit „Raumschiff Enterprise“ ist damit ebenso wenig möglich wie das Spiel mit Gesellschaftskritik. Im Gegensatz zu Erstgenanntem ist zweites aber ohnehin nicht erwünscht, ganz im Gegenteil. Wie so oft in amerikanischen Filmen mit anderen Kulturen, so wie z.B. auch bei „Good Vibrations“, wird genau das Gegenteil zelebriert: alles ist gut, die menschliche Rasse ebenso wie ihr Hang zu Oberflächlichkeiten, die in der Spaßgesellschaft zum Zentrum menschlicher Freude aufgepuscht werden.
Wieder einmal wird dem Gefühl mehr Bedeutung zugeschrieben als dem Verstand, und damit ist der Weg frei gegeben zu einer Manipulation, die nicht nur den Zuschauer beeinflusst und/oder beleidigt, sondern auch in ihrem Inhalt fragwürdiger Natur ist. Kommt alle her! Wir sind das Land der Freiheit! Hier wohnen alle Kulturen fröhlich vereint, vorausgesetzt man ignoriert seine eigene Kultur und lebt die Spaßgesellschaft im Kapitalismus.
So dick wie ich hier meine Kritik am Film auftrage, trägt dieser die besagte Manipulation auf. Beim Entdecken irdischer Freuden, die im gefühlskalten Weltall längst vergessen waren, darf der schwule Klischeemann ebenso wenig fehlen wie der unverbesserliche Bösewicht, denn was wäre das amerikanische Weltbild ohne vorhandenes Feindbild. Klingt amerikafeindlich? Aber wieso arbeitet dieses Land in seinen Filmen dann immer wieder mit solchem Stuss? „Mensch, Dave!“ soll nicht dem Zweck der Unterhaltung dienen, sondern dem Erziehen des Zuschauers. Und je mehr Filme dieser Art er guckt, um so besser funktioniert diese Gehirnwäsche, von der sich manche Sekte noch das ein oder andere abgucken kann.
Man ist solche Filme gewohnt. Es schockt nicht mehr wirklich, wenn eine intelligente Rasse vom All die Liebe lernen muss und dies in einer psychologisch wie naturwissenschaftlich völlig sinnlosen Art und Begründung. Die Disney-Studios arbeitet seit den 90er Jahren daran dieses Weltbild zu formen. Zumindest begann in dieser Zeit die Tendenz den Zweck über die Geschichte zu stellen. Warum ich mich da noch aufrege? Möge man es doch in plumpen Teenie-Filmen wie „Dexter Riley“ und Co machen, aber mich ärgert, dass hier eine Filmidee kaputt gemacht wurde, die in guten Händen das Ergebnis eines „Zurück in die Zukunft“ hätte haben können.
Eben weil man diese Manipulation schon gewohnt ist (ich zumindest, kein Wunder bei meinem Filmverzehr), kann ich in gewisser Weise noch so gnädig darüber hinwegsehen. Theoretisch hätte ein solch menschenfeindlicher Film automatisch eine schlechte Wertung verdient. Aber ich bin abgehärtet und konnte manch nette Idee im fertigen Streifen sichtet, die eine höhere Bewertung noch zulässt. Neben der grundlegenden Idee des Streifens ist es meist das wirre Gerede des „Außerirdischen“, das einen zumindest noch halbwegs versöhnlich stimmt.
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